19. Juni 2009 15:31 Uhr

Streit um Marsch der deutsch-französischen Brigade

Wie viel Militär verträgt Müllheim?

In Müllheim streitet man sich wegen der deutsch-französischen Brigade. Diese will anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens beim Müllheimer Stadtfest am nächsten Wochenende durch die Innenstadt marschieren. Dagegen regt sich Protest .

Die deutsch-französische Brigade marschiert – in Müllheim will das mancher nicht dulden. | Foto: A2070 Rolf Haid
Die Deutsch-Französische Brigade, seit 1992 mit dem Stab und dem Versorgungsbataillon in Müllheim stationiert, feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Dass dieser Anlass mit dem Müllheimer Stadtfest am kommenden Wochenende und einem Marsch von 1500 Soldaten durch die Innenstadt verbunden ist, sorgt für seit Wochen Gesprächsstoff. Friedensbewegte Gruppen rufen zu Protesten gegen den Marsch auf.

Es ist eine ungewöhnliche Allianz aus Friedensrat, Grünen, einem evangelischen Arbeitskreis, der DGB-Ortsgruppe und der Partei "Die Linke", die da gegen den Marsch Sturm läuft. "Militäraufmärsche, Appelle und andere militärische Veranstaltungen im öffentlichen Raum sind Machtdemonstrationen, wie sie von autoritären Regimen genutzt werden," lautet eine ihrer Aussagen. "Die Brigade ist ein Instrument des Tötens und nicht der Völkerfreundschaft" ein anderes.

WIDERSTAND ZIEHT KREISE

Aber auch auf der Seite der Befürworter wird geholzt. "Wer so das Ansehen der Deutsch-Französischen Brigade beschädigt, beschädigt auch das Ansehen der Stadt", sagt Müllheims Bürgermeister René Lohs. Er hat noch die Infragestellung der Brigade durch den französischen Staatspräsidenten im Nacken, wie sie zu Beginn des Jahres im Raum stand. Nun befürchtet Lohs, die kritischen Töne könnten bis nach Paris dringen.

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Der Widerstand zieht auch schon Kreise. Flugblätter werden von Freiburg bis Lörrach verteilt, und es wird zu friedlichem Protest aufgerufen. Dabei wird – um im Jargon zu bleiben – in Müllheim auch ein Stellvertreter-Krieg geführt. Denn die Friedensbewegten zielen mit ihrer Kritik auch auf die deutsche Außenpolitik, die seit 1990 die Bundeswehr zu friedenserhaltenden Einsätzen ins Ausland schickt. Die sachliche Auseinandersetzung darüber, wie klug es ist, die Brigade derart ins Rampenlicht zu rücken, kommt so kurz.

Demgegenüber betont Brigadegeneral Andreas Berg, der Kommandeur der Brigade, dass ihm vor allem an mehr Gelassenheit gelegen sei im Verhältnis der Bevölkerung zu ihrer Bundeswehr. Die Brigade wolle bei ihrem Jubiläum ihre Verbundenheit mit der Region zum Ausdruck bringen, in der sie stationiert ist.

Denn es wird nicht nur durch Müllheim marschiert, sondern über den Schwarzwald, die Vogesen und den Rhein hinweg. Die Soldaten kommen nämlich auch von den beiden Standorten Donaueschingen und Immendingen sowie vom Hartmannsweilerkopf im Elsass, um sich am Freitag kommender Woche in Müllheim zu einem Biwak zu treffen. Von dort marschieren sie durch Müllheims Werderstraße zur Kaserne – im Feldanzug, mit leichter Bewaffnung, einer Militärkapelle und mit Liedern auf den Lippen.

REVERENZ AN DIE FRANZÖSISCHEN PARTNER

Der Marsch sei kein Selbstzweck, betont Andreas Berg, sondern eingebettet in eine Übung. Er sei auch keine Militärparade. Aber er ist, das räumt er ein, eine Reverenz an den Partner im binationalen Verband, "ein bisschen der Versuch, die französische und deutsche Tradition zu verbinden." Der Brigadegeneral und der Bürgermeister, die sich diese Form des Feierns ausgedacht haben, sind überzeugt, dass die Kritik nur von einer politischen Randgruppe kommt und sehen sich in Müllheim von der Mehrheit getragen. Das stimmt insoweit, als es im Gemeinderat eine breite Zustimmung von der CDU über die Freien Wähler bis zur SPD gab. Nur zwei Gruppierungen mit zusammen sechs (von 28) Stadträten sagen kompromisslos Nein.

