Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

29. März 2014

Sichere Geldanlage

Sparen für Kinder und Minderjährige - worauf Eltern und Großeltern achten sollten

BZ-SERIE (10): Eltern und Großeltern suchen nach einem sinnvollen Sparplan für die Kleinen – was bietet sich an?.

  1. Früh übt sich, wer clever mit Geld umgehen will. Foto: ksi (fotolia.com) (3)

  2. Foto: ksi - Fotolia

  3. Foto: ksi - Fotolia

Eltern werden ist aufregend genug. Wer hat da noch Zeit und Nerven, sich um Behördengänge und Finanzangelegenheiten zu kümmern? Unsere 14-teilige Serie gibt an dieser Stelle jeden Samstag Rat. Damit sich Eltern auf das Wichtigste konzentrieren können – ihr Kind.

Kluge Eltern und Großeltern denken langfristig. Sie überlegen sich nicht nur, was ihren Kindern und Enkeln heute oder übermorgen guttut. Sie fragen sich, was den Nachkommen hilft, wenn sie eine Ausbildung absolvieren oder sich für ein Studium entscheiden. Ein gutes finanzielles Polster sichert ab. Dabei kann schon bei kleinen monatlichen Beträgen im Lauf der Jahre eine stattliche Summe zusammenkommen. Doch wohin mit dem Geld? An Angeboten mangelt es nicht. Im Prinzip stehen Vater, Mutter, Oma oder Opa alle Möglichkeiten offen, die auch für einen langfristig orientierten Sparer infrage kommen. Vereinfacht gesagt gibt es drei Wege, um vorzusorgen:

Die Versicherungslösung
Versicherer bieten Ausbildungsversicherungen an. Im Kern sind diese eine besondere Form der Lebensversicherung, bei der monatlich ein bestimmter Betrag an die Versicherung abgeführt wird. Der Versicherer legt dieses Geld an – zum Beispiel in Staatsanleihen mit sehr geringer Ausfallwahrscheinlichkeit. Es gibt aber auch fondsgebundene Ausbildungsversicherungen (das Geld fließt in Aktien- oder Rentenfonds). Manche Anbieter verknüpfen die Ausbildungsversicherung mit Unfall-, Kranken oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Die Versicherungssumme wird von der Versicherung dann von einem festgelegten Zeitpunkt an gezahlt – zum Beispiel, wenn das Kind 18 Jahre alt wird. Versichert ist das Leben des Beitragszahlers – also Vater, Mutter, Oma oder Opa. Stirbt der Versicherte, springt der Versicherer ein und übernimmt die Beiträge.

Werbung


Je älter der Versicherte, desto geringer ist die Summe, die der Nachwuchs erhält, oder je höher fällt der Beitrag aus, um die anvisierte Summe zu erreichen. Mit höherem Alter steigt das Risiko, dass der Versicherte stirbt. Der Teil des Beitrages, der für die Absicherung dieses Risikos genutzt wird, nimmt zu. Nach Angaben der Zeitschrift Finanztest verweigern Versicherer Großeltern mitunter den Abschluss, weil diese zu alt sind.
Der Banksparplan
Eltern oder Großeltern zahlen monatlich einen bestimmten Betrag auf ein Konto ein, der dann entsprechend den Konditionen der Bank verzinst wird. Die Volksbank Freiburg bietet solch einen monatlichen Sparplan ab einer Mindestsumme von zehn Euro an. Eltern und Großeltern können ihr Geld aber auch monatlich auf ein Tagesgeldkonto überweisen, das mitunter mit einer höheren Verzinsung einhergeht und von zahlreichen Kreditinstituten angeboten wird.

Investmentfondssparplan
Der Investmentfondssparplan funktioniert im Prinzip wie der Banksparplan. Mit dem monatlichen Beitrag wird jedoch der Kauf von Anteilen an Investmentfonds finanziert. Bei Investmentfonds wird das Geld der Anleger in unterschiedliche Aktien (Aktienfonds) oder festverzinsliche Wertpapiere (Rentenfonds) investiert.

Für welchen Weg sollen sich nun Großeltern oder Eltern entscheiden?

Skepsis gegenüber Versicherung
Bei der Ausbildungsversicherung sind sich die meisten Experten einig. Verbraucherschützer und sogar Vertreter der Branche raten vom Abschluss ab. Nils Nauhauser, Geldanlageexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, sagt: "In erster Linie bieten Ausbildungsversicherungen, Generationenpolicen und Co gute Einnahmen, und zwar aus Sicht der Produktanbieter und Verkäufer. Lassen Sie besser die Finger davon." Theo Pischke, Experte bei der Zeitschrift Finanztest, sieht das ähnlich: "Ausbildungsversicherungen sind bequem, aber teuer und unflexibel." Udo Winterhalder, Geschäftsführer des Finanzinstituts GFA in Herbolzheim, das auch Versicherungen vermittelt, sagt: "Solche Versicherungen empfehlen wir nicht."

Felix Hänsler, Leiter der Vorsorge-Abteilung beim südbadischen Versicherungsmakler Südvers, sieht das etwas anders. Wer sehr sicherheitsorientiert sei und sich zutraue, die Beiträge über den langen Zeitraum regelmäßig zu zahlen, sei mit guten Versicherungen nicht schlecht bedient. Er verweist auf ein Angebot des Branchenführers Allianz. Es biete bei einer Laufzeit von 18 Jahren nach Abzug der Kosten und inklusive gesetzlicher Mindestverzinsung und derzeit erwarteter Überschussbeteiligung eine Rendite von zwei bis drei Prozent jährlich. Die Überschussbeteiligung kann höher ausfallen, falls das Zinsniveau wieder ansteigt. Wer jedoch ein höheres Risiko eingehen will und mit Wertschwankungen leben kann, für den sei ein Aktienfondssparplan geeigneter, sagt Hänsler.

