Initiative im Bundesrat

Bundesweite Videoüberwachung in Schlachthöfen

Bernhard Walker

Von Bernhard Walker

Di, 08. Januar 2019 um 20:30 Uhr

Wirtschaft

Nach Tierquälereien in zwei Schlachthöfen startet Niedersachsens Landwirtschaftsministerin im Bundesrat eine Initiative für bundesweite Videokontrollen. Doch reicht das?

BERLIN. In Deutschlands Schlachthöfen soll es künftig Videoüberwachung geben. Niedersachsen will eine entsprechende Initiative im Bundesrat starten. Die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) reagiert damit auf krasse Missstände in zwei Schlachthöfen im Raum Osnabrück. Aus Sicht von Fachleuten greift Videoüberwachung allerdings zu kurz.

Die Bilder sind schockierend. Im Herbst waren Videos bekannt geworden, auf den Tierquälerei in Schlachthöfen in Bad Iburg und Osnabrück zu sehen ist. Sie zeigen zum Beispiel, wie Kühe mit Seilwinden über den Boden gezogen und mit Tritten, Schlägen, spitzen Gegenständen oder Elektrotreibern zur Schlachtung getrieben werden. "Solche Bilder will ich nicht sehen", sagt Otte-Kinast. Sie hat angekündigt, dass die Veterinärbehörden mehr Mitarbeiter einsetzen sollen, um landesweit einheitliche Kriterien für Tierschutzkontrollen in Schlachtbetrieben durchsetzen zu können. Nach Angaben ihres Ministeriums sind bis Mitte Dezember 15 Betriebe in Niedersachsen unangemeldet überprüft worden.

Was ihren Wunsch nach einer bundesweiten Videokontrolle anbelangt, hat die CDU-Politikerin durchaus Verbündete. So fordern die Unions- und die SPD-Fraktion im Bundestag, dass geklärt wird, "ob Videoaufnahmen die Kontrollen der Schlachthöfe verbessern können und ob dies bundeseinheitlich geregelt werden kann." Allerdings ist das rechtlich schwierig. Die Erfassung mit Kameras wäre schon aus Gründen des Datenschutzes nur denkbar, wenn dabei keine Menschen aufgezeichnet würden. Dann allerdings nützten die Bilder nichts, schließlich lässt sich eine lückenlose Übersicht des Schlachtprozesses (Anlieferung der Tiere, Wartestall, Betäubung und das Entbluten bis zum Tod) nicht erstellen, wenn Menschen außen vor bleiben. Möglich wäre allenfalls, nur Stationen zu filmen, an denen keine Schlachthofmitarbeiter beteiligt sind.

Sie geben aber nach Einschätzung von Fachleuten höchstens groben Aufschluss, ob der Tierschutz beachtet wird. Die Veterinärin Uta Seiwald von der Tierärztekammer Niedersachsen betont, dass die Videoüberwachung kein einziges Problem löse. "Auf einem Video sehe ich nicht, was wirklich geschieht", sagt Seiwald, die selbst in der Schlachttier- und Fleischuntersuchung tätig ist. "Um festzustellen, ob ein Tier ausreichend betäubt ist, muss man viele Parameter wie zum Beispiel die Atembewegungen, die Augenlider, die Pupillen oder den Augapfel prüfen." Die Tierärztin stellt auch die Frage, wer das ganze Videomaterial sichten solle. Dafür gebe es nicht genug geschultes Personal. In einem der Schlachthöfe, die nun in der Kritik stehen, habe es eine Videoaufzeichnung gegeben: "Leider hat da aber wohl niemand drauf geschaut."

Die Kamerapflicht, so Seiwald, liefere zudem nur eine Betrachtung im Nachhinein: "In dem Moment, in dem etwas Tierschutzwidriges passiert, greift sie ja nicht konkret ins Geschehen ein." Der Vorstoß diene somit nur dazu, Verbraucher zu beruhigen, die eigentliche Reformarbeit werde übersehen. Seiwald: "Es gibt fraglos Schlachthöfe, die sehr gut arbeiten. Aber das sind eben leider nicht alle."