An den Brigadestandorten Donaueschingen und Immendingen ist es bisher sogar noch ruhiger geblieben. "Wir sind hier eingebunden in das öffentliche Leben. Die Bürger sehen uns hier jeden Tag in Uniform, und ich kann mich nicht erinnern, dass das je Anlass zur Kritik gegeben habe," sagt Presseoffizier Gerhard Graf in Donaueschingen.

Erstaunen über die Aufregung in Müllheim auch in Immendingen: Aktivitäten im öffentlichen Raum gehören für die dort stationierten Soldaten dazu. So finden auf dem Immendinger Schlossplatz öffentliche Gelöbnisse statt, und als der Standort 2008 sein 50-jähriges Bestehen feierte, war die Bevölkerung begeistert dabei, erinnert sich Feldwebel Guido Averhage. Niemand habe daran Anstoß genommen.

Dass die Brigade auch in Müllheim geschätzt wird als größte Arbeitgeberin, die die Region mit vielen Investitionsmillionen und der Kaufkraft der Soldaten und ihren Familien stärkt, ist unbestritten. Dass die Liebe der Bevölkerung aber soweit ginge, dass sie vorbehaltlos hinter den Auftritten steht, aber ist Spekulation.

Ins Stadtfest sind die Soldaten von jeher integriert. Sie haben einen Stand, und der Stab ist beim Festauftakt vertreten. Der ist dieses Jahr ebenfalls von der Brigade geprägt. Der Generalinspekteur des Heeres, General Hans-Otto Budde, früher Kommandeur der Brigade, hält den Stadtfestvortrag in der Martinskirche. Auch das sehen die Kritiker nicht gern.

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Autor: Gabriele Babeck-Reinsch und Maikka Kost



31 Kommentare

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Der Advokat  

Der Advokat 19. Juni 2009 - 16:14 Uhr

Was für ein Problem haben die Menschen denn ?
Deutsch/Franz. Freundschaft; nur eine Floskel ?
Ich meine in Zeiten, in denen Europa und die Welt zusammenwachsen ( sollen ),
müsste man eigentlich über diesen veralteten Ansichten stehen, oder ?

 

Klaus 19. Juni 2009 - 17:42 Uhr

Klaus
Nach mehr als 100 Jahren Mord und Totschlag zwischen unseren Ländern ist es jezt möglich eine gemeinsame Einheit aufzustellen. Das ist ja wohl ein riesiger Fortschritt. Dass es die Welt ganz ohne Armeen noch nicht gibt ist schade - Sollte aber nicht vom Thema ablenken.

 

Willy B. 19. Juni 2009 - 17:49 Uhr

1870/71

1914/18

1939/45

Danke dafür, dass wir endlich Frieden haben und Frieden halten. Ich schließe mich den "Vorschreiber" an. Mir ist die Brigade willkommen.

 

Bolero 19. Juni 2009 - 18:11 Uhr

Wer die Brigade ablehnt, unterbricht einen seit Jahren anhaltenden Friedensprozess, welcher in unserer Geschichte einmalig ist. Nur naives Denken führt zu einem Glauben an Friede ohne eine funktionierende Armee. Die Zeit des Kleinstaatendenkens ist vorbei, seien wir uns bewusst, wir sind Europäer und dementsprechend wird von uns ein gewisses Maß an konstruktiver Zusammenarbeit erwartet, auch im militärischen Bereich. Die D/F Brigade leistet hierfür hervorragende Arbeit. Danke!

 

chrisalex 19. Juni 2009 - 18:48 Uhr

Es ist doch eine selbstverständlichkeit das sich die deutsch/franz. brigade in der öffentlichkeit zeigt und am öffentlichen leben teilnehmen. gemeinsam für frieden und europäische einigung aufgestellt und dann verstecken? es ist militär um unsere freiheit zu verteidigen und muss im öffentlichen leben intgriert sein. nur so können wir entwicklungen verhindern die unsere völker viele jahre nicht in frieden hat leben lassen. die ewig gestrigen werden wohl europa nie verstehen und stehen nicht zum friedensauftrag, schade. christian

 

schönes Wochenende ! 19. Juni 2009 - 18:53 Uhr

ich verstehe nicht, warum sich diese selbsternannten Friedensfreunde so aufregen:

wenn und so lange z.B. B90/Grünen-Abgeordnete mit jener Airline, die am Rumpf das eiserne Kreuz trägt, um die Welt jetten können, ist doch alles o.k., oder?

