Handel

China sammelt Häfen rund um den Globus

Christian Mihatsch

Von Christian Mihatsch

Mo, 12. Februar 2018 um 10:30 Uhr

Wirtschaft

Die Volksrepublik China investiert viel Geld in Häfen anderer Staaten. Dahinter stecken wirtschaftliche und militärische Interessen des Landes.

Zwei von Chinas Staatskonzernen kaufen derzeit Häfen überall auf der Welt – auch in Europa. Dank billigen Geldes können sie Konkurrenten meist überbieten und nehmen bei strategisch gut gelegenen Orten Verluste in Kauf.

Ende Januar hat Cosco auch in Nordeuropa Fuß gefasst und ein Containerterminal im Hafen der belgischen Stadt Seebrügge übernommen. Der chinesische Staatskonzern betreibt weltweit Häfen und eine der größten Handelsflotten. Cosco hält bereits Beteiligungen an den Häfen von Piräus (Griechenland), Valencia und Bilbao (Spanien) oder Vado (Italien). Dazu kommen mindestens sieben europäische Häfen an denen das chinesische Unternehmen China Merchants Holdings Anteile hält. Zusammen kontrollieren die beiden Staatsfirmen zehn Prozent der Kapazität aller europäischen Containerterminals – zehn Mal mehr als zu Beginn des Jahrzehnts.

Das Sammeln von Häfen ist Teil von Chinas "Belt and Road"-(Gürtel und Straße)-Initiative. Diese hat zum Ziel die Länder Eurasiens und Afrikas durch gigantische Infrastrukturprojekte besser miteinander zu verknüpfen. Insgesamt sollen 1200 Milliarden Dollar (979 Milliarden Euro) investiert werden, ein Teil davon durch Cosco. Der Konzern hat vergangenes Jahr 26 Milliarden Dollar von Chinas Entwicklungsbank für Hafenprojekte erhalten. "Die Verfügbarkeit von billigem Geld und guter diplomatischer Unterstützung gibt den chinesischen Hafenbetreibern die Fähigkeit, andere Investoren auszustechen und Häfen erster Wahl zu übernehmen", sagte Turloch Mooney vom Informationsdienstleister IHS Markit dem US-Magazin Foreign Policy. Die Übernahmen müssen sich nicht rechnen.

Einige der Projekte sind gewagt. So baut China in Sri Lanka gleich zwei Häfen für drei Milliarden Dollar und einen auf der burmesischen Maday-Insel für 2,5 Milliarden. Schon länger existiert der Hafen Gwadar in Pakistan. Strategisch liegt auch der Hafen in Dschibuti am Ausgang des Roten Meers. Diese Häfen liege alle an der Handelsroute von China zum Persischen Golf und zum Suezkanal. Aber auch auf dem Seeweg rund ums Kap der Guten Hoffnung (Südspitze von Afrika) sind Häfen im Bau oder in Planung.

Dabei bauen die Chinesen oft nicht nur einen Hafen, sondern gleich eine kleine Stadt mit Kraftwerk und einer Sonderwirtschaftszone für Fabriken. Damit kauft sich China Einfluss, meint Mooney: "Die Dimension der "Belt and Road"-Investitionen in Schlüsselinfrastruktur bedeutet, dass Chinas politischer Einfluss in diesen Ländern zunehmen wird."

Bislang nur ein Militärstützpunkt im Ausland

Das gilt auch für Europa. Griechenland brach angesichts chinesischer Investitionen den EU-Konsens und brachte so eine chinakritische EU-Initiative vor dem UN-Menschenrechtsrat zu Fall. Das besorgt Jean-Claude Juncker, Chef der EU-Kommission: "Europa muss seine strategischen Interessen verteidigen. Wenn eine ausländische Firma im Staatsbesitz einen europäischen Hafen, Teile unseres Stromnetzes oder einen Waffenhersteller kaufen will, dann muss das transparent und mit genauer Prüfung und Diskussion erfolgen." Juncker will daher, dass die EU-Kommission die Möglichkeit erhält, ausländische Investitionen zu prüfen.

Die Großinvestitionen haben auch militärisches Potential. China hat nur einen Militärstützpunkt im Ausland – in Dschibuti. Doch die chinesische Marine besucht auch die Häfen im Besitz chinesischer Staatsfirmen. In Piräus legten zuletzt im Juli 2017 chinesische Kriegsschiffe an. Bei dieser Gelegenheit sagte Chinas Botschafter in Athen, Gao Wenqi: "Unsere beiden Nationen, Erben erhabener Zivilisationen, marschieren Hand in Hand in Richtung des gemeinsamen Ziels der Verjüngung." Dabei unterschlägt Gao den zentralen Unterschied: hier Demokratie und dort Imperium.