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13. Dezember 2015 15:11 Uhr

Kommentar

Der Pakt von Paris: Zeitenwende in der Klimapolitik

Bislang galt Klimaschutz als Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes – der Pakt von Paris hat das Zeug, das zu ändern. Das meint BZ-Korrespondent Christian Mihatsch in seinem Kommentar.

  1. Der Pakt von Paris leitet eine Zeitenwende ein. Foto: dpa

  2. Hat die Verhandlungen in Paris zwei Wochen lang für die BZ verfolgt: Christian Mihatsch. Foto: dpa

Klimaforscher sprechen oft von sogenannten Kipppunkten. Sie meinen damit die Gefahr, dass sich die Erderwärmung selbst verstärkt und nicht mehr aufzuhalten ist, wenn erst einmal bestimmte Schwellenwerte überschritten sind. Dies gilt etwa für das Auftauen des Permafrosts in Sibirien. Beginnen dort die Böden zu tauen, werden riesige Mengen Methan frei – ein sehr viel stärkeres Treibhausgas als das Kohlendioxid (CO2). Doch nun hat nicht das Klima, sondern die Klimapolitik einen Kipppunkt erreicht, ab der sich der Klimaschutz selbst verstärkt.

Insofern leitet der Pakt von Paris eine Zeitenwende ein. Bislang galt Klimaschutz als Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes und alle Länder hatten Angst, mehr zu tun als der Nachbar, wobei dann der Nachbar genauso viel vom Klimaschutz hat wie man selbst – nur eben keine Kosten. Diese Logik wird durch das Paris-Abkommen durchbrochen. Es sendet ein unmissverständliches Signal an Länder, Städte, Produzenten, Konsumenten und Investoren, dass die Zeit von Kohle, Öl und Gas zu Ende geht. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes bemisst sich damit an der Geschwindigkeit, mit der es seine Energiewende schafft. Das gilt aber auch für Firmen und Investoren. Sobald die Richtung klar ist, geht es darum, wer am schnellsten ist. Damit verstärkt sich der Klimaschutz selbst. Immer mehr Geld fließt in erneuerbare Energien wodurch ihre Kosten sinken und Wettbewerbsfähigkeit steigt. Denn letztlich können weder Regierungen noch Bürger den Klimawandel stoppen, sondern nur der Markt. Die erforderlichen Investitionen sind schlicht zu groß, um sie anders zu stemmen. Während bei Klimakonferenzen um Milliarden gestritten wird, geht es in Wirklichkeit um Billionen. Erst wenn dies viele Geld in die richtige Richtung fließt, besteht tatsächlich Hoffnung für das Klima.

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Autor: Christian Mihatsch