Bonn

Paris-Abkommen ist zentrales Thema der UN-Klimakonferenz

Christian Mihatsch

Von Christian Mihatsch

Mo, 06. November 2017

Wirtschaft

Techniken zur Senkung der Emissionen sind vorhanden und werden schnell billiger - aber all das hilft nichts: Die Erde erwärmt sich laut Klimaschützern dennoch zu rasch. Was sie dagegen tun wollen.

Die Menschheit hat die Mittel, um die Klimaerwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Doch nun muss sie sich sehr schnell entschließen, dies auch zu tun.

Ob sich das Klima um zwei, drei oder sogar noch mehr Grad erwärmen wird, entscheidet sich schon in den nächsten Jahren. "Wir haben weniger als drei Jahre, um den Emissionstrend zu drehen", sagt Paula Caballero von der US-Umweltorganisation WRI. Anschließend müssen die globalen Emissionen bis zum Jahr 2020 um ein Fünftel sinken, sonst ist es "praktisch unmöglich" die Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wie ein neuer UN-Bericht zeigt.

Seit drei Jahren bereits stagnieren die CO2-Emissionen aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Weil aber andere Klimatreiber wie Methan und Lachgas vermehrt ausgestoßen werden, steigen die gesamten Treibhausgasemissionen noch an. Die Schäden durch Treibhaus gestärkte Stürme, Überschwemmungen und Dürren nehmen rapide zu. Das gilt etwa für das Land, das die diesjährige UN-Klimakonferenz in Bonn präsidiert: Fidschi. Der Inselstaat wurde vergangenes Jahr Opfer von Winston, dem stärksten Zyklon der jemals auf der Südhalbkugel auf Land getroffen ist. Die Schäden von einer Milliarde Dollar entsprachen mehr als zehn Prozent der Wirtschaftsleistung des Kleinstaats mit 900 000 Einwohnern. In Deutschland entspräche dies einem Schaden von 300 Milliarden Euro und in der Schweiz von 65 Milliarden Franken (56 Milliarden Euro).

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die Techniken zur Senkung der Emissionen sind vorhanden und werden schnell billiger. Es gibt effektive und bewährte Methoden, um etwa die Entwaldung zu stoppen. Viele Großkonzerne aus der Industrie und den Finanzmärkten haben sich wissenschaftsbasierte Klimaziele gesetzt, mit denen die Klimaerwärmung auf zwei Grad begrenzt werden kann.

Daher ist der Chef des UN-Umweltprogramms Erik Solheim optimistisch, dass selbst die USA ihr Klimaziel erreichen, obwohl dort reihenweise Umweltschutzgesetze zurückgenommen werden: "Die USA werden voraussichtlich ihr Klimaziel unter dem Pariser Klimaabkommen erfüllen, nicht wegen des Weißen Hauses, sondern wegen der Wirtschaft." Auch die Drohung von US-Präsident Donald Trump aus dem Paris-Abkommen auszusteigen, hatte noch keine negativen Folgen. "Trumps Angriff auf den Klimaschutz hat den USA geschadet, aber nicht dem Paris-Abkommen", sagt etwa Keya Chatterjee vom Klimanetzwerk CAN. Die Architektin des Abkommens und frühere Chefin des UN-Klimasekretariats Christiana Figueres meint gar, dass Trump dem Klima nützt: "Trumps Ankündigung hat eine beispiellose Welle der Unterstützung für das Abkommen ausgelöst. Er hat die Entschlossenheit der Welt beim Klimaschutz gestärkt und dafür können wir alle dankbar sein."

Wer führt bei der Suche nach Kompromissen?

In Bonn werden die USA noch mit am Tisch sitzen, da sie erst im Jahr 2020 aus dem Pariser Vertrag aussteigen können. Beobachter gehen davon, dass sich die US-Delegation konstruktiv verhalten wird. Zudem wird der Amerikaner Andrew Rakestraw zusammen mit dem Chinesen Xiang Gao weiter die vielleicht wichtigste Arbeitsgruppe leiten. Dort wird darüber entschieden, wie die Länder über ihre Emissionen und ihre Klimaschutzschritte berichten müssen. Hier wollen einige Länder, dass zwischen Industrie- und Entwicklungsländern unterschieden wird, obwohl das Paris-Abkommen diesen Gegensatz eigentlich aufgehoben und alle Staaten zum Klimaschutz verpflichtet hat. Die Berichtspflichten sind Teil der Gebrauchsanleitung für den Paris-Vertrag, die in Bonn vorbereitet und nächstes Jahr verabschiedet werden soll. Das zweite wichtige Thema in Bonn ist die Ausgestaltung der ersten Bestandesaufnahme. Diese soll die Frage beantworten: Wo steht die Welt bei ihrem Unterfangen, die Klimaerwärmung auf zwei oder besser 1,5 Grad zu begrenzen? Für viele Entwicklungsländer wie Fidschi ist der Anpassungsfonds wichtig. Dieser kleine Fonds unterstützt arme Länder bei der Vorbereitung auf höhere Temperaturen. Im Moment ist der Fonds aber am Kyoto-Protokoll angehängt und muss noch unter das Dach des Paris Abkommens "umgesiedelt" werden.

Die spannendste Frage ist, wer die Länder bei der Suche nach Kompromissen führen wird. Zuletzt haben dies die USA zusammen mit China getan. Chinas Präsident Xi Jinping hat angedeutet, den Fahrersitz in der Klimadiplomatie übernehmen zu wollen, aber auch die EU beansprucht eine Führungsrolle. Der Chef der Schweizer Delegation Franz Perrez sieht zudem "kleinere Motoren" in der Pflicht wie die Verhandlungsgruppe um die Schweiz, Mexiko und Südkorea. Ziel der Bonner Konferenz ist, einen Textentwurf für die Gebrauchsanleitung zu erstellen. Das klingt banal. WRI-Chef Andrew Steer sagt jedoch: "Die Konferenz ist wichtiger als viele Leute realisieren."