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29. April 2017

Verbrauchertipps

Streit wegen eines Amateurfunkers

Das Hobby eines Amateurfunkers stößt den Nachbarn übel auf / Bundesnetzagentur kann keine Verstöße feststellen.

Ein Funkamateur sorgt für Ängste und womöglich auch für Gesundheitsprobleme bei den Nachbarn. Der Zusammenhang zwischen der Strahlenbelastung und den Beeinträchtigungen ist jedoch schwer nachweisbar. Die Netzagentur klärt, ob die Anlagen den Standards entsprechen.

Gute Nachbarschaft war den Familien in der Siedlung eines 10 000-EinwohnerStädtchens im Schwäbischen immer wichtig. "Das klappte auch super", erinnert sich Nicole S. Das Zusammenleben verlief harmonisch, bis sich in einem der Häuser ein neuer Nachbar einmietete. Der Neuankömmling hat ein Hobby, das seit dem vergangenen Herbst für Zwist sorgt. Er ist Amateurfunker und brachte deshalb nach und nach mehrere Antennen auf dem Dach seines Hauses an.

"Als wir alle unsere Bedenken wegen der Strahlung bei ihm kundgetan haben, wies er sie weit von sich", sagt Nicole S. Doch dann bekamen gleich mehrere Angehörige der drei Familien auch gesundheitliche Probleme. "Gliederschmerzen, Kopfweh, Einschlafprobleme", zählt die Leserin auf. Auch schliefen Gliedmaßen häufig ein. Die Symptome traten meist abends auf, wenn der neue Nachbar seinem Hobby nachging. "Es ging los mit Gleichgewichtsstörungen und Schwindel", berichtet ein anderer Nachbar. Das nährte den Verdacht eines Zusammenhangs zwischen der Belastung mit Funkwellen und den Beeinträchtigungen.

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Die Fronten zwischen beiden Seiten blieben jedoch verhärtet. Diese Zeitung fragte daher bei der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (Lubw) nach, ob die Vermutung der Leser zutreffen könnte. Die Behörde hielt dies zunächst für wenig wahrscheinlich. "Das Betreiben einer Sendeanlage ist an Auflagen und Nachweispflichten in Bezug auf elektromagnetische Verträglichkeit gebunden", antwortete das Lubw. Die Grenzwerte würden vor gesundheitlichen Risiken schützen. Vergleichbare Fälle sind den Experten auch nicht bekannt.

In Einzelfällen kann das Lubw allerdings tätig werden und Funkanlagen überprüfen. Das übernimmt in der Praxis die Bundesnetzagentur. Die Anfrage dort brachte einen ersten Erfolg. Die Netzagentur sagte eine Überprüfung der Funkanlagen des Nachbarn zu. In der letzten Aprilwoche erschienen die Fachleute der Behörde in der Siedlung und überprüften die Strahlenbelastung. "Im Rahmen der messtechnischen Überprüfung der Funkanlage in Aulendorf-Münchenreute durch den Prüf- und Messdienst der Bundesnetzagentur wurde die Einhaltung der Grenzwerte zum Schutz von Personen in elektromagnetischen Feldern von Funkanlagen festgestellt", teilte die Behörde nun auf Anfrage mit. Überraschend ist das Ergebnis nicht, schließlich haben die Kontrolleure dem Funker ihre Messung vorher angekündigt.

Die Mehrheit der wissenschaftlichen Studien kommt zwar zu dem Ergebnis, dass die Wellen von Amateurfunkanlagen keine gesundheitlichen Effekte nach sich ziehen. Doch ausschließen mag dies auch niemand. "Kurzwellensender haben teilweise eine hohe Sendeleistung", räumt ein Lubw-Sprecher ein. Allerdings erkannte vor wenigen Tagen ein italienisches Gericht erstmals einen durch Handytelefonate ausgelösten Hirntumor als Berufskrankheit an. Der Kläger war täglich vier Stunden lang der elektromagnetischen Strahlung der Mobilgeräte ausgesetzt. Aber es könnte auch sein, dass die gesundheitlichen Probleme der Familienangehörigen eher psychisch ausgelöst wurden.

Mittlerweile ist jedoch ein zweites Problem entstanden, wie eine andere Anwohnerin schildert. Ihre per Funk gesteuerte Garagentür funktioniere nicht, wenn der Amateurfunker nebenan seinem Hobby nachgehe. Auch dies meldeten die Familien dem Amt. Auch in diesem Fall wurde eine Messung angekündigt, um die Ursache der Störung an der Garagentür zu ermitteln.

Die Belastung durch elektromagnetische Felder besorgt trotz einiger entwarnender wissenschaftlicher Studien viele Bürger. Dabei gibt es verschiedene Strahlenquellen. Die Palette reicht vom Mobilfunk, über das heimische W-LAN, das Babyphon bis hin zum Kurzwellensender der Hobbyfunker. Selbst die Mikrowelle strahlt.

65 000 Amateurfunker waren Ende 2016 bei der Bundesnetzagentur registriert. Starke Anlagen sind meldepflichtig. Wenn es Hinweise darauf gibt, dass die Anforderungen nicht eingehalten werden, nimmt die Behörde Kontrollmessungen vor. Allgemeine Fragen zu den Risiken der elektromagnetischen Felder beantwortet das Bundesamt für Strahlenschutz unter der Internetadresse http://mehr.bz/funk

Autor: Wolfgang Mulke