"Wir konnten Bedenken widerlegen"

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Do, 27. September 2018

Müllheim

AGUS-Mitgliederversammlung beschäftigt sich mit Zukunft des ÖPNV und weiteren Umweltthemen in Müllheim, Badenweiler und Umgebung.

MÜLLHEIM. Das Mitternachttaxi (MNT), das an den Wochenenden samstags und sonntags jeweils um 0.12 Uhr am Müllheimer Bahnhof wartet, um die Gäste auf der Buslinie 111 in Richtung Badenweiler mitzunehmen, könnte eine Erfolgsgeschichte werden. Gerade weil es so unkompliziert mit dem gültigen Bahnticket benutzt werden kann. Zu diesem Fazit kam man bei der jüngsten Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Markgräflerland (AGUS).

Denn die Nutzerzahlen steigen kontinuierlich, wobei ein gutes Drittel bis zur Endhaltestelle in Badenweiler mitfährt. Der Achtsitzer transportiert dabei durchschnittlich zwischen fünf und sieben Fahrgäste. Sind es mehr, was schon einige Male vorgekommen ist, wird ein zweites Fahrzeug eingesetzt. Die AGUS war es, die diesen Service für Wochenend-Nachtschwärmer initiiert und mit einer Anschubfinanzierung zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 ans Laufen gebracht hat. Inzwischen wird das MNT auch von den Gemeinden Müllheim und Badenweiler kofinanziert, wobei der Müllheimer Anteil 220 Euro pro Monat ausmacht.

"Wir wollten mit der Initiative einen Impuls für die Verbesserung im Angebot des öffentlichen Nahverkehrs geben", betonte Vorstandsmitglied Jürgen Hauke. Dennoch bleibe an der AGUS immer noch ein Restbetrag von rund 70 Euro pro Monat hängen, weswegen man nach wie vor auf Spenden angewiesen sei.

Die AGUS hatte auch den Impuls gegeben für die Erweiterung der Buslinie 111 mit drei Fahrten nach 20 Uhr, die inzwischen an sieben Tagen in der Woche angeboten werden. Nachdem man zuerst an die Pendler gedacht hatte und die Abendbusse nur an den Werktagen verkehrten, sei man nach den neusten Zählungen nach der Ausweitung des Angebots auf Samstag und Sonntag überrascht, wie rege sie an den Wochenenden frequentiert werden, sagte Hauke. "Wir konnten durch unsere beharrliche Arbeit die Bedenken widerlegen, die uns entgegengebracht wurden", sagte Martin Richter, AGUS-Mitglied der ersten Stunde und Mitglied der Fraktion ALM/Grüne im Müllheimer Gemeinderat.

Doch diese Erfolgsgeschichte sollte nach Ansicht der AGUS erst der Beginn eines gründlichen Strukturwandels im öffentlichen Nahverkehr sein. Immer noch seien die Ortsteile und die kleinen Gemeinden im Umland wenig oder kaum an das Streckennetz angebunden, und immer noch hapere es bei der Abstimmung der Busverbindungen auf die Zugankünfte am Müllheimer Bahnhof.

Dass die Busse bei Zugverspätungen nicht warten können, liegt an den Umlaufzeiten, die eingehalten werden müssen. Das Ideal, so die Vorstellung der AGUS, sei deswegen ein viertelstündig getakteter Busfahrplan, der es ermöglicht, ohne allzu großen Zeitverlust auf den nächsten Bus zu warten, wie etwa bei den Tramverbindungen in größeren Städten. Das sei eine politische Forderung, ebenso wie die Forderung, dass die Ausdünnung des Fahrplans in den Wintermonaten aufgehoben wird, weil sie nicht mehr zeitgemäß sei, sagte Richter. Denn die Statistiken für das ganze Land zeigen generell eine deutliche Zunahme der Fahrgäste im ÖPNV. Die AGUS wird demnächst wieder an der halbjährlichen Fahrplankonferenz des Regio-Verkehrsverbundes teilnehmen.

Chancen sehen die AGUS-Mitglieder auch darin, dass die Landesmittel für die Finanzierung des ÖPNV künftig über die Landkreise verteilt werden. "Da wäre es sinnvoll, wenn sich eine Kommune wie Müllheim mit einem schlüssigen Konzept zu Wort melden und Forderungen stellen würde," sagte Hauke.

Auch wenn der öffentliche Nahverkehr einen Schwerpunkt in der Arbeit der AGUS bildet, sind auch andere Umweltthemen wichtig. So ist die AGUS Mitglied in der Freiburger Bürgerinitiative Regiobündnis pro Landwirtschaft, Natur und ökosoziales Wohnen, die sich gegen eine Wohnbebauung des Dietenbach-Geländes für 15 000 Einwohner und das Zubauen von wertvollen Ackerflächen generell wendet. Ein Film über das Projekt "Im Abseits von Green City" soll in der nächsten Mitgliederversammlung der AGUS am 15. November gezeigt werden. Kooperationen hat die AGUS mit dem Central-Theater in Müllheim, wo am 23. Oktober um 20.15 Uhr der Dokumentarfilm "Guardians oft he Earth" gezeigt wird und mit der Mediathek, die im Obergeschoss bei den Zeitschriften einen Büchertisch mit Literatur und Broschüren zu aktuellen Umweltthemen bereithält.

Die Entwicklung der Müllheimer Innenstadt begleitet die AGUS kritisch: So fehlt ihr bei der Planung des neuen Quartiers "Sparkassenpark" eine "gleichwertige Betrachtung" des Fuß- und Fahrradverkehrs" angesichts der zu erwartenden Steigerung des Kfz-Aufkommens. Vor allem der abfließende Verkehr über die "Breite" und die Friedrichstraße erfordere einen Fußgängerüberweg bei der Einmündung in die Werderstraße.

Architektonisch und konzeptionell gelungen finden Richter und Hauke die Pläne für die Überbauung des ehemaligen Pfunder-Areals. Und was könnte die Stadt tun, um die Elektromobilität zu fördern? Kostenlose Ladesäulen an jeder Ortsverwaltung, schlägt Hauke vor. Denn die Infrastruktur mit Ladestationen habe noch große Defizite. Und oft seien die beiden Elektrotankstellen hinter dem Markgräfler Platz mit Dauerparkern belegt.

Informationen im Internet unter http://www.agusmgl.org