so lange die Jungs in den seltsamen Gewändern parat stehen, um ihren eigenen Kopf hinzuhalten, damit/während diese Friedensfreunde gerade den Schlaf des Gerechten schlafen oder mal eben gegen G8 etc. demonstrieren können doch auch, oder?

und da stören diese Jungs in den seltsamen Gewändern, wenn sie ihre Kaserne zusammen verlassen und offenbar "planlos" in der Stadt "umherirren"?

jeder Verein und jede Organisation, ja auch unsere lieben, selbsternannten Friedensfreunde egal, welcher Couleur sie nun angehören, nimmt für sich in Anspruch, in der Öffentlichkeit auftreten zu dürfen: warum in aller Welt sollte unsere Bundeswehr, die den Fortbestand dieses Staatsgebildes in harten Zeiten durch ihre Präsenz mit geholfen hat zu sichern und deren Existenz seit über 50 Jahren von verschiedenen politischen Gruppierungen so ganz nebenbei laufend unter den Teppich gekehrt worden ist dies nicht auch tun dürfen?

Ich schlage vor, dass diejenigen, die am lautesten dagegen wettern mal in sich gehen und sich selbst fragen, was sie ihrem Land bislang "Gutes" getan haben ...

schönes Wochenende !

 

Holger 19. Juni 2009 - 19:07 Uhr

`Friedensbewegte Gruppen rufen zu Protesten gegen den Marsch auf`... Gerade Jene sind es, welche sich jeden Tag in Sicherheit unseres Grundgesetzes wiegen. Das Militär ist ein wichtiges Organ zur Stabilisierung und Erhaltung dieser Sicherheit.

1500 Soldaten würden nicht in der Öffentlichkeit randalieren... und die Protestler???

Laßt sie marschieren, denn das gehört sich so. Gerade bei diesem Anlass.

H. Krause, StUffz a.D.

 

BK-Elle 19. Juni 2009 - 20:34 Uhr

Vor 60 Jahren waren es unter anderem gerade die Großväter der jetzt franzöischen Brigadeangehörigen, die ihr Leben aufs Spiel setzten bzw. sogar opferten, damit wir in der jetzt freien demokratischen Welt leben können.
Leider ist es immer noch erforderlich, dass die Welt das Militär braucht, damit diese hart erkämpfte Freiheit verteidigt werden kann.
Das ist aber zu aller Letzt das Verschulden der hier feiernden Soldaten.

Die hier aufschreienden Kritiker nehmen alle Annehmlichkeiten unserer freien Welt in mit einer Selbstverständlichkeit in Anspruch, den diese Soldaten gewährleisten. Ihren Protest gegen diese Feier finde ich anmaßend und unverschämt.

 

multinick 19. Juni 2009 - 22:45 Uhr

was soll das den ,die gehören alle zu mülheim ,und diese stadt lebt recht gut vom militär

 

pantechnicon 19. Juni 2009 - 23:31 Uhr

Vor achtzig Jahren brauchten "wir" das Militär, um "uns" vor den wilden Franzosen zu schützen. Heute brauchen "wir" das Militär, um uns vor den wilden Afghanen zu schützen. Vor achtzig Jahren hat die Mehrheit der Menschen in Deutschland NICHT auf jene Idealisten gehört, die der Meinung waren, dass das Militär Teil des Problems und nicht Teil der Lösung sei. Ein friedliches Zusammenleben von Franzosen und Deutschen? Welch lächerliche Vorstellung... Am Ende stand der Zweite Weltkrieg mit Millionen toten Franzosen und Deutschen.

Haben "wir" wirklich so viel aus der Geschichte gelernt, wenn "wir" heute junge Deutsche und Franzosen gemeinsam gegen Dritte in den Krieg schicken und den besagten Idealisten wiederum brüsk übers Maul fahren?

 

Kommander1 19. Juni 2009 - 23:45 Uhr

@pantechnicon:
mir scheint das du viele Jahre zurück geblieben bist

 

fbw 19. Juni 2009 - 23:53 Uhr

Ich finde die Diskussionen absolut unnötig. Wie die meisten Vorredner schon sagen, ist es keine „Militärparade“ sondern eine Feier zum 20-Jährigen Bestehen der D/F. Ich habe damals meinen Grundwehrdienst abgeleistet und bin froh, dass es bei der Bundeswehr heute andere Ausbildungsmethoden gibt. Damals war der „Feind“ immer Rot und kam auch immer von links bzw. Ost.
Lasst doch Müllheim und die D/F feiern.
Gruß
FBW ( Gefreiter a.D.)

