Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. April 2017 07:22 Uhr

Minusgrade

Wie Landwirte mit Feuer und Eis gegen den Frost kämpfen

Minusgrade in der Nacht auf Donnerstag haben die Landwirte in Südbaden hart getroffen. Viele haben versucht, ihre Pflanzen zu schützen, nicht alle hatten Erfolg. Das Ausmaß des Schadens lässt sich noch nicht beziffern – und einige Frostnächte kommen noch.

  1. Der Eispanzer soll diese Apfelblüten bei Denzlingen schützen. Foto: dpa

Experten hatten schon Tage vorher gewarnt. Der Frost kam in der Nacht zum Donnerstag dann aber doch überraschend: "Kurz bevor die Temperaturen unter Null Grad gesunken sind, war es noch bewölkt", erklärt Hans-Dieter Beuschlein vom Infoservice Pflanzenbau des Ortenaukreises. Das war gegen 22 Uhr. Bis zum nächsten Morgen blieben die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt – viel Arbeit für Obstbauern, Landwirte und Winzer.

Kerzen gegen die Kälte

Obstbauer Joel Siegel und seine Mitarbeiter haben zwischen Mengen und Norsingen 1800 Spezialkerzen in Blecheimern aufgestellt, um die Bäume vor der Kälte zu schützen. Ein gewaltiger Aufwand: Das Aufstellen dauerte Tage, die Kosten lagen bei mehreren tausend Euro. Siegel ist gebürtiger Franzose, kennt das Verfahren aus seiner Heimat. Die Kerzen sollen die Bäume bei bis zu minus zwei Grad frostfrei halten. In der Nacht auf Freitag war es kälter. "Das ist schon sehr kritisch", sagt Ehefrau Gabriele Siegel.

Eispanzer schützen Blüten

Eine gängige Methode ist die Beregnung: Bevor die Temperatur unter den Gefrierpunkt sinkt, werden die Pflanzen von oben mit Wasser besprüht. Um diese bildet sich eine Eisschicht, dabei wird Energie freigesetzt – also Wärme. Wichtig sei, sagt Experte Dieter Beuschlein, dass die Beregnung nicht zu früh abgebrochen wird. "Da heißt es, nachts mehrmals aufstehen", sagt Landwirt Harald Wochner aus Merdingen. Das Problem: Beregnen funktioniert nicht bei allen Pflanzen – und man braucht Wasser.

Werbung


Helikopter wirbeln Luft herum

Kalte Luft ist schwerer als warme. Mit Hubschraubern und großen Gebläsen können Landwirte versuchen, warme und kalte Luft zu vermischen. So soll es um die Pflanze wärmer werden. Das funktioniert aber nur, wenn eine warme Luftschicht da ist – es darf also nicht zu kalt sein. Außerdem ist es teuer: Das Agrarministerium hat Helikopterversuche in einigen Regionen jetzt zur Hälfte bezuschusst. Gesamtkosten für zwei Tage: 40 000 Euro für 100 Hektar Land.

Hagelnetze speichern Wärme

Obstbauer Markus Schörlin aus Huttingen bei Efringen-Kirchen hat engmaschige Hagelnetze über seine Apfelbäume gespannt. Die sollen vor dem Frost schützen: Wenn tagsüber die Sonne scheint, heizt sich der Bereich unter dem Netz auf – so bleibt Bodenwärme erhalten. Es gibt noch andere Methoden: Manche Landwirte verzichten auf Sorten, die zu früh im Jahr blühen. Andere decken ihre Felder mit Vliesen oder Folien ab. Einige Winzer mulchen jede zweite Rebzeile: Die dunkle Erdkrume nimmt Sonnenwärme auf und strahlt sie nachts wieder ab.

Mehr zum Thema:

Autor: unserer Redaktion und Agenturen