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16. August 2013 18:05 Uhr

Energiewirtschaft

Solarstrom billiger als Atomstrom – EdF fordert Privilegien

Strom aus neuen Photovoltaikanlagen ist inzwischen billiger als Strom aus neuen Atomkraftwerken. Frankreichs Energieriese EdF will deshalb eine Einspeisevergütung für Nuklearenergie – und zwar eine höhere als für Sonnenstrom.

  1. Strom aus dem Atomkraftwerk ist nicht mehr billiger als der aus Sonnenkollektoren. Foto: dpa

Strom aus neuen Photovoltaikanlagen ist inzwischen billiger als Strom aus neuen Atomkraftwerken. Das räumt die Nuklearwirtschaft indirekt selbst ein: Der französische Energiekonzern EdF hat eine gesetzlich garantierte Einspeisevergütung für Atomstrom in Höhe von 11,5 Cent je Kilowattstunde gefordert. Denn nur damit könnten neue Reaktoren wirtschaftlich betrieben werden, heißt es bei EdF. In Großbritannien plant der Konzern den Bau neuer Atommeiler, und dort will die Regierung das Modell der fixen Einspeisevergütungen, das die erneuerbaren Energien in Deutschland groß gemacht hat, auf die Atomkraft übertragen.

Durch die Forderung der EdF sind nun die Kosten für die Atomkraft dokumentiert. Photovoltaik ist billiger. Neue Solarstromanlagen mit einer Leistung ab einem Megawatt erhalten in Deutschland aktuell nur noch eine Vergütung von 10,25 Cent je Kilowattstunde. Am 1. Oktober wird der Satz gar unter zehn Cent fallen.

Im Vergleich dazu fordert die Atomwirtschaft nicht nur eine höhere Vergütung ein, sondern weitere Privilegien. So besteht die EdF auf einer Laufzeit der garantierten Vergütung von mindestens 35 Jahren, während sie für Solarstrom in Deutschland 20 Jahre lang gewährt wird. Würde man die Vergütung für Atomstrom auch nur für 20 Jahre festschreiben, müsste sie höher liegen als die angesetzten 11,5 Cent, damit sich der Betrieb der Atommeiler rechnet. Dies zu fordern, traut sich die EdF aber offenkundig nicht, denn dann läge sie in Großbritannien über der Schwelle von 100 Pfund pro Megawattstunde, die zu überschreiten als politisch nicht durchsetzbar gilt.

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Einen Inflationsausgleich auf die Vergütung möchte die EdF dennoch obendrauf – auch den gibt es für Solarstrom hierzulande nicht. Kurz gesagt: Die Einspeisekonditionen, wie sie die Photovoltaik in Deutschland derzeit genießt, wären der EdF beim Neubau von Atommeilern offenbar zu lausig. "Die Sonnenstromfirmen sind nicht mehr der Bittsteller Nummer eins in der Energiebranche", resümierte das Manager-Magazin.

Unterdessen bleibt ohnehin die Frage, womit die Atomwirtschaft feste Einspeisevergütungen rechtfertigen will. Denn beim Solarstrom wurden diese als Instrument der Markteinführung geschaffen. Warum aber sollte die Atomkraft nach 50 Jahren noch Markteinführung brauchen?

Bei der Photovoltaik ließ die Förderung den Preis in den vergangenen zehn Jahren aufgrund der Marktexpansion um zwei Drittel fallen. Sogar Kleinanlagen auf privaten Hausdächern erzeugen heute Strom für weniger als 15 Cent je Kilowattstunde. Atomneubauten wurden zugleich immer teurer, die Preise explodierten zuletzt sogar, etwa bei Projekten in Frankreich oder Finnland. Irgendwann mussten sich daher die Preiskurven von Sonne und Atom schneiden. Jetzt ist es offenbar so weit. Nun können neue Atomkraftwerke selbst dann nicht mehr mit dem Solarstrom konkurrieren, wenn man die gesamten Gesundheits- und Umweltrisiken der Atomkraft außen vor lässt.

Erste Betriebe nutzen eigenen Sonnenstrom

Hinzu kommt als Kostenpunkt des Atomstroms, dass dieser stets noch im Land verteilt werden muss, während Solarstrom zumindest teilweise in der Nähe verbraucht werden kann. So ist schon heute für Haushaltskunden der Strom vom eigenen Dach rund zehn Cent billiger als der Strom aus dem Netz. "Es wird wahrscheinlich einen Solarboom 2.0 geben, und zwar, weil der Eigenverbrauch zunehmen wird", sagt daher Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).

Erste Beispiele für den Eigenverbrauch von Solarstrom gibt es auch im Gewerbe. So betreibt eine Brauerei im fränkischen Krautheim seit dem Sommer eine Anlage mit fast 54 Kilowatt auf dem Firmendach, ohne dafür eine Einspeisevergütung in Anspruch zu nehmen. Jede Kilowattstunde aus der Photovoltaikanlage wird direkt im Unternehmen verbraucht, weil der Solarstrom billiger ist als die Energie aus dem Netz.

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Autor: Bernward Janzing