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28. Februar 2013

Brennstoffe

Dänen verbieten Öl- und Gaskessel

Regierung möchte, dass die Skandinavier auf die traditionellen Brennstoffe weitgehend verzichten / Energiewende in vollem Gang.

  1. Bleibt erlaubt: Heizkessel einer Hackschnitzelanlage Foto: GRA

KOPENHAGEN. Dänemark gilt in der Energiepolitik wieder einmal als Vorbild: Seit zu Jahresbeginn das vor einem Jahr beschlossene Verbot für Öl- und Gasheizungen in Neubauten in Kraft trat, tickt die Uhr für die herkömmlichen Heizkessel.

Von 2016 an sollen auch alte Ölöfen nicht mehr durch neue ersetzt werden dürfen. Wenn es nach den Plänen der Regierung geht, erlischt die letzte Ölflamme im Jahr 2030. Stattdessen sollen erneuerbare Energiequellen genutzt werden: Bis Ende dieses Jahrzehnts sollen sie 35 Prozent des Energieverbrauchs decken. Beim Strom soll Windkraft allein die Hälfte des Verbrauchs stehen.

Die dänische Energiewende klingt dramatischer als sie ist, denn die Dänen sind gut vorbereitet. Seit die Ölkrisen in den 70er Jahren das damals gänzlich von Importen abhängige Land völlig unvorbereitet trafen, spielt es beim Energiesparen wie bei der Umstellung auf neue Energieformen eine Vorreiterrolle. Windparks decken jetzt schon 22 Prozent des Stromverbrauchs. Beim Heizen haben das Erdgas aus den dänischen Nordseefeldern, vor allem aber die Fernheizwerke das Erdöl als führende Energiequelle abgelöst.

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So trifft das Verbot für Öl- und Gasheizungen in Neubauten nur eine Minderheit der Haushalte. Wärmepumpen, denen wegen der hohen Installationskosten bisher der Durchbruch versagt blieb, erleben nun eine Renaissance, weil sie von einer Abgabe auf "Versorgungssicherheit" ausgenommen sind. Sie wird die Nutzer anderer Energieformen Ende des Jahrzehnts jährlich 1300 Kronen (175 Euro) kosten.

Das Fernheizsystem erreicht bereits 62 Prozent aller dänischen Wohnungen. Vor allem im Stadtgebiet wird fast durchwegs mit Fernwärme geheizt. Mehr als 1,6 Millionen fernbeheizte Haushalte stehen 400 000 Erdgasanschlüssen, 314 000 Ölheizungen und 30 000 Wärmepumpen gegenüber.

Mit sanftem Zwang drängen die dänischen Kommunen die Einwohner zum Fernheiznetz: Vielerorts besteht eine Anschlusspflicht. Zwar müssen die Hauseigner die Fernheizung nicht nutzen, aber die Anschlussabgabe müssen sie auch zahlen, wenn sie andere Energieformen (Ausnahme: Wärmepumpe) wählen. Da zudem die durchschnittlichen Kosten für die Fernheizung nur etwa halb so hoch sind, als wenn man ein entsprechendes Haus mit Öl beheizt, fällt den meisten die Wahl nicht schwer, auch wenn große lokale Preisunterschiede mancherorts für Unmut sorgen.

Zwar sind Erdgas und Kohle immer noch wichtige Brennstoffe für das Fernheizungsnetz, doch der Anteil der grünen Fernwärme nimmt ständig zu. Er liegt nun erstmals höher als 50 Prozent, wobei rund 30 Prozent durch Biomasse und gut 20 Prozent durch die Müllverbrennung beigesteuert werden.

Die Energiewende geht weiter: Zwei neue küstennahe Offshore-Windparks sollen die Kapazität für Windenergie verdoppeln, Kohlekraftwerke auf Biomasse umgerüstet und dezentrale Kraft-Wärme-Werke mit Biogas aus der Gülle der Schweineproduktion gespeist werden. Das Ziel ist die Reduktion des Kohlendioxidausstoßes bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu den Werten von 1990. Doch die grünen Bäume wachsen auch in Dänemark nicht in den Himmel. Der "Wachstumsplan", den die Regierung dieser Tage vorlegte, reduziert die Energieabgaben für Unternehmen um umgerechnet 1,5 Milliarden Euro. Dies schade der nachhaltigen Umstellung, schilt die grüne Denkfabrik Concito.

Autor: Hannes Gamillscheg