Gegen die meisten Versicherungen spricht, dass die relativ hohen Abschlusskosten am Anfang verrechnet werden. Das schmälert die Rendite, weil der Zins- und Zinseszins-Effekt geringer ausfällt, als wenn die Kosten über die Laufzeit gleichmäßig verteilt werden. Hauptkritikpunkt ist jedoch die Unflexibilität: Wer früh kündigt, verliert wegen der Verrechnung der Abschlusskosten viel. Bei einer Beitragsfreistellung erlischt der Todesfallschutz, laufende Gebühren nagen weiter an den eingezahlten Beiträgen.

Die mit der Ausbildungsversicherung verknüpfte Sicherheit kann man mitunter günstiger haben. Junge Eltern können beispielsweise eine preiswerte Risiko-Lebensversicherung über die Höhe der gewünschten Beitragsleistung abschließen. Stirbt der Vater oder die Mutter, kann aus der Versicherungssumme weiter ein Tagesgeldkonto oder ein Banksparplan bedient werden. Geldanlage und Versicherung sind hier getrennt, was Verbraucherschützer Nauhauser begrüßt.

Transparente Banksparpläne
Vorteile der Banksparpläne sind ihre Transparenz und Einfachheit. Die Auszahlungen bei Ende der Laufzeit sind festgelegt, die Verzinsung ist klar. Opis und Omis können ebenso ohne Abschläge einzahlen wie Frischvermählte mit Nachwuchs. Auch der Ausstieg aus dem Banksparplan erfolgt problemlos. Beim Banksparplan der Volksbank gibt es eine dreimonatige Kündigungsfrist. Gehen die Zinsen in die Höhe, können die Anleger umsteigen. Derzeit ist das Zinsniveau zum Ärger der Sparer niedrig. Das lässt sich am Volksbank-Sparplan ablesen: Er bietet bei zehnjähriger Laufzeit eine Rendite von 1,83 Prozent pro Jahr. Von den niedrigen Zinsen sind alle verzinslichen Anlagen betroffen. Wer nun einen Banksparplan wählt, sollte darauf achten, dass die Bank der gesetzlichen Einlagensicherung in Deutschland unterliegt. Sie schützt die Einlagen. Das Gleiche gilt für Banken, die Tagesgeldkonten anbieten. Hier kann der Anleger rasch abziehen, was mehr Flexibilität als beim Banksparplan bedeutet. Allerdings kann sich die Verzinsung der Tagesgeldkonten schnell ändern.

Wert der Fonds schwankt
Sparpläne, bei denen die monatlichen Beiträge in Anteile von Aktienfonds investiert werden, bieten die größten Renditechancen, sagt Fondsexpertin Karin Baur von Finanztest. Allerdings zu einem Preis: Jenes hohe Maß an Sicherheit, das Versicherungen oder Banksparpläne aufweisen, fehlt bei den Investmentfondssparplänen. Im schlimmsten Fall steht Sohn oder Tochter zu Beginn der Ausbildung mit weniger Geld da, als Eltern oder Großeltern eingezahlt haben. Solche Extremsituationen sind jedoch selten und Anleger können etwas dagegen tun. Weil Sparpläne für Kinder über viele Jahre laufen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass erlittene Verluste im Laufe der Zeit wieder wettgemacht werden. Hohe Kursgewinne können auch abgesichert werden. Läuft es an der Börse vor Studien- und Ausbildungsgewinn gut, können die Fondsanteile verkauft und das Geld auf ein sicheres Sparkonto verschoben werden. Allerdings sollten Eltern und Großeltern auch bei Fondssparplänen auf die Kosten schauen: Depotgebühren, Ausgabeaufschläge, Verwaltungskosten oder Performance-Gebühren (sie richten sich nach der Wertentwicklung) zehren an der Rendite. Infos dazu findet man auf dem Beipackzettel, den es zu den Fonds gibt.

Geringe Kosten verursachen die Exchange Traded Funds (ETF). Hier wählt nicht ein hochbezahlter Fondsmanager die Aktien aus, sondern die Investmententscheidung orientiert sich an einem Aktienindex wie dem Dax. Das senkt die Kosten. Im Idealfall spiegelt der ETF also die Zusammensetzung des Dax wider. Für die ETFs spricht, dass sie sich so wie der Index – also der Markt – entwickeln. Den schlägt auf Dauer kaum ein Fondsmanager. Wichtig bei den ETF ist, dass sie tatsächlich auch Aktien enthalten. ETFs arbeiten bisweilen nämlich auch mit Zertifikaten, die an die Stelle der Aktien treten. Zertifikate sind aber Schuldverschreibungen von Banken. Geht die Bank pleite, ist das Zertifikat wertlos. Die Schwierigkeit: Nicht jede Bank bietet die ETF-Sparpläne an. Wer sie unbedingt haben will, muss oft auf Direktbanken ausweichen.

Lesen Sie am kommenden Samstag in

Teil 11 unserer Reihe auf clever LEBEN:

Wie viel Schutz brauchen Kinder? Welche Versicherung nötig ist und welche nicht.
Alle Serienteile finden Sie in

einem Dossier im Internet:
http://mehr.bz/eltern

Autor: Bernd Kramer