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09. Juli 2009 07:27 Uhr

Kurzkritik

Wie war’s…. bei Patricia Kaas auf dem ZMF?

Im ausverkauften Zirkuszelt trat die französische Sängerin Patricia Kaas mit ihrem Gesamtkunstwerk "Kabaret" auf. In ihrer Hommage an die 30er Jahre durfte auch der schwere Kronleuchter nicht fehlen. Es gab Standing Ovations.

  1. Patricia Kaas beim ZMF in Freiburg. Foto: Alexander Ochs

Das Design: Nichts überlässt Patricia Kaas dem Zufall. Sie will mehr bieten als ein bloßes Konzert. Videoprojektionen begleiten ihren Auftritt. Die fünf Musiker ihrer Begleitband sind auf Glamourclowns geschminkt. Eine biegsame Tänzerin (Stéphanie Pignon) kommentiert auf ihre Weise das Programm. Und die Grande Dame des neueren französischen Chansons wirft sich auf atemberaubenden Highheels in eine choreographierte Pose nach der anderen. Sie strahlt dabei die kühle Erotik einer Unnahbaren aus. Nur ihre Stimme braucht kein Design: Kraftvoll, voluminös, dynamisch ist sie das größte Kapital der 42jährigen Madonna aus Frankreich.

Die Lieder: Im Mittelpunkt des Konzerts steht ihr neues Album "Kabaret". Das will auch eine Hommage an die starken Frauen der 30er sein: "Falling in Love again", die englische Version von Marlene Dietrichs "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", singt die Kaas allerdings in Freiburg nicht. Dafür haucht sie auf Deutsch Hildegard Knefs elegisches "Das Glück kennt nur Minuten" hin. Doch die meisten Lieder haben mit dem pulsierenden (Nacht-)Leben der Vorkriegszeit nichts zu tun. Kaas singt Kaas: Melodramatisches von Liebe und Einsamkeit, das große Aufrauschen der Gefühle: "Le Jour se Leve", "Une Dernière Fois" - und, vor allem, "Et S’Il Fallait Le Faire". Da ist sie aber schon bei der letzten Zugabe angekommen, hat die Hochhackigen weggeschleudert und trägt ein schlichtes schwarzes Wickelkleid: Die Show ist vorbei. Es lebe die Sängerin.

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Die Hits: Die großen Knaller ihrer Karriere singt Patricia Kaas natürlich auch. "Les Hommes Qui Passent". "D’Allemagne", "La Fille de L’Est" und das Lied, bei dem sie vielleicht am meisten bei sich ist: "Mademoiselle Chante Le Blues". Das Zelt kocht, auf der Videoleinwand rauschen Szenen aus zwanzig Jahren Bühnenauftritten vorbei: Dubai, Pnom Penh, Tallin. Eine große Selbstfeier. Und die Sängerin ballt am Ende triumphierend die Faust. Sie hat es ihrem Publikum wieder mal gezeigt.

Das Outfit: Hier hat das Modehaus Lanvin Hand angelegt. Nicht immer glücklich. Am Anfang präsentiert sich der Star im eng gewickelten Jackett mit schwarzen Leggins. Fehlt da nicht was? Das schwarze Etuikleid mit dem asymmetrischen Ausschnitt ist okay, aber die haremsähnlichen Pluderhosen mit schwarzem BH machen einen merkwürdigen Eindruck. Der wird nicht besser, als die Kaas sich dazu einen seidenen Bademantel überwirft.

Fazit: Manches an dem Auftritt von Patricia Kaas wirkt bemüht und allzu stilisiert. Als Femme Fatale geht die kühle Blonde nicht durch. Aber wenn sie die Posen hinter sich lässt und einfach singt - so singt, als müßte über ihr gleich der Himmel einstürzen, ist sie umwerfend.

Fotos: Patricia Kaas’ Auftritt beim ZMF

Dossier: Alle Texte und Bilder rund ums ZMF

Autor: Bettina Schulte