BZ-Telefonaktion

"Nicht blind das Geld in ETFs anlegen"

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Sa, 10. März 2018 um 15:41 Uhr

Wirtschaft

Südbadische Vermögensverwalter warnen davor, Kapital sorglos in die kostengünstigen Fonds zu investieren.

Sicher, aber zugleich gewinnbringend – so wünschen sich die Sparer ihre Geldanlage. Das war der Tenor der Anfragen bei der BZ-Telefonaktion am Donnerstag. Ist das überhaupt möglich?

Fünf unabhängige Vermögensverwalter aus Südbaden erklärten, bezogen auf die individuelle Situation der Anrufer, inwieweit diese Wunschvorstellung umgesetzt werden kann. Im Folgenden dokumentieren wir beispielhaft einige Leserfragen samt den Antworten unserer Experten.

Derzeit hört man viel Positives über ETFs. Sollte ich mein Geld jetzt in ETFs investieren?
Auf der einen Seite bieten ETFs – das steht für Exchange-Traded Funds, also börsengehandelte Fonds – den großen Vorteil, dass man damit kostengünstig Geld in einen ganzen Korb von Wertpapieren, meist Aktien, investieren kann. Viele beliebte ETFs bilden Aktienindizes wie etwa den Dax oder den S&P 500 ab. Von daher können ETFs als Instrument der Vermögensanlage sinnvoll sein. Auf der anderen Seite ist von einer blinden Einmalanlage in ETFs abzuraten. Denn in den kommenden Jahren sind weitere Korrekturen an den Börsen oder sogar ein größerer Crash durchaus vorstellbar. Eine ETF-Anlage sollte auf jeden Fall mit einer Absicherungsstrategie verbunden sein, um den rechtzeitigen Ausstieg zu gewährleisten. Bei ETF-Sparplänen mit regelmäßigen Einzahlungen mindert der Durchschnittskosteneffekt das Risiko – in Zeiten niedriger Kurse werden mehr Anteile erworben, in Zeiten hoher Kurse weniger.

Ich will 50 000 Euro anlegen, die ich für meine Altersvorsorge nutzen will. Mein Bankberater hat mir empfohlen, den Betrag in einen Rentenfonds einzuzahlen. In den vergangenen Jahren sei da die Entwicklung gut gewesen. Was halten Sie davon?
Ich würde davon die Finger lassen. Dass sich Rentenfonds in der jüngeren Vergangenheit teils gut entwickelt haben, liegt vor allem daran, dass die Zinsen deutlich gesunken sind. Dies führt zwangsläufig zu Kursgewinnen bei Anleihen. Mittlerweile ist das Zinsniveau jedoch so tief, dass weitere Zinsrückgänge ausgeschlossen sind. Im besten Fall, wenn die Zinsen auf dem aktuellen niedrigen Level verharren, fließen dem Fonds die aktuellen Minizinsen der Anleihen zu. Sollte das Zinsniveau allerdings wieder steigen, was denkbar ist, dann werden die Kurse dieser Anleihen zurückgehen. Als Rentenfonds-Anleger haben Sie also derzeit nicht viel zu gewinnen, aber viel zu verlieren.

Ich habe rund 200 000 Euro angespart. Angesichts der aktuellen Entwicklungen erwarte ich, dass unser Finanzsystem zusammenbricht. Darum überlege ich, mein ganzes Vermögen in Gold anzulegen – zur Absicherung. Ist das sinnvoll?
Man kann nicht generell ausschließen, dass es zu einer größeren Krise kommen könnte. Doch selbst, wenn dies so käme, wäre eine reine Goldanlage nicht optimal. Besser wäre eine gewisse Mischung, zum Beispiel je zu einem Drittel Gold, Aktien und Bargeld. Der Goldanteil reicht zur Absicherung für den schlimmsten Fall. Zugleich ergeben sich in einer größeren Krise in der Regel auch Chancen, die man mit dem Bargeldanteil nutzen kann. Sollte der große Crash ausbleiben, haben Sie mit dem Aktienanteil einen Fuß in der Tür, um an weiter steigenden Kursen zu partizipieren.

Ich bin 65 Jahre alt und habe nun eine Erbschaft von rund 400 000 Euro gemacht und möchte das Geld für zunächst fünf Jahre anlegen. Zudem verfüge ich über ein gutes Einkommen und mein Haus ist abbezahlt. Wie soll ich diese Summe für die kommenden fünf Jahre anlegen?
Entscheidend für die Auswahl der richtigen Anlagestruktur ist die Frage nach der Risikobereitschaft, denn eine ordentliche Rendite ohne Risiko ist derzeit nicht möglich. Je höher der Aktienanteil bei ihrem möglichen Anlageportfolio ist, desto höher können temporäre Kursrückgänge sein. Maßgeblich ist zudem, ob sie das Geld in fünf Jahren benötigen oder ob ein längerer Anlagehorizont möglich wäre. Sind die fünf Jahre als Investmentzeitraum fix, wäre ein maximaler Aktienanteil von 30 Prozent angeraten. Ansonsten könnte eine Anlage mit 50 Prozent in Aktien und den anderen 50 Prozent in Edelmetallen, Anleihen und anderen Vermögensklassen infrage kommen. Dann müssten Sie temporäre Kursschwankungen von bis zu 20 Prozent – bei entsprechend geringerem Aktienanteil bis zu zehn Prozent – aushalten können. Umgesetzt werden könnte dies über einen aktiv verwalteten Investmentfonds. Bei einer so hohen Anlagesumme ist die Betreuung durch einen persönlichen Vermögensverwalter eine Alternative.

Mein Erspartes liegt bei einer Schweizer Bank. Wie wird sich der Wert des Franken gegenüber dem Euro entwickeln?
Seriöse längerfristige Prognosen zu Wechselkursen sind nicht möglich. Sollte das Eurosystem erneut in Probleme geraten, ist denkbar, dass der Franken im Verhältnis zum Euro nochmals an Wert zulegt. Doch auch andere Szenarien sind möglich. Grundsätzlich können Sie ihr Risiko senken, indem Sie einen Teil des Vermögens in den Euro und eventuell noch in weitere Währungen verlagern.

Ich bin 57 Jahre alt, verheiratet, und habe zwei Kinder. Durch meinen Lebenslauf habe ich eine Versorgungslücke, was meine Rente betrifft. Ich habe nun 60 000 Euro angespart und frage mich, wie die ich am besten fürs Alter anlege.
In Ihrem Fall kann eine Rentenversicherung, die sichere regelmäßige Auszahlungen bis zum Lebensende garantiert, die beste Lösung sein. Die Vermeidung zusätzlicher Risiken hat dann Vorrang vor der Renditeoptimierung.

Gibt es sichere Formen der Geldanlage, die eine vergleichsweise hohe Rendite abwerfen?
Ohne Risiko müssen sie derzeit auf Rendite verzichten. Oder sie akzeptieren etwas Risiko und bekommen dafür eine Gewinnchance.