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08. Januar 2013 17:20 Uhr

Export

Noch nie floss so viel Strom aus Deutschland ins Ausland

Deutschland hat nach BZ-Informationen im vergangenen Jahr den größten Stromexportüberschuss seiner Geschichte erzielt – trotz der Energiewende. 2012 flossen rund 23 Milliarden Kilowattstunden ins Ausland.

  1. Ökostrom treibt den deutschen Stromexport Foto: dapd

Das geht aus vorläufigen Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor, die der Badischen Zeitung vorliegen. Demnach lag der Überschuss bei 23 Milliarden Kilowattstunden. Der bisherige Spitzenwert hatte 2008 bei 22,4 Milliarden gelegen. Die Menge des Exportüberschusses entspricht der Jahreserzeugung von zwei großen Atomkraftwerken. Demnach hat sich die Befürchtung nicht bestätigt, dass Deutschland zwar aus der Atomkraft aussteige, aber deshalb verstärkt Atomstrom importieren müsse.

Bis kurz nach der Jahrtausendwende hatte Deutschland eine recht ausgeglichene Import-Export-Bilanz gehabt, doch durch die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien ergibt sich seither ein wachsender Überschuss. Ein Ausreißer war 2011, als mit der Abschaltung von acht Atomkraftwerken der Überschuss auf 6,3 Milliarden Kilowattstunden einbrach. Importland war Deutschland in der Gesamtjahresbilanz letztmalig 2002.

Stromerzeugung aus fossilen Rohstoffen blieb unterdurchschnittlich

Entgegen mancher Befürchtung hat die Stromerzeugung aus fossilen Energien mit dem Atomausstieg nicht zugenommen. Die 356 Milliarden Kilowattstunden aus fossilen Energien aus dem Jahr 2012 waren weniger als 2010 – dem letzten Jahr vor der Fukushima-Katastrophe. Damals waren 358 Milliarden Kilowattstunden fossil erzeugt worden. Auch im Vergleich zum Zehnjahresmittel blieb die Stromerzeugung aus fossilen Rohstoffen im Jahr 2012 unterdurchschnittlich.

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Klimapolitisch bedenklich ist vielmehr die Verschiebung der Prioritäten innerhalb der fossilen Energien. Während die Stromerzeugung aus Braunkohle im Vergleich mit dem Vor-Fukushima-Jahr 2010 um zwölf Milliarden Kilowattstunden zulegte und auch die Verstromung von Steinkohle leicht stieg, brach die Stromerzeugung aus Erdgas um 17 Milliarden Kilowattstunden ein – auf den niedrigsten Wert seit 2004. Eine wesentliche Ursache für die Abkehr vom Erdgas ist der Preisverfall am Markt für Emissionsrechte. Bei einem Preis von derzeit weniger als sieben Euro pro Tonne Kohlendioxid (CO2) besteht für die Kraftwerkswirtschaft wenig Anlass, dem klimafreundlicheren Erdgas gegenüber der Kohle den Vorzug zu geben. Ein Preis von 25 bis 30 Euro je Tonne gilt als Minimum, um einen Umstieg auf Erdgas zu bewirken.

Unterdessen dürfte 2013 der weitere Ausbau von Windkraft und Solaranlagen die Kohleverstromung spürbar zurückdrängen, wie kürzlich auch die Fachzeitschrift Photon darlegte: "Inzwischen erzwingt die Photovoltaik immer öfter die Drosselung der extrem umweltschädlichen Braunkohlekraftwerke." Denn der Stromexport Deutschlands gerät an Grenzen. An den Kuppelstellen zum Ausland, so schreibt das Fachmagazin, komme es immer häufiger zu Engpässen.



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Autor: Bernward Janzing