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09. September 2013 09:44 Uhr

Stromverbrauch

Ökostrom-Kunden sind sparsamer

Haushalte, die Ökostrom beziehen, kommen im Durchschnitt mit 20 bis 30 Prozent weniger Strom aus als die Bezieher von Strom, der nicht zertifiziert ist. Das geht aus Zahlen der Stromanbieter und der Bundesnetzagentur hervor.

  1. Stromsparen bringt bares Geld. Foto: dpa

Ökostromkunden haben im Mittel eine deutlich geringere Stromrechnung als Durchschnittsverbraucher – denn sie gehen sparsamer mit Energie um. Am deutlichsten zeigt sich das bei den Kunden der Elektrizitätswerke Schönau (EWS): Die Haushaltskunden des Bürgerunternehmens kommen im Mittel mit nur 2417 Kilowattstunden Strom im Jahr aus. Der Verbrauch des deutschen Normalhaushalts liegt hingegen bei 3473 Kilowattstunden. Somit sparen die Ökostromkunden gemessen am Durchschnittskunden satte 30 Prozent Strom beziehungsweise rund 300 Euro im Jahr.

Ökostrom-Abnehmer sind umsichtige Konsumenten

Auch die Kunden der anderen Ökostromanbieter erweisen sich als umsichtige Konsumenten. Das Unternehmen Naturstrom gibt einen Verbrauch der Haushalte von durchschnittlich 2700 Kilowattstunden an, beim Mitbewerber Lichtblick liegt der Schnitt bei 2730 Kilowattstunden jährlich – das sind immer noch gut 20 Prozent weniger als der durchschnittliche Verbrauch der so genannten Graustrom-Kunden. Das ist die große Mehrheit der Haushalte, die keinen zertifizierten Strom aus erneuerbaren Quellen bezieht. Auch die Bundesnetzagentur stellte jüngst in ihrem Monitoringbericht fest, dass "Ökostromkunden einen relativ geringeren Elektrizitätsverbrauch als die übrigen Haushaltskunden aufweisen".

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Nun könnte es natürlich sein, dass die Grünstromanbieter überdurchschnittlich viele kleine Haushalte versorgen. Doch die Anbieter, die jeweils über eine sechsstellige Zahl von Haushaltskunden in allen Teilen Deutschlands verfügen, glauben vielmehr, dass die Stromwechsler auch beim Stromsparen aktiver sind: "Ich denke, dass unsere Kunden schon bewusster mit dem Strom umgehen als der Durchschnitt", sagt EWS-Geschäftsfüherin Ursula Sladek. Das entnehme sie den vielen Schreiben, die das Unternehmen von Kunden erhalte. Ein richtiger Beweis, räumt sie ein, sei das natürlich nicht.

Stromsparen entlastet den Geldbeutel

Doch es klingt plausibel. Denn die EWS hatten in den neunziger Jahren in Schönau mit Stromsparwettbewerben begonnen und geben ihren Kunden auch heute noch Strom- und Energiespartipps. Da rechnen die EWS vor, dass ein bewusster Umgang mit Strom den Verbrauch glatt auf die Hälfte des Normalwertes verringern könne: Ein sehr sparsamer Drei-Personen-Haushalt komme im Jahr mit 1800 Kilowattstunden aus, ein entsprechender Vier-Personen-Haushalt mit 2150 Kilowattstunden.

Offenbar beherzigen die EWS-Kunden die Tipps ihres Stromanbieters zumindest teilweise. Unterdessen sinkt der Verbrauch der Ökokunden weiter. Bei Lichtblick ist der Durchschnittsverbrauch der Haushaltskunden in den vergangenen drei Jahren um mehr als zehn Prozent zurückgegangen. Bei den EWS sank der Wert alleine im vergangenen Jahr um fast drei Prozent.

Beim bundesweiten Durchschnittshaushalt hingegen lassen sich trotz vielfältiger Klagen über den Strompreis noch keine Einsparbemühungen erkennen. Im Gegenteil: Von leichten Schwankungen abgesehen geht der Trend seit Jahrzehnten stetig nach oben. Würden nun alle deutschen Haushalte so effizient mit Strom umgehen wie die Kunden der Grünstromfirmen, ließe sich der jährliche Stromverbrauch der deutschen Haushalte in der Summe um 30 bis 40 Milliarden Kilowattstunden senken. Das entspricht der Produktion von drei bis vier Atomkraftwerken und würde Verbrauchern bei einem Preis von rund 28 Cent pro Kilowattstunde zwischen 8,5 und elf Milliarden Euro sparen – Milliarden, die sie für andere Dinge ausgeben könnten.

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Autor: Bernward Janzing