"Wir haben gelernt, Mensch zu sein"

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Mo, 10. Juli 2017

Staufen

Faust-Gymnasium Staufen verabschiedete die letzten Abiturienten aus den 90er-Jahren / Wieder besser als der Landesdurchschnitt.

STAUFEN. Nach 8464 Unterrichtsstunden am Faust-Gymnasium in Staufen haben die Abiturienten des Jahrgangs 2017 am Freitagabend ihre Reifezeugnisse erhalten. 91 junge Damen und Herren schafften die Prüfungen, drei von ihnen mit der Traumnote 1,0. Bei 29 Prüflingen stand eine Eins vor dem Komma. Der Notendurchschnitt lag bei 2,3 – und war damit leicht besser als der Landesdurchschnitt von 2,4.

"Die letzten Neunziger" – dieses Motto hatten sich die Absolventen des Geburtsjahrgangs 1999 gegeben. "Sie hätten auch ergänzen können: Nach uns nur noch Nullen," sagte Schulleiter Hans-Joachim Kraus in seiner Rede zur Übergabe der Zeugnisse. "Doch darauf haben Sie dankenswerterweise verzichtet." Diese Feier zum Ende der Schulzeit habe Tradition, betonte er. Doch wäre sie fast nicht zustande gekommen, weil die Abiturienten gleich nach Ende der Prüfungen ihr Zeugnis für Bewerbungen an Universitäten benötigten und deshalb schon Ende Juni Kopien erhalten hätten. Doch die letzten Neunziger hätten darauf bestanden, so verabschiedet zu werden wie alle Jahrgänge vor ihnen, betonte Kraus.

Er erinnerte daran, dass die Neunziger und vor allem die elektronischen Entwicklungen vom Internet bis zum Handy diesen letzten Jahrgang aus dem letzten Jahrtausend und alle nach ihnen beeinflusst hätten. Ihre Schulzeit von 2009 bis jetzt sei aber auch geprägt gewesen von der hohen Bereitschaft zum Engagement im Sport, bei Musik und Theater, bei der Betreuung jüngerer Schüler als Coaches oder Streitschlichter. Rückblickend sei es wieder gelungen, gemeinsam mit Lehrern und Eltern diesen Abschluss zu erreichen, den Kraus verglich mit einer großen Wandergruppe aus Sportlichen und Fußlahmen, die bei Nebel in Nord-Südrichtung über die Berge zu führen seien, damit sie an drei Orten gleichzeitig ankommen.

Auch Tradition ist die Erwiderung von Schülerseite, dieses Jahr zelebriert vom besten Schüler des Jahrgangs, Romain Carl aus Hartheim. In einer pointierten, sanft ironischen und humorvollen Ansprache blickte er zurück auf zwölf Jahre Schule, in denen so oft der "Ernst des Lebens" begonnen hatte, dass man kaum noch mit Zählen nachkomme: Kindergarten, Grundschule, Gymnasium, Oberstufe. Nach viel unnötig gelerntem Ballast und einigen nützlichen Hinweisen beginne nun wieder ein "Ernst des Lebens", dieses Mal das Studium, doch dieser ersten eigenen Entscheidung würden sich nicht wenige durch ein FSJ, ein freiwilliges soziales Jahr, erst einmal entziehen, sagte Carl.

Die Schule habe ihn das Treffen sinnvoller Entscheidungen gelehrt und ihm nicht nur Ausbildung, sondern auch Bildung vermittelt. "Kultur macht uns zum Menschen, ohne sie würde diese Feier wohl – wenn überhaupt – in einer Höhle bei Feuer und eingehüllt in Fellen stattfinden", sagte Carl, dem unter anderem für seine Leistungen in Deutsch der Scheffel-Preis verliehen wurde. Und so werde zwar jetzt der Rucksack neu gepackt, und viel unnötig Gelerntes werde vergessen werden. Bleiben aber werde der gelungene Versuch, die Schüler zu begeistern und ihnen beizubringen, Mensch zu sein.

Mit einem Ball in der Freiburger Sick-Arena feierten die Jugendlichen mit Eltern und Lehrern am Samstagabend das Ende ihrer Schulzeit.