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20. August 2012

"Wir hatten viel mehr Verantwortung"

BZ-INTERVIEWmit Inge Glassen, die in Breisach zahlreiche Blutspendeaktionen mitorganisiert hat.

  1. Inge Glassen Foto: christine weirich

BREISACH/GÜNDLINGEN. Vor 50 Jahren gab es in Breisach und Gündlingen die ersten Blutspendenaktionen. Bis Ende des Jahres soll die Zahl von 10 000 freiwilligen Spendern erreicht werden. Um eine derartige Aktion über so viele Jahre am Leben zu erhalten, bedarf es vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer. Eine von ihnen ist Inge Glassen. Sie kann sich noch sehr gut an die Anfangszeit erinnern, als die Blutspendenaktionen in Breisach noch im Gymnasium oder in der Julius-Leber-Schule organisiert wurden. Mit Inge Glassen sprach BZ-Mitarbeiterin Christine Weirich.

BZ: Sie waren lange Zeit beim DRK Breisach aktiv und haben unzählige Blutspendenaktionen mitorganisiert und betreut. Wie war es damals?

Glassen: Ja, ich war erst als Rotkreuzhelferin tätig, später ließ ich mich in Kirchzarten zur Bereitschaftsführerin ausbilden. Wir waren immer eine große Gruppe von Helfern. Die Frauen wurden von mir betreut und um die Männer kümmerte sich Günter Zöllner.

BZ: Heute werden in Breisach und Gündlingen jeweils zwei Blutspendentermine im Jahr organisiert.

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Glassen: Das war auch anfangs so. Allerdings kam da immer noch ein Extratermin für die Soldaten der französischen Garnison in der Kaserne dazu. Dort sind wir Helfer immer sehr fürstlich verköstigt worden. Zur Blutspende kamen viele Soldaten, denn die bekamen als Lohn Freizeit gutgeschrieben.



BZ:
Was ist Ihnen von den frühen Anfängen besonders in Erinnerung geblieben?

Glassen: Der Breisacher Frauenarzt Dr. Bastian war damals Bereitschaftsarzt und der legte großen Wert auf korrekte Kleidung. Wir trugen damals ein weiß-blau gestreiftes Kleid mit weißer Schürze und dazu ein gestärktes Häubchen auf dem Kopf.



BZ:
So eine Schwesterntracht hat bestimmt viel Vertrauen ausgestrahlt.

Glassen: Ja, das kann man so sagen. Wir hatten im Gegensatz zu heute auch viel mehr Verantwortung dem Spender gegenüber. Wenn das aus Baden-Baden kommende Ärzteteam die Kanüle gelegt hatte, mussten wir die weitere Überwachung der Spendenwilligen übernehmen. Das Blut, das damals noch in Flaschen geleitet wurde, musste von uns per Hand geschwenkt werden, damit es flüssig blieb.

BZ: Im technischen Bereich hat sich da in den letzten Jahren bestimmt einiges verändert?

Glassen: Oh ja, davon erzählt mir meine Schwiegertochter immer, die auch beim DRK tätig ist. Heute wird das Blut in Beutel abgefüllt, die, auf einer Waage liegend, automatisch geschwenkt und gleichzeitig gewogen werden. Das ist schon eine feine Sache.



BZ:
Die Statistik zeigt, dass die Zahl der Spender in den letzten Jahren leicht rückläufig ist. Deshalb werden Blutspendentermine derzeit, zusätzlich zum Essen, noch mit allerlei attraktiven Gewinnen beworben, die größtenteils von Geschäftsleuten zur Verfügung gestellt werden.

Glassen: Das liegt wohl am Stress im Beruf und in der Schule. Die Leute haben nicht mehr so viel Zeit, zu viele Termine, zu viele Veranstaltungen. Bei uns gab es damals ein deftiges Vesper mit Wurst und Käse zur Belohnung und Stärkung, und wer wollte, konnte auch ein Glas Wein haben.

Inge Glassen ist Ende siebzig und wohnt in Breisach. Bis zu ihrer Pensionierung hat sie bei der Firma Wisi gearbeitet.

Autor: wec


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