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06. Oktober 2017

Kobalt

Neue Rohstoffe für das Elektroauto

Sollen weltweit Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ersetzt werden, sind große Mengen an Lithium, Kobalt und Grafit nötig.

BERLIN. Elektroautos brauchen kein Benzin. Aber ohne Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder Grafit gibt es keine Batterien. Werden die Ressourcen reichen, um Millionen Pkw auszustatten? Ein besonderes Problem stellt Kobalt dar.

Das Elektroauto ist ein Ökoauto, behauptet die Werbung. "Umweltmäßig alles okay" – lautet die Botschaft. Aber so einfach ist es nicht. Damit Strom-Fahrzeuge auch langfristig ökologische Fortschritte bringen, sind etliche Voraussetzungen zu erfüllen. Zum einen ist der Betrieb nur klimaverträglich, wenn die Batterien mit Strom aus erneuerbaren Energien geladen werden. Zum anderen sind gigantische Mengen an Rohstoffen nötig. Das zeigt eine neue Studie des Instituts Agora Energiewende.

Dabei ist vor allem Kobalt problematisch: Der Großteil des Metalls stammt heute aus der Demokratischen Republik Kongo, wo es oft unter miesen sozialen und ökologischen Bedingungen abgebaut wird. Kobalt braucht man, um Batterien für E-Autos zu fertigen. Möglicherweise wird der Bedarf künftig stark steigen, weil es das heute verwendete Lithium zum Teil ersetzen könnte. 2016 lieferten die Minen im Kongo 54 Prozent der weltweiten Kobalt-Produktion, heißt es in Agora-Untersuchung, die Agora und das Freiburger Öko-Institut erarbeiteten. Das berge "jedoch Umwelt- und Sozialrisiken".

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Erhebliche Kobaltmengen kommen im Kongo aus Kleinbergwerken, in denen die Arbeiter mit armseliger Ausrüstung schuften. Es gibt Berichte über Kinderarbeit. Im Osten des Kongo ist zudem ein seit Jahrzehnten dauernder Krieg zwischen unterschiedlichen Milizen und Armeen im Gange. Teilweise finanzieren sich die Militärs durch Einnahmen aus dem Bergbau. Hinzu kommt, dass aus Kobaltminen nicht selten säurehaltige Abwässer austreten, die die Umwelt schädigen. Solche Vorwürfe erheben Kritiker auch gegenüber dem Schweizer Rohstoff-Konzern Glencore, der in der kongolesischen Region Katanga den riesigen Tagebau Mutanda betreibt.

Derartige Probleme können das Image der vermeintlich sauberen Elektromobilität beschädigen. Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende, plädierte deshalb dafür, neue Sorgfaltspflichten für Unternehmen einzuführen, die Kobalt ausbeuten, handeln und verarbeiten. Für die sogenannten Konfliktmineralien Zinn, Wolfram, Tantal und Gold haben die USA solche Regeln bereits festgelegt. In der EU gibt es vergleichbare Regularien. Für Kobalt gelten sie jedoch noch nicht. "Eine Ausweitung auf diesen Rohstoff ist notwendig", schreiben die Experten von Agora und Öko-Institut.

Experten erwarten gigantische Nachfrage

Neben den ökologischen Fragen spielt aber auch die Verfügbarkeit der Rohstoffe eine Rolle. Für die Batterien der Elektrofahrzeuge wird neben Kobalt und Lithium auch Grafit gebraucht – und zwar in stark steigenden Mengen. Die Schätzungen basieren auf Kalkulationen der Internationalen Energieagentur (IEA). Will man das Ziel erreichen, den Anstieg der globalen Temperatur auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, müssen Verbrennungsmotoren schnell durch E-Autos ersetzt werden. Der IEA-Schätzung zufolge werden um 2030 rund 50 Millionen E-Autos verkauft. Mit 80 Millionen Fahrzeugen erreicht der Absatz konventioneller Autos seinen Höhepunkt, um bis 2050 auf fast null zu sinken. Dann würden jährlich 140 Millionen Stromer produziert.

Angesichts einer solchen Entwicklung rechnen die Forscher mit einer stark ansteigenden Nachfrage zunächst nach Lithium, aber auch nach Kobalt und Grafit. Dieser Stoff wird für die Elektroden in den Batterien benötigt, der Bedarf könnte sich bis 2050 verfünffachen. Vorkommen an all diesen Materialien gibt es allerdings ausreichend, auch wenn die Situation im Kongo heikel ist. Die Rohstoffe würden aber möglicherweise nicht rasch genug erschlossen, sodass das Angebot speziell an Lithium und Kobalt zeitweise knapp werden könnte und die Preise so steigen dürften. Deswegen empfehlen Agora und Öko-Institut, ein weltweites Recycling von Batterien zu organisieren, um Rohstoffe zu sparen. Außerdem plädieren die Experten für eine Forschungsoffensive. Wenn man es schafft, Batterien zu entwickeln, die mit weniger Rohstoffen mehr Energie speichern können, müssen weniger Ressourcen ausgebeutet werden.

Autor: Hannes Koch