 

Gisela 19. Juni 2009 - 23:59 Uhr



Früher war ein Pazifist ein Verrückter in einer realistischen Welt,
jetzt ist er ein Realist in einer verrückten Welt.
Jan de Vries

 

nightandday 20. Juni 2009 - 00:05 Uhr

,,,, die kritiker sollten auch mal an die anghörigen und deren kinder denken,,,,, für sie sind es schreckliche zustände und anfeindungen die sie erfahren werden,,,,, wo bleibt da die toleranz ,,,, aber das sind den friedensaktivisten anscheinend egal,,,,,, so verletzten auch sie die menschenrechte auf ihre weise,,,,,, aber leider sind diese menschen von dem friedensrat so gestrickt das sie über alles erhaben sind, so schaffen sie auch eine negative stimmung gegen die freundschaft franco-allmande zu bringen ,,,,, und ich dachte der krieg wäre vorbei ,,,, leider bin ich zu diesem zeitpunkt der öffentlichen präsentation schon im urlaub ,,,, trotzdem muss mal gesagt werden das es auch menschen gibt, die ein harmonisches und zwischenmenschiches zusammen leben befürworten, merci das es euch gibt ,,,,,

 

Gisela 20. Juni 2009 - 00:10 Uhr

@holger
Wenn Sie die Rechte, die das Grundgesetz garantiert in Gefahr sehen, dann kommt diese Bedrohung doch nicht von außen. Was soll das Militär dann sicher? Soll es vi
elleicht im innern der Bundesrepublik eingesetzt werden? und gegen wen?

Die Sicherheitshysterie ist es doch, die unsere Freiheit beschneidet.

 

ExilFreiburger 20. Juni 2009 - 01:04 Uhr

Was soll denn der ganze Stress, die Jungs wollen einfach Ihr 20 Jähriges feiern. Der Firma xy wird das ja auch nicht verboten. Nur weil sie Uniformen und Gewehre tragen sind es ganz normale Leute wie wir alle. Wenn man sie nicht feiern lassen würde wäre das ja wohl Diskriminierung.

 

Pit 20. Juni 2009 - 08:16 Uhr

Wenn man ein Jubiläum feiert und sich dem Publikum zeigt, ist das keine Machtdemonstration. Das macht die Stadtmusik, der Gesangverein usw. genauso.

 

filtor 20. Juni 2009 - 08:30 Uhr

erschreckend, wie weit die gewöhnung an uniformen, abzeichen, märsche usw. in der öffentlichkeit schon wieder fortgeschritten ist. ein unheilvolles zeichen von geschichtsvergessenheit, dass der neue deutsche militarismus nicht auf noch mehr kritik und gegenwehr stößt.

 

multinick 20. Juni 2009 - 11:15 Uhr

komisch wenn die franzosen müllheim verlassen ist das geschrei gross ,wer kauft jetzt noch bei uns , siehe lahr

 

schönes Wochenende ! 20. Juni 2009 - 12:23 Uhr

@filtor:

welcher neue deutsche Militarismus denn ??? der müßte doch erst mal erfunden und von jemandem definiert werden und da kommt so ein Auftritt der Uniformierten in der Öffentlichkeit doch gerade recht, um sich mit dem vermeintlichen Thema verbal auseinanderzusetzen ...

schönes Wochenende !

 

schönes Wochenende ! 20. Juni 2009 - 12:32 Uhr

@gisela:

den Einsatz der Bundeswehr im Inneren der Republik hatten wir schon in den 60- ern des letzten Jahrhunderts nach dem Wirbelsturm in der Gegend von Pforzheim. Die betroffenen Menschen waren über die geleistete Hilfe froh! Wir hatten vor ein paar Jahren das Elbhochwasser in den "neuen" Bundesländern. Auch hier half die Bundeswehr. Niemand schrie, sie soll in den Kasernen bleiben!

Nicht Sicherheitshysterie beschneidet unsere Freiheit, sondern die latente Gefahr, dass irgendwo auf unserem Planeten ein paar verrückte Typen losschlagen, um anderen Menschen ihre Meinung aufzuzwingen. Und dazu brauchen wir das Bisschen Bundeswehr, das uns die Politik übriggelassen hat ...

schönes Wochenende !

