Zwischen Argentinien und Markgräflerland

Winzer Andreas Vollmer

Andrea Schiffner

Von Andrea Schiffner

Sa, 26. Mai 2018

Reise

BZ-INTERVIEW:Wie viel Argentinien steckt in Andreas Vollmer?.

ertrautes Badisch mitten im argentinischen Weinberg? Der Markgräfler Andreas Vollmer leitet das Schweizer Weingut Don Martin in der Provinz Mendoza. Andrea Schiffner hat einen Check gemacht, wie viel Baden oder doch Argentinien in ihm stecken.

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BZ: "Guede Dag" oder "Buenos Días"?
Vollmer: Beides. Als Winzer in unserer Weinmanufaktur Viñas Don Martin sicher "Buenos Días". Landessprache ist spanisch, das ich dank meiner lieben Frau schnell gelernt habe. Ich habe mich in Argentinien gut integrieren können und habe viele Freunde hier. Dafür bin ich dankbar, denn in meiner alten Heimat hätte ich nicht so schnell, so weit kommen können. Und an meiner zweiten Wirkungsstätte könnte ich mit "Guede Dag" grüßen – man würde mich verstehen. Dort sprechen meine Mitarbeiter deutsch. Ich bin Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland für Mendoza und drei weitere Provinzen. Mein Zuständigkeitsgebiet ist größer als Deutschland selbst. Unser Konsulat hilft den Deutschen vor Ort und ist Anlaufpunkt für politische und wirtschaftliche Fragen. Wir organisieren Konzerte und ein Oktoberfest. Vor kurzem initiierten wir ein Medizinsymposium zwischen der Uni Freiburg und der Uni Mendoza. Gefühlt bin ich in Mendoza und in Südbaden zu Hause.

BZ: Aconcagua oder Schauinsland?
Vollmer: Den Aconcagua kann man mit dem Schauinsland nicht vergleichen, schon alleine der Höhe wegen. Er ist knapp 7000 Meter hoch – der höchste Berg Südamerikas. Ich selbst war nicht auf dem Gipfel, das ist mir zu gefährlich. Jedes Jahr betreue ich die verunglücktendeutschen Bergsteiger vom Aconcagua. Dafür habe ich zu Fuß die Anden überquert. Es war wie ein Pilgerweg – die Kordillere ist einfach wunderschön.
BZ: Schäufele oder Asado?
Vollmer: Schwere Entscheidung! Das Asado wird traditionell sonntags mit Familie und Freunden gemacht. Pro Person landet ein Kilo Fleisch auf dem Grill. Die Würste kommen noch dazu. Es werden Unmengen Fleisch gegessen, speziell das argentinische Rindfleisch schmeckt super! Sonst isst man eher mediterran, italienisch oder spanisch, weil viele Einwanderer aus diesen Ländern stammen. Wenn ich dann wieder bei meiner Mutter in Bad Krozingen bin, freue ich mich auch auf ein gutes Schäufele. Die badische Küche vermisse ich schon manchmal, gerade in der Spargelzeit.

BZ: Malbec oder Spätburgunder?
Vollmer: Die Malbec-Rebsorte stammt ursprünglich aus Frankreich und hat in Argentinien eine neue Heimat gefunden. Mit der vielen Sonne wird der Malbec im Mendoza besonders weich, harmonisch und rund. Wir haben auch Spätburgunderreben, die machen aber nur etwa fünf Prozent des Gesamtvolumens aus. Viel im Wein habe ich mir selbst erarbeitet. So verkehrt scheint es nicht zu sein: Meine Weine sind mehrfach prämiert worden. Seit 2001 bin ich in der Jury bei internationalen Weinwettbewerben. Im August reise ich zum Beispiel in die Schweiz, um beim Weinwettbewerb Mondial des Pinot Noir (Spätburgunger) zu verkosten. In Baden ist unsere Familie zugange. Mein Cousin, er heißt auch Andreas Vollmer, führt ein Weingut in Durbach. So bleibt die Liebe zum Spätburgunder auch über ihn in unserer Familie.

Zur Person: Andreas Vollmer, 42,
verheiratet, eine Tochter, aufgewachsen in Ballrechten-Dottingen und Staufen,
lebt seit 1998 in Mendoza, Argentinien.
Er ist Winzer und Geschäftsführer im
Weingut Viñas Don Martin. Als deutscher Honorarkonsul ist er unter anderem
für die Provinz Mendoza zuständig.