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22. Oktober 2013

Kernenergie

In England entstehen zwei neue Atomkraftwerke

Strompreisgarantie für den französischen Versorger EDF ist höher als für deutschen Ökostrom.

  1. Blick auf das Atomkraftwerk im französischen Flamanville – Reaktoren gleichen Typs sollen in Großbritannien gebaut werden. Foto: afp

LONDON/BERLIN (AFP). Nach einer Pause von fast zwei Jahrzehnten macht sich Großbritannien wieder an den Ausbau der Atomenergie. Der französische Energiekonzern EDF errichtet mit chinesischer Hilfe zwei neue Meiler, die 2023 ans Netz gehen sollen, wie EDF und die britische Regierung am Montag bekannt gaben. Die Reaktor-Neubauten sollen demnach rund 16 Milliarden Pfund (18,9 Milliarden Euro) kosten.

EDF wird an dem Bau der beiden Europäischen Druckwasserreaktoren (EPR) mit 45 bis 50 Prozent beteiligt sein. Der französische Anlagenbauer Areva soll mit zehn Prozent Projektpartner sein, die beiden chinesischen Atomkonzerne CGN und CNNC mit 30 bis 40 Prozent. EDF verhandle mit weiteren Investoren, die sich mit bis zu 15 Prozent an dem Projekt beteiligten könnten.

Einer der Knackpunkte in den Verhandlungen um den Neubau der beiden Meiler war ein garantierter Abnahmepreis für den Atomstrom. Vereinbart wurde nun für die kommenden 35 Jahre ein garantierter Abnahmepreis von umgerechnet 10,6 Cent pro Kilowattstunde. Er liegt weit über dem derzeit gezahlten Preis in Großbritannien. Der Abnahmepreis könnte laut Vereinbarung aber noch ein Stück sinken, wenn EDF den Zuschlag für den Bau zweier weiterer Reaktoren in Großbritannien erhält.

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Der Garantiepreis für die Atomenergie soll wie die Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland funktionieren: Verdient EDF mit dem Verkauf seines Stromes nicht den vereinbarten Mindestpreis, müssen die Stromverbraucher einspringen; sie finanzieren die Differenz mittels einer Umlage über ihre Stromrechnung. In Großbritannien wird derzeit heftig über steigende Energiepreise diskutiert. Oppositionsführer Ed Miliband von der Labour-Partei hat für den Fall eines Wahlsieges 2015 angekündigt, die Energiepreise einfrieren zu wollen.

Der deutsche Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) sieht in der Vereinbarung von Regierung und Energiekonzern einen Beweis für die Vorteile erneuerbarer Energien. Selbst die Förderung für den vergleichsweise teuren Solarstrom ist in Deutschland für neue Großanlagen auf Freiflächen mittlerweile unter zehn Cent pro Kilowattstunde gefallen. Auch gilt die Förderung hierzulande nur für 20 Jahre. Außerdem sehe die deutsche Ökostromförderung im Gegensatz zur neuen Vereinbarung in Großbritannien keinen Inflationsausgleich vor, erklärte der BEE. Das mache den neuen britischen Atomstrom über die gesamte Laufzeit 3,5-mal so teuer wie Solarstrom.

Die beiden Atomreaktoren sind die ersten seit 1995, die in Großbritannien gebaut werden. Das Land hat derzeit 16 Reaktoren in Betrieb, von denen der älteste in spätestens zwei Jahren vom Netz gehen soll. Atomenergie macht in Großbritannien nach Angaben des Weltatomverbandes knapp ein Fünftel der Stromerzeugung aus. 27,5 Prozent der Energie liefert demnach die Verbrennung von Erdgas. Kohle macht 40 Prozent der Energieversorgung aus.

Auch in Frankreichs Norden nahe Flamanville wird derzeit ein europäischer Druckwasserreaktor gebaut. Das Projekt ist unter anderem wegen der explodierenden Kosten umstritten: Waren 2005 noch rund 3,3 Milliarden Euro veranschlagt worden, musste EDF Ende 2012 einräumen, dass vermutlich 8,5 Milliarden Euro nötig werden. Ähnlich ergeht es einem Reaktor gleichen Typs, der im finnischen Olkiluoto gebaut wird.

Autor: afp