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16. Juli 2011
Wildes Studententheater
Die Berliner Band Bonaparte brachte ihre Elektropunk- und Masken-Show zum Freiburger ZMF.
Will er jetzt wirklich sein Instrument auf dem Bühnenboden zertrümmern? Am Ende eines langen, schrillen Konzertabends hebt Tobias Jundt seine Gitarre über den Kopf und setzt dazu an, wie einst Pete Townshend, der Axtträger der Who, der lauten Musik endlich den Garaus zu machen.
Die Berliner Band Bonaparte im Zirkuszelt des Freiburger Zelt-Musik-Festivals, das ist die Ankunft eines Kults. Im Punk-Schuppen Café Atlantik hatte sie vor zwei Jahren ihren ersten Freiburger Auftritt, vergangenes Jahr folgte ein ausverkauftes Konzert in der Mensabar, nun zog sie genug Leute auf den Mundenhof, um im Zelt eine Pogo-Gemeinde zu bilden. Studenten vor allem, Turnschuhquote geschätzte 90 Prozent. Bonaparte sind die Band der Stunde für ein jungakademisches Publikum der lässig alternativen Sorte, eher aus den Geisteswissenschaften. Deren gemäßigt oppositionelles Lebensgefühl bringen Bonaparte auf die Bühne.
Nicht nur, weil da ein Song schlicht den Schlachtruf "Anti Anti" zum Refrain hat, der von allen mitgeschrien wird. Sondern weil da auf der Bühne allerlei Provokatives zu sehen ist, Groteskes und Skurriles. Bandkopf Jundt, ein Schweizer ursprünglich, hat die Band einst in einer der europäischen Hochburgen aktueller Gegenkultur gegründet, in Barcelona, ist dann nach Berlin umgezogen, wo er in Etablissements wie der Bar 25 den richtigen Ort fand für seine Theatertruppe.
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Denn das sind Bonaparte mindestens genauso wie eine Band. Da spielen zwar vier Musiker in Kostümen – Jundt selbst stets in alter Militäruniform und mit einem schwarz geschminkten Auge, wie ein Schulhof-Napoleon –, aber das Augenmerk liegt auf dem Pferd, das die Band dirigiert, Kusshändchen ins Publikum wirft oder dasselbe mit Sekt bespritzt ("My Horse likes You" heißt der Song dazu). Oder auf der Adligen im Reifrock, die sich als Punkette mit Irokesenfrisur entpuppt. Oder auf dem Zimmermädchen, das in Netzstrümpfen die Verstärker abstaubt. Oder auf dem fast nackten Mann mit dem grotesken Babypuppen-Kopf.
Bonaparte, das ist ein wenig Sado-Maso-Gehabe mit Leine und Gasmaske, ein wenig Sexshow à la René Durands "Salambo" mit blanken Busen, ein wenig Horrortheater à la Grand Guignol, ein wenig Avant-Pop-Maskentheater à la Residents, ein wenig Hippie-Provokations-Darbietung à la Jango Edwards. Wobei "ein wenig" auch und vor allem heißt: Nichts wird hier konsequent bis zu Ende gemacht, nichts greift wirklich an, nichts verstört. Auch die Gitarre bleibt dann unzertrümmert, Jundt legt sie nur ab.
Ein wildes Studententheater, nicht mehr und nicht weniger sind Bonaparte. Und eine auch nicht gerade grandiose Band. Ihr Elektro-Punk lebt von brachial einfachen Riffs mit Parolen, als Soundtrack für die Bühnendarbietung aber genau das Richtige.
Wie man es musikalisch besser macht, hatte an diesem langen Abend die zweite Band gezeigt. Nachdem die Isländer von FM Belfast zum Aufwärmen ihre Sparversion von Elektro-Punk mit Provokation (es reichte nur zum Richtung Publikum gereckten Mittelfinger) präsentiert hatten, spielte das dänische Trio Who Made Who seinen akkuratest arrangierten Disco-Punk. Das war beste Oppositions-Party-Musik. Allerdings fehlte ihnen eben all das, was bei Bonaparte als dritter Band dann die Party auch auf die Bühne selber brachte, zur Freude aller Anwesenden.
Autor: Thomas Steiner


