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25. Mai 2012

"Wir brauchen geeignete Veranstaltungsräume mit Flair"

BZ-INTERVIEW vor dem Todtnauer Kulturwochenende: Christoph Buck über den Traum vom Kulturhaus und die Rahmenbedingungen für Kultur in Todtnau.

  1. Christoph Buck Foto: Berger

TODTNAU. Der Verein Kulturhaus Todtnau lädt am 26./27. Mai zu einem Kulturwochenende mit Kunstausstellung im Gewölbekeller des Rathauses und Konzerten im Rathausgarten. Zur Kultur in Todtnau befragte unsere Mitarbeiterin Karin Maier den zweiten Vorsitzenden Christoph Buck.

BZ: Ist der Traum vom Kulturhaus in der ehemaligen Bürstenfabrik Wissler durch die Parkhauspläne der Stadt schon wieder vorbei?

Buck: So kann man das nicht sagen, denn zunächst gibt es keine konkreten Pläne der Stadt, sondern nur eine Idee, für was sich das Gelände auch eignen könnte. Es gehört immer noch der Eigentümer dazu, der auch bereit sein muss, das Haus einem entsprechenden Zweck zuzuführen. Natürlich war die Parkhausidee ein Schlag für uns, denn schließlich wurde das Areal auf unsere Anregung hin wegen der Kulturhausidee in das Sanierungsgebiet Stadtmitte III mit aufgenommen und jetzt wird es mit einer völlig anderen Idee besetzt. Jetzt muss man einfach mal sehen, was daraus wird.

BZ: Ist die Kulturhausidee überhaupt an ein gemauertes Gebäude geknüpft?

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Buck: Das mit Sicherheit nicht. Kultur kann man überall machen, ohne dass es ein Gebäude braucht. Aber wir brauchen dafür geeignete Veranstaltungsräume mit entsprechendem Flair. Eine kulturelle Veranstaltung lebt auch vom Veranstaltungsort. Wir haben zwar viele Räume in Todtnau, auch öffentliche Räume, aber nicht jeder Ort ist attraktiv für die Besucher. In den vergangenen Monaten haben wir unsere Veranstaltungen in der Aula im Haus des Gastes durchgeführt. Die Veranstaltungen waren qualitativ hervorragend, leider aber schlecht besucht. Ich glaube, es fehlt dort schlichtweg das Ambiente, das man aber braucht, um die Erwartungen der Besucher an einen rundum gelungenen kulturellen Abend zu erfüllen.

BZ: Hat es einen Aufschwung gegeben, nachdem der Heimatverein im Kulturhaus aufgegangen ist?

Buck: Auf jeden Fall. Wir haben einen erfreulichen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen. Besonders die Veranstaltungen haben viele dazu animiert, Mitglied zu werden. Auch die geschichtliche Arbeit des Vereins wird so aufgewertet. Das Konzept ist insofern aufgegangen. Ich denke, es würde dem Ganzen nochmals einen Schub geben, wenn uns für unsere Veranstaltungen ansprechende Räumlichkeiten zur Verfügung stünden. Es ist deshalb nur zu begrüßen, dass der Gemeinderat sich dazu entschlossen hat, eine Grundsanierung des Gewölbekellers im Rathaus zu machen. Schon bei der letztjährigen Veranstaltung mit Steffi Lais waren die Besucher vom Gewölbekeller begeistert. Das Gemäuer kommt jetzt nach der Sanierung erst richtig zur Geltung. Ich hoffe, dass nun auch der Gemeinderat überzeugt und zu weiteren Investitionen bereit ist.

BZ: Hat die Kultur in Todtnau im Gegensatz zum Sport einen schwereren Stand?

Buck: Das ist eine provokante Frage. Der Sport insbesondere der Wintersport hat und hatte in Todtnau immer einen sehr hohen Stellenwert. Das ist auch gut und richtig so. Denn Großveranstaltungen wie Ski-Weltcups, Deutsche Meisterschaften oder die Europäischen Forstlichen Skimeisterschaften haben natürlich eine enorme touristische Bedeutung für Todtnau. Ich finde es aber schade, dass es im städtischen Haushalt keine ausgesprochene Stelle für Kulturförderung gibt. Die Kulturförderung der Stadt beschränkt sich im Wesentlichen auf die Förderung bestimmter örtlicher Vereine. Diese sind natürlich auch Bestandteil des örtlichen kulturellen Lebens. Aber die kulturelle Projektförderung kommt zu kurz. Deren Bedeutung haben viele andere Gemeinden längst erkannt. Beispielhaft sei die Nesslergeschichte erwähnt, die auch überregional auf beachtliches Interesse stößt und Todtnau schon mit zahlreichen Fernsehbeiträgen und insbesondere den Nessler-Tagen in die Schlagzeilen gebracht hat. Man sollte auch berücksichtigen: Kultur ist ein Stück Lebensqualität, wer Lebensqualität will, darf Kultur nicht vergessen.
BZ: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Kulturhauses?

Buck: Zunächst einmal macht es sehr viel Spaß, unterschiedlichste Veranstaltungen durchzuführen. Was ich mir persönlich wünsche ist, dass es uns gelingt, noch mehr Jüngere für unsere Kulturhaus-Idee zu begeistern und als aktive Mitglieder zu gewinnen. Was ich mir zudem wünsche ist, dass sich der Verein Kulturhaus und seine Arbeit weiter etabliert, und es uns gelingt, mit unseren Veranstaltungen eine Marke zu setzen und den Menschen vor Ort Kultur bieten zu können, die Freude bereitet und bleibende Eindrücke vermittelt.

Autor: zubi