"Finanzielle Anreize helfen in dieser Altersgruppe nur bedingt"

Stephanie Streif

Von Stephanie Streif

Do, 22. März 2018

Wirtschaft

BZ-HAUTNAH: Ökonom Christian Scholz erklärt, wie man die nach 1995 Geborenen – Vertreter der Generation Z – für das eigene Unternehmen gewinnen kann.

FREIBURG. Die Generation Z, das sind die nach 1995 Geborenen, tickt so ganz anders als ihre Vorgängergeneration. Denn während die Generation Y auch am Wochenende wie selbstverständlich den Laptop aufklappt, um sich auf das Strategietreffen am Montagmorgen vorzubereiten, fliegen die Z-tler derweil lieber nach Barcelona und genießen, was geht. "Unternehmen sollten diese Generation schnellstmöglich in den Blick nehmen", so der Rat von Professor Christian Scholz von der Universität des Saarlandes.

Der Wirtschaftswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Organisation, Personal- und Informationsmanagement sprach am Dienstag beim Unternehmerforum "Generation Z versus Arbeitswelt 4.0", zu dem die Krankenkasse Barmer-GEK, die Health Region Freiburg sowie die Badische Zeitung eingeladen hatten. Die Veranstaltung fand im gut besuchten Zeitungsmuseum des Pressehauses statt. Zu lange hätten sich Unternehmen an der karrieregetriebenen Generation Y orientiert, sagte Scholz. Man propagierte Büros mit Open-Space-Strukturen und Desk Sharing (also Großraumbüros mit geteilten Arbeitsplätzen) und operierte mit Begriffen wie "Vertrauensarbeitszeit". Was unter Y-lern als hip gilt, lehnen die jungen Z-ler allerdings ab. "Diese Generation will geregelte Arbeitszeiten und einen Arbeitsplatz, an dem sie sich wohlfühlen kann." Charakteristisch für die junge Altersgruppe sei, dass sie sich nicht einmal über die viel zu hohen Managergehälter aufregen könne, witzelte Scholz. "Statt sich zu ärgern, erinnert sie einen schlicht daran, dass der Golf nicht dadurch billiger werde, weil der VW-Chef weniger verdiene. Und dass man ohnehin niemals so viel arbeiten wolle wie ein Herr Winterkorn." Die Z-ler sind nicht faul. Sie arbeiten vielmehr ergebnisorientiert und kümmern sich nicht rund um die Uhr um ihr berufliches Weiterkommen.

Auf die Generation Z gilt es sich schnellstmöglich einzustellen. "Im Silicon Valley hat man das bereits verstanden", erzählt Scholz. Dort setze man wieder auf geregelte Arbeitszeiten, bringe die Mitarbeiter im Bus pünktlich zur Zentrale und hole sie genauso pünktlich wieder ab. Man müsse den Paradigmenwechsel als Chance begreifen. Die Z-ler seien wichtig: Als Influencer (Beeinflusser) wirken sie über die sozialen Netzwerke im Internet in ihre Altersgruppe hinein. Außerdem sind sie gesundheitsbewusst und fallen darum krankheitsbedingt seltener aus. Mit der Generation Z, die nach und nach auf den Arbeitsmarkt kommt, investieren Unternehmen also auch in ihr betriebliches Gesundheitsmanagement. Studien hätten längst belegt, so der Wirtschaftswissenschaftler weiter, dass die Generation Z weniger von gesundheitlichen Beschwerden betroffen sei als die Generation Y. Weniger Depressionen, weniger Rückenschmerzen, ein geringeres Herzinfarktrisiko.

Dirk Fischbach, Hauptgeschäftsführer der Barmer-GEK in Freiburg, hatte gleich zu Beginn der Veranstaltung schon entsprechend nachgehakt: "Wie generieren wir diese Generation für die Betriebe? Und wie können wir sie halten?" Scholz gab darauf in der sich an seinen Vortrag anschließenden Diskussion Antworten: Die Generation müsse erst einmal verstanden werden. Weiter müssten Begrifflichkeiten, betriebswirtschaftliche Strategien und Qualifizierungsprogramme entsprechend modifiziert werden: Ein Wort wie "Vertrauensarbeitszeit" darum besser nicht in die Stellenanzeige packen. Und womit sich die Generation Z ebenfalls nicht ködern lasse, sei Personalverantwortung. "Auch finanzielle Anreize helfen in dieser Altersgruppe nur bedingt." Scholz glaubt, dass auch die Vorgängergenerationen von den Z-lern lernen werden. Irgendwann werden dann auch die Y-ler ihren Laptop am Wochenende nicht mehr aufklappen wollen.