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05. Januar 2010

"Mit Blech kann man fast alles machen"

BZ-SERIE JOBMOTOR (6): Wie Harald Keller in Endingen einen Metallbaubetrieb durch die Krise führt.

  1. Harald Keller Foto: Siebold

ENDINGEN. Es hat erst gar nicht gut ausgesehen zu Beginn des vergangenen Jahres: Etliche Kunden hatten keine oder weniger Aufträge geordert, die Krise drohte Kopf und Hände zu lähmen, obwohl das Vorjahr im zweistelligen Umsatzplus lag. Der junge Chef hatte alle Mitarbeiter am ersten Arbeitstag im Januar 2008 zusammengetrommelt und seine eindringliche Ansprache mit den Worten beendet: "Ihr macht weiterhin gute und präzise Arbeit – den Rest mache ich." Harald Keller ist erst 31 Jahre alt, aber es braucht nicht lange, um zu spüren, dass der eher stille Metallbautechniker ein Energiebündel ist, das Kraft aus dem Bewusstsein tankt, ein Traditionsunternehmen zu führen.

Es war sein Urgroßvater Adolf Keller, der 1901 in Endingen am Kaiserstuhl eine Hufschmiede eröffnet hat. Diese wurde über zwei weitere Kellers an die vierte Generation weitergereicht – aber mit Hufen und Pferden hat Metallbau Keller heute nichts mehr zu tun. Nur der Standort ist noch Endingen.Von dort aus beliefert der Metallbaubetrieb medizintechnische Betriebe, Ausrüster für Solartechnik und Pharmaunternehmen. Etliche davon erst seit kurzem, denn Harald Keller musste den Handwerksbetrieb umbauen. Sparten wie Landmaschinentechnik oder Nutzfahrzeugbau mussten aufgegeben oder drastisch reduziert werden. "Wir mussten neue Branchen finden, um zu überleben", sagt Keller ungeschminkt.

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Das hat in der Familie nicht allen gefallen, mittlerweile ist das Thema aber durch. Harald Keller hat die Firma 2003 neu gegründet und mittlerweile die alte übernommen. Zwei seiner Brüder arbeiten an führender Stelle neben ihm, sein Vater Erhard und sein Onkel Adolf kommen als alte Hasen auch vorbei und helfen aus. "Der Vater kriegt auf den alten Maschinen Sachen hin, die auf den neuen gar nicht gehen", sagt der Sohn bewundernd.

Entscheidend für die Zukunft des Metallbaubetriebes war die Umstellung eines Teils der Produktion auf die Technik des Laserschweißens. Seit den 90er Jahren hat Metallbau Keller mehr als 4,5 Millionen Euro in Maschinen gesteckt, die mit Laserstrahlen schweißen, schneiden oder beschriften können. Und in computergesteuerte CNC-Stanzanlagen. "Laserschweißen ist eine Technik, mit der man Baugruppen oder Komponenten noch besser zusammenfügen kann als von Hand", erklärt Harald Keller. Weil auf dem Schweißpunkt wenig Wärme abgegeben wird, können Kleinteile auf filigranste Art und Weise bearbeitet werden.

"Mit Blech kann man fast alles machen", sagt Keller, aber es ist Präzisionsarbeit. Die Maschinen werden programmiert und doch sind das menschliche Auge und das handwerkliche Können unverzichtbar. Bleche, Stäbe und Rohre aus Stahl, Edelstahl und Aluminium werden auf Bruchteile von Millimetern genau geschnitten, abgekantet, rundgebogen, gefräst, geschliffen, gesägt, gedreht und geschweißt. Oberflächen werden lackiert, beschichtet, verzinkt. Am Ende müssen die Teile montiert werden, zu Maschinen- oder Gerätegehäusen, Ölwannen oder Transportbehältern.

"Für mich war klar, dass ich Metallbauer werde", sagt Harald Keller. "Ich will keine Strohfeuer anzünden, ich will etwas Langfristiges aufbauen." Das gilt für die ganze Firma, die jetzt 30 Mitarbeiter beschäftigt, davon vier Auszubildende und 2009 den Umsatz bei allen Schwierigkeiten um fünf Prozent gesteigert hat.



Wettbewerb Jobmotor

Zum vierten Mal findet der Wettbewerb Jobmotor statt. Wir suchen Unternehmen in Südbaden, die dauerhaft Jobs in der Region schaffen. Wir verleihen den Preis Jobmotor 2009 an diejenigen Betriebe, die die meisten Arbeitsplätze schaffen. Außerdem loben wir einen Sonderpreis aus für das Unternehmen, das am meisten tut für die Weiterbildung der beschäftigten . Bis zum 31. Januar 2010 sind Bewerbungen möglich. Die Ehrung der Sieger findet am 19. März in der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau statt.

Details zum Wettbewerb und das Teilnahmeformular finden Sie unter http://www.badische-zeitung.de/jobmotor

Autor: Heinz Siebold