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30. August 2017

Vor allem Alleinerziehende sind arm

Armutsrisiko in der Bundesrepublik hat sich im vergangenen Jahr nicht verändert.

  1. Arme Socke Foto: dpa

BONN (KNA/BZ). Nach der Veröffentlichung der neuen Armutsgefährdungsquote in Deutschland sind am Dienstag Appelle für eine verbesserte Armutsbekämpfung laut geworden. Das Armutsrisiko liegt im Jahr 2016 mit 15,7 Prozent auf demselben Stand wie im Vorjahr und damit auf dem höchsten Niveau seit der Wiedervereinigung, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden hervorgeht.

Erwerbslose sowie Alleinerziehende und deren Kinder sind demnach besonders bedroht. Auch belegten die Zahlen eine unterschiedliche Armutsgefährdung in den Bundesländern sowie Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Haushalte gelten als von Armut bedroht, wenn sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Medianeinkommen) zur Verfügung haben. Beim Medianeinkommen gibt es genau so viel Haushalte, die mehr verdienen wie solche, die weniger verdienen. Das Medianeinkommen ist aussagekräftiger als das Durchschnittseinkommen.

"Zwar gibt es durchaus positive Entwicklungen in einigen Ländern, vor allem in den Stadtstaaten und in Ostdeutschland, doch sorgt der auffällige Anstieg in einwohnerstarken Flächenstaaten wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen dafür, dass die Armutsquote bundesweit nicht sinkt", sagte der Paritätische Wohlfahrtsverband. Generell hatten laut Daten im früheren Bundesgebiet ohne Berlin 15 Prozent der Bevölkerung ein erhöhtes Armutsrisiko, in den neuen Ländern einschließlich Berlin waren es 18,4 Prozent. Damit war der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland so gering wie nie seit der deutschen Einheit, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) mitteilte.

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Alleinerziehende und ihre Kinder sind den Angaben zufolge überdurchschnittlich armutsgefährdet: 42,4 Prozent im früheren Bundesgebiet und 46,9 Prozent in den neuen Ländern. In dem Zusammenhang macht das IW darauf aufmerksam, dass sich das Medianeinkommen – und damit der Schwellenwert, ab dem man als arm gilt, um um 2,9 Prozent erhöht habe. Da zugleich die Verbraucherpreise 2016 nur um 0,5 Prozent gestiegen sind, konnten sich die Einkommensarmen des Jahres 2016 vermutlich mehr leisten als 2015, vermutet Christoph Schröder vom IW. Er forderte mehr Einsatz für Langzeitarbeitslose, mehr Chancengleichheit durch verbesserte frühkindliche Betreuung und Schulstrukturen sowie spezielle Hilfen für Migranten.

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) verlangte ein erhöhtes Kindergeld für Familien mit kleinen Einkommen. "Kinder dürfen in Deutschland kein Armutsrisiko für ihre Eltern sein", sagte sie. Eltern mit geringeren Einkommen würden steuerlich immer noch benachteiligt. Katrin Göring-Eckardt (Grüne) kritisierte, "die Wahrscheinlichkeit, dass immer mehr Kinder in Armut geraten, ist so groß wie schon lange nicht mehr". Der sozialpolitische Sprecher der Partei, Wolfgang Strengmann-Kuhn, drang auf eine "Kindergrundsicherung, die für alle Kinder gleich hoch ist". Für eine solche Grundsicherung sprach sich auch der Kinderschutzbund als Teil eines elf Verbände umfassenden Bündnisses aus.

Autor: dpa