 

Klaus 20. Juni 2009 - 13:28 Uhr

ich sehe die Probleme für unsere Freiheit, Zukunft, Frieden nicht in einer uniformierten Feier eines erfreulichen Jubiläums. Unsere Probleme in der Vergangenheit hatten nichts mit mehr oder weniger Uniformen zu tun sondern mit der mangelhaften Zivilcourage - viel zu viele sassen zu Hause oder mit ihren Kumpels und haben darüber gemurmelt was geändert werden müsste; und immer gemeint irgend jemand muss was machen - nur ich nicht. Deshalb lasst uns das Jubiläum feiern und die Augen offen halten!

 

Gisela 20. Juni 2009 - 14:33 Uhr

@schönes Wochenende
es ist doch gerade die Nato, die versucht, den Afghanischen Völkern die westliche Vorstellung von Freiheit und Demokratie mit Waffengewalt aufzuzwingen und die menschenrechte gewaltsam durchzusetzen und dabei die Menschenrechte der nicht Willigen massivst verletzt.

Übrigens hatte Holger von der inneren Sicherheit unseres Landes gesprochen, nicht von Katastrophenhilfe.

 

schönes Wochenende ! 20. Juni 2009 - 16:58 Uhr

@Gisela:

damals in Pforzheim haben bewaffnete Angehörige meiner Einheit patrouilliert, um u.a. Plünderungen vorzubeugen. Die Pforzheimer fanden das mehr als nur o.k. Soviel zum Thema innere Sicherheit und/oder Katastrophenhilfe.

Holger schreibt, dass sich welche "in Sicherheit unseres Grundgesetzes wiegen". Das "innere" fehlt hier mit Verlaub ...

... vielleicht interpretiere ich auch zu zu wenig.

schönes Wochenende !

 

Gisela 20. Juni 2009 - 17:41 Uhr

@schönes wochenende

Holger schreibt aber auch, dass das Militär ein wichtiges Organ zur Stabilisierung und Erhaltung dieser Sicherheit sei. Da das Grundgesetz innerhalb der Landesgrenzen gilt, kann das nur bedeuten, dass das Militär innerhalb der Landesgrenzen für Stabilisierung sorgt. Was ist das anderes als die Einmischung des Militärs in die inneren Angelegenheiten bzw. ein Militäreinsatz im Innern des Landes?
Oder wollt Ihr uns weismachen, dass das Deutsche Grundgesetz in Afghanistan gesichert werden muss?
Oder soll das gar ein versteckte Drohung sein?
Diese beiden Sätze lassen viel Spielraum für Interpredation.

Ich habe keine Ahnung wann Ihre Militäreinheit in den Straßen von Pforzheim patruliert hat. Mit dem Grundgesetzt geht das nicht konform.

Die Diskussion zeigt aber erschreckend deutlich welche Vorstellungen es offensichtlich in Militärkreisen gibt und dass wir sehr gut daran tun, hier den Anfängen zu wehren. Die Überlegungen unseres Bundesinnenminsters über Militäreinsätze im Innern scheinen in Militärkreisen offensichtlich anklang zu finden.

 

schönes Wochenende ! 20. Juni 2009 - 18:09 Uhr

@ gisela:

bevor ich so etwas schreiben würde, würde ich mich mal bei Wikipedia oder bei einer anderen Quelle bezüglich Begriffen wie "innerer Notstand" kundig machen. Sehr wohl war dieser Einsatz durch das Grundgesetz abgedeckt.

Der besagte Wirbelsturm fegte übrigens am 13.07.1968 in der Gegend um Pforzheim umher, aber wer sich nur einzelne Passagen aus den Beiträgen anderer Kommentatoren herauspickt, der muß auch das arme Afghanistan bemühen, in dem schon Briten und Sowjets gescheitert sind.
Nur: was hat Afghanistan mit einer Parade o.ä. der D/F-Brigade in Müllheim zu tun?

Der erste Verantwortliche, der nach 1945 deutsche Truppen ins Ausland geschickt hat war übrigens ein Grüner, einer mit Anzug und Turnschuhen ...

schönes Wochenende !

 

Axel Mayer 21. Juni 2009 - 08:34 Uhr

6 Jahrzehnte Frieden in Zentraleuropa
führen bei vielen Menschen zur Illusion der Friede sei der Normalzustand. Doch ein Blick in die Welt oder in irgendeine Nachrichtensendung zeigt, dass dies eine Illusion ist. Wir sind nicht besser oder schlechter als Hutus und Tutsi, als Serben und Kroaten, als Iraker und Iraner...
Wenn es „gut organisiert“ wird fallen auch in Deutschland nach wenigen Jahren Propaganda Christen über Moslems, Raucher über Nichtraucher oder Schwarzhaarige über Blonde her... Nicht Frieden, sondern Kriege, Pogrome und Massaker waren und sind die Realität der Menschheitsgeschichte und dabei spielt das Militär eine wichtige Rolle.. Diesen Zustand zu überwinden ist unsere Aufgabe. Axel Mayer

 

bürgerin 21. Juni 2009 - 17:15 Uhr

Ich sehe es sehr positiv, dass Menschen und Gruppen sich öffentlich zur Wort melden, die für das Lösen von Konflikten auf friedlichem Weg eintreten.

