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15. Dezember 2016

Das Ende der Ölheizung rückt näher

Umweltschützer setzen auf Wärmepumpen / Heizölbranche sieht viele Modernisierungschancen.

FREIBURG. Heizen mit Öl war schon lange nicht mehr so billig wie zurzeit. 5,32 Cent pro Kilowattstunde kostet es, die Wohnung mit leichtem Heizöl zu wärmen, hat das Fachblatt Brennstoffspiegel kürzlich ermittelt. Erdgas, der große Konkurrent ist mit 6,29 Cent viel teurer, ganz zu schweigen von Fernwärme mit 7,87 Cent. Nur Holzpellets mit 4,37 Cent und Flüssiggas mit 5,01 Cent sind noch billiger als Heizöl.

Dennoch blickt Hans-Jürgen Funke, der Geschäftsführer des Verbandes des Energiehandels Südwest (VEH), sorgenvoll in die Zukunft. Denn die Politik will der Ölheizung an den Kragen. Nach 2030 dürften in Neubauten keine Öl- und Gasheizungen mehr eingebaut werden, so stand es in einem Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Ein Aufschrei von Heizölhändlern und Heizungsbauern war die Folge.

In der Endfassung des Plans war von Verboten zwar keine Rede mehr, aber die Branche ist gewarnt. "Wir sind Teil des Problems", gibt Funke zu. Schließlich wird beim Verbrennen von Öl das Klimagift Kohlendioxid frei. Und die Bundesregierung hat sich im Klimaschutzabkommen von Paris verpflichtet, den Ausstoß bis 2050 um rund 90 Prozent zu verringern gegenüber dem Jahr 1990. Da können die 5,7 Millionen Öl- und 13,6 Millionen Gasheizungen nicht ungeschoren davonkommen. Schließlich sorgen die Beheizung von Gebäuden und das Erwärmen von Wasser zum Kochen und Duschen für rund 40 Prozent des Kohlendioxidausstoßes in Deutschland.

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Wenn man bei einer Heizung von einer Lebensdauer von 20 Jahren ausgeht, ist es konsequent, dass es von 2030 an keine Öl- und Gasheizungen mehr in Neubauten und bei der Sanierung alter Anlagen mehr geben darf. Schließlich will die Bundesregierung 2050 "einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand" haben. Das steht unverändert im Klimaschutzplan.

Die Hausbesitzer lassen alte Heizungen weiterlaufen

VEH-Geschäftsführer Funke sagt aber auch: "Wir sind auch Teil der Lösung." Es gebe große Effizienzreserven bei den Heizungen. Mehr als die Hälfte der Ölheizungen sei älter als 20 Jahre und nicht mehr auf dem Stand der Technik. Hier könnte man viel tun. "Aber die Leute modernisieren nicht mehr", sagt Funke. Das könne man in Baden-Württemberg, wo der VEH hauptsächlich tätig ist, genau sehen. Als unter der schwarz-gelben Landesregierung 2008 das Erneuerbare-Wärme-Gesetz erlassen wurde, das vorschreibt, einen bestimmten Teil des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken, hätten die Hausbesitzer nicht etwa saniert, sondern hätten gar nichts mehr gemacht. "Man lässt die alte Heizung weiterlaufen", sagt Funke und plädiert deswegen dafür, "keine zusätzlichen Hürden" aufzubauen. Auch zinsgünstige Kredite von der landeseigenen L-Bank oder der bundeseigenen KfW hätten wenig gebracht in Sachen Heizungsmodernisierung. Funke ist überzeugt: "Wenn man mit der Modernisierung von Heizung und Wohnung Steuern sparen könnte, wäre das Interesse höher."

Veit Bürger vom Freiburger Öko-Institut sagt dagegen: "Wenn man die Klimaschutzziele ernst nimmt, dürfte man nach 2030 weder Erdgas- noch Ölheizungen einbauen." Dänemark hat das tatsächlich bereits verfügt, auch der Schweizer Kanton Basel-Stadt verfolgt solche Pläne. Für Bürger ist klar: "Mittelfristig muss sich die Branche darauf einstellen, dass die Ölheizung keine Zukunft mehr hat."

Für das warme Wasser in der Wohnung sorgen aus seiner Sicht in Zukunft Solarkollektoren auf den Dächern, Wärmepumpen – mit Ökostrom betrieben – heizen die Wohnungen, in begrenztem Umfang kämen noch Holzpelletsheizungen infrage. Dass Strom eine so große Rolle spielen soll – schließlich sollen auch Autos in einigen Jahrzehnten elektrisch fahren – kann sich VEH-Mann Funke nicht vorstellen: "Was machen wir denn, wenn der Strom mal ausfällt?" Er tröstet sich einstweilen damit, dass der Klimaschutzplan ein Plan ist. Damit er verpflichtend wird, müssen Gesetze gemacht und beschlossen werden. Und da ist klar: Bis zur Bundestagswahl passiert nichts mehr.

Autor: Jörg Buteweg