Auf Tour

Wie es der Lahrer Band There’s a Light in China erging

Theresa Steudel

Von Theresa Steudel

Mi, 12. September 2018 um 17:30 Uhr

Lahr

Die Lahrer Band There’s a Light ist von ihrer Tour in China zurückgekehrt. Zehn Auftritte, mehr als 200 Zuschauer – so richtig glauben, was da passiert ist, können sie es immer noch nicht.

Die Lahrer Band There’s a Light ist von ihrer Tour in China zurückgekehrt. Zehn Auftritte – den geplanten elften verhinderte ein Taifun – haben die fünf Bandmitglieder erlebt, jedes Mal vor mehr als 200 Personen. Und das, obwohl sie daheim meist nur vor sehr kleinem Publikum spielen. So richtig glauben, was da passiert ist, können sie es immer noch nicht.

"Wie war das nochmal?", fragt Jan Lüftner, hält eine Hand nach oben und versucht ein Zeichen zu formen, das an die Gans beim Schattenspiel erinnert. "Nee, so", antwortet Markus Dold und verrenkt die Finger ebenfalls. Den ratlosen Blick der Redakteurin beantwortet Andreas Richau. "In China hat jede Zahl von eins bis zehn ein bestimmtes Handzeichen", erklärt er schmunzelnd, während seine Bandkollegen versuchen, nur mit den Händen ihre Getränke in der Lahrer Kneipe zu bestellen. Die knappen drei Wochen China haben Eindruck hinterlassen. Auf die Frage, wie es nun war, antwortet Gitarrist David Christmann nur: "Geil, atemberaubend, surreal, unglaublich." Seine Bandkollegen nicken, "unglaublich trifft’s am besten", sagt Markus Dold.

Schon als 2017 die Anfrage für die Tour in China kam, konnte es keiner der fünf Bandmitglieder so richtig glauben. In Deutschland oder Europa hätten sie zahlreiche Mails verschickt, um Touren zu organisieren, aber es klappte nie. Warum ihre Musik ausgerechnet in China so beliebt ist, kann keiner der vier anwesenden Bandmitglieder (der Fünfte, Jonas Obermüller, wohnt in Frankfurt) so richtig sagen. Der Song "We choose to go to the moon", der auf einer chinesischen Plattform inzwischen Millionen Mal geklickt worden sei, habe es einfach irgendwie nach China geschafft. "Schneeballsystem", fasst es Gitarrist Markus Dold zusammen. "Einer fand’s gut und hat’s geteilt."



Dass die Auftritte in China anders werden als die bisherigen, merkten die fünf Musiker beim ersten Konzert in Peking. Bassist und Sänger Andreas Richau zeigt auf seinem Handy ein Video vom ersten Konzert. Die Halle ist voll, dem minutenlangen Intro hören die chinesischen Zuschauer gebannt zu. Dann stimmt die Band den ersten Akkord von "We choose to go to the moon" an – es braucht nur diesen einen Ton und das Publikum antwortet mit einem lauten Jubelschrei. "Als das das erste Mal passiert ist, hatte ich echt ein wenig Tränen in den Augen", beschreibt Richau seinen größten Gänsehautmoment der Tour. Sein Bandkollege David Christmann stimmt ihm zu. "Ich hätte in der Sekunde sogar fast den Faden verloren beim Spielen", sagt er.

Das chinesische Publikum erkennt den Song "We choose to go to the moon" nach minutenlangem Intro an nur einem Ton



Schlagzeuger Jan Lüftner habe den Erfolg erst so richtig begriffen, als ihr Tourmanager sie beim am besten besuchten Auftritt in Shenzhen lange vor Konzertbeginn in den Backstagebereich schickte, "weil die Fans sonst kommen und Fotos mit uns machen", erklärt er. In Deutschland wären sie wenige Minuten vor dem Auftritt noch immer draußen, ohne angesprochen zu werden. "Wenn wir in Deutschland spielen, sind wir meistens mit anderen Bands unterwegs", sagt auch Markus Dold – in China hingegen seien die Fans nur wegen There’s a Light gekommen. In Peking gingen sie erst auf die Bühne, als die bekannte und aufstrebende chinesische Vorband fertig war – normalerweise sei es anders herum. Danach standen etliche Fans Schlange, um sich ein Autogram geben zu lassen. Manche erzählten, ihre Musik habe ihnen das Leben gerettet, andere bekamen nur ein schüchternes "Thank you" heraus.

China, finden alle vier, sei ein Land der Extreme und Kontraste – egal ob bei Landschaft, Essen oder Mentalität. Das merkte Sänger Andreas Richau auch bei den Auftritten: "Die Chinesen müssen animiert werden", sagt er. In Deutschland rede er sehr wenig mit dem Publikum, die Musik spreche für sich. Die Band habe sich sogar dafür entschieden, auch in den Pausen immer ein bisschen zu klimpern, weil das europäische Publikum sonst mit Reden anfange. "In China war immer Totenstille", erzählt er. "Wenn sie dann mal jubeln, dann aber so richtig emotional! Aber nur für wenige Sekunden – dann ist wieder Ruhe und sie starren dich an."

Am Samstag wird in Lahr die neue CD vorgestellt

Nach China zurück wollen sie schon nochmal, wenn auch nicht vor 2020. Denn Voraussetzung sei ein neues Album. Das nächste Ziel sei nun Europa, noch suchen sie nach einem Booker – also jemanden, der ihnen den Kontakt und damit Eintritt zu Festivals verschafft.

Bis dahin steht am Samstag, 15. September, aber erst einmal die Release Show des seit Juni erschienenen Albums "A Long Lost Silence" an. Ab 20.30 Uhr spielt There’s a Light im Schlachthof. Schon aufgeregt, nach der China-Tour? "Ein bisschen", gibt Andreas Richau zu. Denn auch in Europa scheinen sie ihre Bekanntheit zu vergrößern. Zum Lahrer Konzert hat sich bereits ein Besucher aus Mittelfranken angekündigt, der mehr als 300 Kilometer zurücklegt, um die Band zu sehen. Die Musik hatte er zufällig bei einem Festival in Rumänien gehört, ein DJ hatte sie laufen lassen. Während Richau das erzählt, unterbricht ihn David Christmann – so eben sei eine Anfrage gekommen, ob die Jungs sich vorstellen könnten, noch in diesem Jahr in Italien zu spielen. Klar, heißt es aus der Runde.