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17. November 2009 20:59 Uhr
Baden-Württemberg
Wildschweinjagd: Frischlinge und Muttertiere im Visier
Die Jäger im Land sollen in den nächsten Monaten so viel Wildschweine abschießen wie möglich. Anders sei der Schwarzwild-Plage nicht Herr zu werden, sagt Ulrich Baade vom Landesjagdverband. Er hat vor allem Frischlinge ins Visier.
Trotz des Rekord-Abschusses von 51 000 Wildschweinen im vergangenen Jagdjahr vermehren sich die Tiere fast ungebremst – und werden zur Gefahr für Natur und Landwirtschaft, warnt Baade. Die Schäden zahlen die Jäger. "In erster Linie müssen wir nun auf Frischlinge und Überläufer anlegen." Bereits im Alter von sieben, acht Monaten sei ein Wildschwein inzwischen geschlechtsreif. Auch in den Bestand der Weibchen sollen die Jäger eingreifen. Denn sie bekämen im Wald und auf immer mehr Maisäckern viel Nahrung und dadurch bis zu acht Junge, so dass sich die Population schnell vervielfachen könne. Dabei käme es nicht in Frage, Muttertiere zu töten. "Aber schwangere Bachen müssen wir in Kauf nehmen, sonst kommen wir nicht hinterher", so Baade am Dienstag. Insgesamt sollten mindestens so viele Sauen abgeschossen werden wie im Rekordjahr.
Frischlinge töten – das ist Baade zufolge leichter gesagt als getan: "Für den Jäger ist das Kindsmord." Auch Christoph Klaas hat eine andere Vorstellung vom Jagen. Der Revierpächter in Waltershofen bei Freiburg ist zwar saumäßig geplagt, doch er hat Skrupel, die kleinen Schweine zu schießen. "Ich jage, um Wildbret zu haben, ich bin kein Schädlingsbekämpfer." Dennoch sieht der Kreisjägermeister die Notwendigkeit, der Vermehrung zu begegnen. Dafür gibt es zwei Arten: "Sich möglichst viel den Hintern platt sitzen", allerdings sei er im Schnitt 40 Stunden auf dem Hochsitz, bis eine Sau erlegt ist. Oder die Treibjagd mit anderen Ehrenamtlichen. "Aber man ist jetzt schon jeden Freitag und Samstag unterwegs, mehr ist da nicht zu machen", sagt Klaas. Wie also sollen die Jäger mehr zur Strecke bringen? Indem sie zum Beispiel ihre Schießfertigkeit verbessern, rät Klaas. Doch es könnte auch eine natürliche Lösung geben: Ein strenger Winter reicht oft, um den Bestand zu regulieren.
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Tierschützer behaupten, die Jäger hätten das Wildschwein-Problem selbst geschaffen. Der Naturschutzbund verweist auf das Anfüttern der Tiere, um sie abzuschießen, das beschleunige aber die Vermehrung. Während der Landesjagdverband widerspricht, fordert auch der Landestierschutzverband, übermäßiges Kirren zu stoppen. Zudem dürften Maisfelder nicht mehr bis an den Wald reichen. "Wer den Tisch deckt, lädt zum Essen ein", kritisierten neulich auch die Grünen und forderten von der Landesregierung, einen Abstand vorzuschreiben. Die revierübergreifenden Treibjagden müssten per Gesetz befördert werden.
Wildschweine sind Baade zufolge nicht das einzige Problem. Füchse machen sich vermehrt auch in Städten breit und bringen den für Menschen gefährlichen Fuchsbandwurm mit. In Stuttgart etwa seien bereits 4000 Füchse unterwegs. "Auch da muss eingegriffen werden." Rekordabschüsse gab es vergangenes Jagdjahr außerdem beim Rehwild – und mit 200 Tieren auch bei den Waschbären.
Auf der Pirsch: Jäger im Land schießen mehr Wildschweine als je zuvor
Autor: Simone Höhl und dpa
