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23. November 2011

Freiburg

Manfred Stather tritt als Handwerkstags-Vize zurück

Der Freiburger Heizungsbauer Manfred Stather verliert den Posten als Vizepräsident des baden-württembergischen Handwerkstages.

  1. Manfred Stather Foto: privat

FREIBURG. Der Vizepräsident des baden-württembergischen Handwerkstages (BWHT), der Freiburger Manfred Stather (64), wird am Donnerstag in Stuttgart seinen Rücktritt als Vizepräsident dieser Spitzenorganisation des Handwerks bekannt geben. Dies bestätigte BWHT-Präsident Joachim Möhrle auf Anfrage. Stather hatte eine Kontroverse unter den Handwerkern um die Rolle von Kammern, Innungen und Kreishandwerkerschaften ausgelöst.

Stather hatte im Oktober intern angekündigt, auch sein Amt als Vorsitzender des Unternehmerverbandes Handwerk (UVH) niederzulegen. Der Verband vertritt die Innungen und Fachverbände des Handwerks und bildet zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft der acht Handwerkskammern den Handwerkstag Baden-Württemberg. Offizielle Stellungnahmen gibt es weder von der Handwerkskammer Freiburg, noch vom Landesverband der Innungen des Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerks (SHK), dem Stather ebenfalls vorsteht. Manfred Stather selbst, der ein 100 Jahre altes Unternehmen führt und für die Freien Wähler im Freiburger Gemeinderat sitzt, war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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Stather hatte im Juni mit einem Grußwort zum Verbandstag des SHK-Handwerks Niedersachsen die Amtsträger in den Handwerkskammern gegen sich aufgebracht. In seiner Eigenschaft als Präsident des SHK-Bundesverbandes schrieb er, die Handwerkergemeinschaft müsse den Gesamterfolg über die Durchsetzung von Partikularinteressen "oder die Aufrechterhaltung verkrusteter Organisationsstrukturen" stellen. "Die gegenwärtige Struktur", heißt es an anderer Stelle, "die den Dualismus zwischen Kammern und Innungen zementiert, ist ein Relikt aus vergangener Zeit. Sie hat ihre Berechtigung schon lange verloren." Handwerker müssen Mitglied einer Handwerkskammer sein, nicht aber einer Innung. Die Innungen wiederum sind Pflichtmitglieder der Kreishandwerkerschaften.

Die Passagen des Grußwortes wurden inhaltlich zurückgenommen, doch sie wurden bundesweit kolportiert und führten zu Rücktrittsforderungen. Auch Landeshandwerkskammerpräsident Joachim Möhrle ist der Meinung, "dass er mit diesen Äußerungen nicht mehr tragbar ist." Es gebe keine Denkverbote über Strukturen, betont Möhrle, aber die Diskussion über Sinn und Zweck der Organisation von Kammern, Innungen und Kreishandwerkerschaften sollte "in den zuständigen Gremien geführt werden und nicht in Grußworten."

Ein Ausrutscher war das Grußwort nicht. Am 29. September sagte Stather beim Bauwirtschaftstag in Berlin, nicht durch ihre bloße Präsenz, sondern "durch den wirtschaftlichen Erfolg" rechtfertige sich eine Standes- und Berufsorganisation. Alles Hinweise, die auf einen tiefer liegenden Konflikt zwischen dem SHK-Handwerk und den Kammern deuten. Viele Sanitärhandwerker fühlen sich etwa beim Wettbewerb mit kommunalen Energieversorgern, die ihnen den Markt für ökologisch verträgliche Heizungsanlagen streitig machen, nicht ausreichend von den Handwerkskammern vertreten. So geriet die Freiburger SHK-Innung mit dem Versorger Badenova aneinander, die Handwerkskammer hielt sich in dem Streit betont zurück.

Als Nachfolger Stathers als Vizepräsident des Landeshandwerkstages ist offenbar der UVH-Vize und Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes, Harry Brambach, im Gespräch.

Autor: Heinz Siebold