Die Deutsch-Französische Brigade als Ausdruck der Völkerverständigung ist positiv zu bewerten, genauso wie Deutsch-Französische Schulen oder Kindergärten. Völkerverständigung und Freundschaft zwischen den Nationen ist Ausdruck einer Kultur des Friedens. Allerdings empfinde auch ich (wie es viele Mitbürger es auch sehen) eine militärische "Marschübung" an einem zivilen Fest als deplaziert.

Gemeinsames Feiern geht sehr gut auch ohne Marschübung!

Darüberhinaus die die geplante Präsenz von 1.500 Soldaten (in Zivil oder einzeln herzlich willkommen!) an einem zivilen Fest ein Anlass über die Rolle der Bundeswehr und der Nato nachzudenken.

Es stimmt: Hätte nicht Joschka Fischer als Symbolfigur der Linken, Parlamentarier und Bürger auf eine deutsche Kriegsbeteiligung eingeschworen, der Protest wäre noch heftiger ausgefallen. Dieser Schritt hat aber auch zu lauter Kritik und Parteiaustritten geführt. 90% der Bevölkerung, so die damaligen Umfragen, waren gegen eine Kriegsbeteiligung unserer Soldaten. Nach wie vor plädiere ich dafür, daß Konfliktlösung immer am Verhandlungstisch stattfinden soll. Lösungen müssen gemeinsam errungen werden, statt sie militärisch zu erzwingen.

Krieg ist immer eine Fratze der Menschlichkeit, er steigert Not und führt zu Akten der Barbarei, wie sie von britischen und amerikanischen Soldaten bekannt wurden, die im Irak und in Afghanistan dienten. (siehe BZ vom 02.06. zu den brutalen Mißhandlungen der US-Soldaten in Abu Ghraib).

Die menschlichen Opfer auf seiten der Zivilbevölkerung in den bekriegten Nationen aber auch auf der Seite der Soldaten sind zu hoch.

Für die Militäreinsätze tragen aber nicht die Soldaten die Verantwortung. Hierfür müssen wir unsere Abgeordneten in Berlin zur Verantwortung ziehen.

nie-mehr-benzin.de  

nie-mehr-benzin.de 22. Juni 2009 - 12:46 Uhr

Oh Schreck! Ehrenkirchen rüstet auf:

http://www.badische-zeitung.de/eine-alte-tradition-lebt-wieder-auf

 

Gedankenweber 22. Juni 2009 - 14:03 Uhr

Wie viel Bürgerwehr verträgt wohl die Veranstaltung der Heimattage 2010 in Müllheim?

 

Luisa 22. Juni 2009 - 14:55 Uhr

Lasst sie doch feiern, lasst sie doch in Ruhe, was ist denn dabei! Und so ein schönes Zeichen für die deutsch-französische Freundschaft, und die Arbeitsplätze! Und zum Feiern muss man dann auch in voller Montur und bewaffnet (!!) durch die Werderstraße marschieren! Toll! Und ein so schönes Beispiel für die Jugend, der man täglich predigt, man soll Konflikte bitte ohne Gewalt lösen. Wenn die deutsch-französische Freundschaft Militärbünde braucht, um zu existieren, dann kann man sie vergessen. Und wenn man die Armee braucht, um Arbeitsplätze zu sichern, dann sollten wir schleunigst bewaffnete Konflikte in aller Welt schüren, das gäbe jede Menge Arbeitsplätze! Je mehr Krieg, desto mehr Soldaten, desto mehr Arbeitsplätze" ! Konfuse Logik.
Aber Ironie beiseite: diese jungen Soldaten, die da aufmarschieren müssen, die werden vielleicht demnächst in irgendeinen Auslands"einsatz" geschickt, vielleicht nach Afghanistan? Von dort kommen viele traumatisiert, seelisch gestört, gezeichnet vom Krieg und unfähig, ihr Leben weiter zu gestalten, zurück. In den USA gibt es schon Tausende davon.