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19. Juni 2009 15:31 Uhr
Streit um Marsch der deutsch-französischen Brigade
Wie viel Militär verträgt Müllheim?
In Müllheim streitet man sich wegen der deutsch-französischen Brigade. Diese will anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens beim Müllheimer Stadtfest am nächsten Wochenende durch die Innenstadt marschieren. Dagegen regt sich Protest .
Die Deutsch-Französische Brigade, seit 1992 mit dem Stab und dem Versorgungsbataillon in Müllheim stationiert, feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Dass dieser Anlass mit dem Müllheimer Stadtfest am kommenden Wochenende und einem Marsch von 1500 Soldaten durch die Innenstadt verbunden ist, sorgt für seit Wochen Gesprächsstoff. Friedensbewegte Gruppen rufen zu Protesten gegen den Marsch auf.
Es ist eine ungewöhnliche Allianz aus Friedensrat, Grünen, einem evangelischen Arbeitskreis, der DGB-Ortsgruppe und der Partei "Die Linke", die da gegen den Marsch Sturm läuft. "Militäraufmärsche, Appelle und andere militärische Veranstaltungen im öffentlichen Raum sind Machtdemonstrationen, wie sie von autoritären Regimen genutzt werden," lautet eine ihrer Aussagen. "Die Brigade ist ein Instrument des Tötens und nicht der Völkerfreundschaft" ein anderes.
WIDERSTAND ZIEHT KREISE
Aber auch auf der Seite der Befürworter wird geholzt. "Wer so das Ansehen der Deutsch-Französischen Brigade beschädigt, beschädigt auch das Ansehen der Stadt", sagt Müllheims Bürgermeister René Lohs. Er hat noch die Infragestellung der Brigade durch den französischen Staatspräsidenten im Nacken, wie sie zu Beginn des Jahres im Raum stand. Nun befürchtet Lohs, die kritischen Töne könnten bis nach Paris dringen.
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Der Widerstand zieht auch schon Kreise. Flugblätter werden von Freiburg bis Lörrach verteilt, und es wird zu friedlichem Protest aufgerufen. Dabei wird – um im Jargon zu bleiben – in Müllheim auch ein Stellvertreter-Krieg geführt. Denn die Friedensbewegten zielen mit ihrer Kritik auch auf die deutsche Außenpolitik, die seit 1990 die Bundeswehr zu friedenserhaltenden Einsätzen ins Ausland schickt. Die sachliche Auseinandersetzung darüber, wie klug es ist, die Brigade derart ins Rampenlicht zu rücken, kommt so kurz.
Demgegenüber betont Brigadegeneral Andreas Berg, der Kommandeur der Brigade, dass ihm vor allem an mehr Gelassenheit gelegen sei im Verhältnis der Bevölkerung zu ihrer Bundeswehr. Die Brigade wolle bei ihrem Jubiläum ihre Verbundenheit mit der Region zum Ausdruck bringen, in der sie stationiert ist.
Denn es wird nicht nur durch Müllheim marschiert, sondern über den Schwarzwald, die Vogesen und den Rhein hinweg. Die Soldaten kommen nämlich auch von den beiden Standorten Donaueschingen und Immendingen sowie vom Hartmannsweilerkopf im Elsass, um sich am Freitag kommender Woche in Müllheim zu einem Biwak zu treffen. Von dort marschieren sie durch Müllheims Werderstraße zur Kaserne – im Feldanzug, mit leichter Bewaffnung, einer Militärkapelle und mit Liedern auf den Lippen.
REVERENZ AN DIE FRANZÖSISCHEN PARTNER
Der Marsch sei kein Selbstzweck, betont Andreas Berg, sondern eingebettet in eine Übung. Er sei auch keine Militärparade. Aber er ist, das räumt er ein, eine Reverenz an den Partner im binationalen Verband, "ein bisschen der Versuch, die französische und deutsche Tradition zu verbinden." Der Brigadegeneral und der Bürgermeister, die sich diese Form des Feierns ausgedacht haben, sind überzeugt, dass die Kritik nur von einer politischen Randgruppe kommt und sehen sich in Müllheim von der Mehrheit getragen. Das stimmt insoweit, als es im Gemeinderat eine breite Zustimmung von der CDU über die Freien Wähler bis zur SPD gab. Nur zwei Gruppierungen mit zusammen sechs (von 28) Stadträten sagen kompromisslos Nein.
An den Brigadestandorten Donaueschingen und Immendingen ist es bisher sogar noch ruhiger geblieben. "Wir sind hier eingebunden in das öffentliche Leben. Die Bürger sehen uns hier jeden Tag in Uniform, und ich kann mich nicht erinnern, dass das je Anlass zur Kritik gegeben habe," sagt Presseoffizier Gerhard Graf in Donaueschingen.
Erstaunen über die Aufregung in Müllheim auch in Immendingen: Aktivitäten im öffentlichen Raum gehören für die dort stationierten Soldaten dazu. So finden auf dem Immendinger Schlossplatz öffentliche Gelöbnisse statt, und als der Standort 2008 sein 50-jähriges Bestehen feierte, war die Bevölkerung begeistert dabei, erinnert sich Feldwebel Guido Averhage. Niemand habe daran Anstoß genommen.
Dass die Brigade auch in Müllheim geschätzt wird als größte Arbeitgeberin, die die Region mit vielen Investitionsmillionen und der Kaufkraft der Soldaten und ihren Familien stärkt, ist unbestritten. Dass die Liebe der Bevölkerung aber soweit ginge, dass sie vorbehaltlos hinter den Auftritten steht, aber ist Spekulation.
Ins Stadtfest sind die Soldaten von jeher integriert. Sie haben einen Stand, und der Stab ist beim Festauftakt vertreten. Der ist dieses Jahr ebenfalls von der Brigade geprägt. Der Generalinspekteur des Heeres, General Hans-Otto Budde, früher Kommandeur der Brigade, hält den Stadtfestvortrag in der Martinskirche. Auch das sehen die Kritiker nicht gern.
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Autor: Gabriele Babeck-Reinsch und Maikka Kost
