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24. April 2015 00:00 Uhr

BZ-Serie Altes Handwerk (8)

So entsteht handgemachte Seife in Elzach

Handgemachte Seife aus dem Schwarzwald: Das ist ein Nischenprodukt, mit dem die Unternehmerinnen Monika Haiss, Ulrike Kleiser und Adelheid Becherer punkten.

  1. Adelheid Becherer (links) holt die getrocknete Seifenmasse aus der Eichenform. Ulrike Kleiser (Mitte) und Monika Haiss schneiden Seifenstücke. Foto: Christine Speckner

  2. Seife aus regionalen Rohstoffen Foto: Speckner

Die kreativen Frauen aus Elzach entwickeln und produzieren Seifen für die Pflege von Kopf bis Fuß. Und vermarkten sie erfolgreich.

Wer den Laden in der Hauptstraße in Elzach betritt, taucht ein in die Welt der Düfte: minzige Frische, blumige Rosengeranie und der sommerliche Hauch aus Lemongras und Orange. Hunderte selbstgemachte Seifen in unterschiedlichen Farbtönen füllen die Regale. Trotz der Vielfalt der Düfte empfindet der Besucher sie als angenehm. Wie kommt das? "Wir verwenden ausschließlich reine ätherische Öle", sagt Ulrike Kleiser. "Die riechen nicht so stark wie Seifen aus synthetischen Ölen."

Wenn die Seifenmacherinnen an die Arbeit gehen, werden Zutaten wie Rapsöl, Olivenöl und Milch abgewogen, vermengt, erhitzt und in Formen gegossen. Dabei legen sie Wert darauf, dass möglichst viele Zutaten aus der Region stammen. Die Original "Schwarzwälder Kirsch"-Seife zum Beispiel wird mit einem Schuss Schwarzwälder Kirschwasser hergestellt. Den Schnaps beziehen sie von der Elztalbrennerei Weis aus Gutach. Den Honig für die Honigseife von einem Imker aus Elzach, das Wasser ist Quellwasser aus Prechtal.

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Die Idee, eine Firma zu gründen, entstand in einem Existenzgründerseminar. Bevor die Frauen 2007 starteten, beschäftigten sie sich gründlich mit ihrer Geschäftsidee. Altes Handwerk, das faszinierte sie, aber es war ihnen auch wichtig, ihre Kreativität einfließen zu lassen. Becherer ist gelernte Finanzbeamtin, Kleiser arbeitete zuvor als Erzieherin und Haiss ist Diplombiologin und Chemiefachfrau. "Mit Säuren, Laugen und Laborarbeit kannte ich mich aus", sagt sie. Da lag es nahe, mit der Herstellung eigener Seifen zu experimentieren. Und die unterschiedlichen Begabungen zu nutzen.

Kooperation mit der Rothaus-Brauerei

Seifen wurden im Schwarzwald bereits im 19. Jahrhundert hergestellt, erzählt Ulrike Kleiser. Bekannt ist Theodor, der Seifensieder und Kinzigtäler aus Wolfach, an dessen Tagebuch die Frauen gelangten. Darin erfuhren sie, dass die Farbe der Seifenmacher Blau war. Einen Seifensieder erkannte man gleich daran. Deshalb trägt Kleiser heute gerne blaue Tracht, wenn sie Besuchern die Seifentruhe zeigt.

Im Vergleich zu früheren Zeiten, wo Seifen oft aus Abfällen tierischer Fette produziert wurden, bereiten die Frauen ihre Seifen im Kaltverfahren zu. Die Lauge, die verschiedenen Fette und Öle müssen im genau richtigen Mengenverhältnis gemischt werden, damit der Verseifungsprozess wie gewollt abläuft. Das dauert Stunden, ist aber schonend, und die Seifen trocknen später die Haut nicht aus. Nach der Herstellung bleibt die Naturseife zwei Tage in speziellen Formen aus Eichenholz. Dann wird sie geschnitten und muss vier bis fünf Wochen reifen, bevor sie verkaufsfertig ist.

Körperbutter und Körperöle sowie Badesalze und Badepralinen ergänzen das Sortiment. Auch Kindergeburtstage mit Kreativwerkstatt gehören zum Angebot. "Unser Wissen geben wir gerne weiter", sagt Adelheid Becherer. Das ist ein Grundsatz ihres Marketingkonzepts. Alleine wollen die Gründerinnen nicht wurschteln. Von Anfang an setzten sie deshalb auf Vernetzung mit Unternehmen und Partnern.

Top-Seller ist die "Zäpfle-Serie". Die Rasierseife mit dem herben Duft von Lavandin und Zedernholz enthält Rothaus Pils und einen Zäpfle-Stempel. Über die Kooperation mit der Brauerei aus Grafenhausen freuen sich die Seifenmacherinnen besonders. Es war ihre Idee, eine spezielle Seife mit Bier herzustellen. Trotz anfänglicher Skepsis vonseiten der Brauerei gelang es ihnen schließlich, eine Rezeptur zu mixen. Inzwischen kommen Unternehmen und Einrichtungen auf die Seifentruhe zu, mit dem Wunsch spezielle Seifen zu kreieren.

Bis zu sechs Kilo Seife werden an einem Tag hergestellt. Das hätten sich die Frauen anfangs nicht träumen lassen. Aber es war ihnen immer auch schon klar, dass ihr Angebot über Produktion und Verkauf hinausgehen muss, um sich mit ihrem Handwerk gegen Industrieseifen zu behaupten.

Die Serie finden Sie gesammelt unterhttp://mehr.bz/altes-handwerk

Autor: Christine Speckner