Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. März 2014 07:22 Uhr

Indischer Ozean

Was sucht Deutschland auf dem Meeresboden?

Der Tiefseebergbau verspricht eine goldene Zukunft. Dabei geht es unter anderem um die Seltenen Erden, die eine strategische Bedeutung haben.

  1. Sieht gar nicht wertvoll aus, ist es aber – eine aufgeschnittene Manganknolle. Sie enthält die Metalle Kupfer, Kobalt und Nickel sowie Spurenmetalle wie Molybdän, die die Elektro- und Computerindustrie benötigt. Foto: dpa

HAMBURG. Die Erde ist zu fast drei Viertel mit Wasser bedeckt; und in mehreren Tausend Metern Tiefe liege n große Schätze verborgen: Erdöl und Gas, in Form von Eis die gewaltige Energiequelle Methanhydrat, die sogenannten Schwarzen Raucher, metallreiche Krusten und Manganknollen mit begehrten Industrierohstoffen. Der Tiefseebergbau verspricht eine goldene Zukunft.

"Es geht um Billionen von Dollar", sagte Christian Reichert vom Rohstoffbundesamt BGR jüngst während der Präsentation des dritten World Ocean Review (WOR) – auch für deutsche Unternehmen. Die maritime Industrie setzt ihre Hoffnungen vor allem auf Seltene Erden. Diese sind zwar längst nicht alle so selten, wie der Name vermuten lässt. Aber Antimon, Germanium und Rhenium – ohne die weder Plasmabildschirme noch Windkraftanlagen laufen, sind für die Bundesregierung "strategische Rohstoffe". Bislang werden sie nur an Land abgebaut, aber der wachsende Bedarf in China, Russland und in Schwellenländern, die steigende Nachfrage durch Neuentwicklungen in den reichen Staaten dürfte über kurz oder lang den Tiefseeabbau wirtschaftlich machen.

Werbung


Die damit verbundenen ökologischen Fragen sind laut World Ocean Review seriös kaum zu beantworten. Frühere Forschungen stellte ausgerechnet die rot-grüne Regierung vor einem Jahrzehnt ein, beklagte im ehemaligen Hauptzollamt Hafen-Hamburg Gerd Schriever vom Forschungsinstitut Biolab. Die Technik erlaubt heute schon punktuelle Ernten am Meeresboden, ist aber für die Tiefsee längst nicht ausgereift. So testet beispielsweise der deutsche Elektroriese Siemens im norwegischen Trondheim die Stromversorgung für Tiefseefabriken. Ab 2020 will der Energiekonzern Statoil Gas- und Ölförderanlagen am Meeresboden bauen. Plattformen über Wasser können Rohstoffquellen bislang höchstens zu 40 Prozent ausbeuten, Tiefseefabriken sollen den Anteil auf 60 Prozent steigern.

Die Entscheidung fällt vor Papua-Neuguinea

Das entscheidende ökonomische Referenzprojekt aus Sicht der Wissenschaftler arbeitet vor Papua-Neuguinea. Der kanadische Multi Nautilus Minerals will dort erstmals Manganknollen industriell ernten. In einem Areal von 1,3 Kilometer Länge und bis zu 200 Meter Breite sollen Gold, Silber, Kupfer und Zink liegen. Zurzeit ruhen die Arbeiten in der Bismarcksee aber aufgrund eines Rechtsstreits mit der Regierung des Pazifikstaates.

Es ist ein Rechtsstreit von globaler Bedeutung. Auf hoher See ist durch das Seerechtsübereinkommen (SRÜ) seit 1982 die Ausbeutung des "gemeinsamen Erbes der Menschheit" nachhaltig geregelt. So müsste der zukünftige Ertrag aus dem Meeresbergbau zur Hälfte an arme Länder fließen. Wirtschaftlich und ökologisch problematischer, so die WOR-Autoren, seien die Küstenregionen wie vor Papua-Neuguinea. 370 Kilometer ragen die "Ausschließlichen Wirtschaftszonen" ins Meer. Verantwortlich allein ist dafür der jeweilige Küstenstaat. Wer das im Konkreten ist, darüber streiten sich beispielsweise sechs Staaten um einige Inseln im südchinesischen Meer, Argentinien gegen Großbritannien um die Falklandinseln – und Großmächte um die Arktis.

Auch in Deutschland deutet sich ein Rohstoffrausch an. Im Januar meldete Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei der Internationalen Meeresbodenbehörde ISA auf Jamaika eine Lizenz zur Erkundung von Massivsulfiden auf dem Tiefseeboden des Indischen Ozeans an. Die beantragte Lizenz sei für den Standort Deutschland zweifach von Bedeutung: Als "neue Quellen" für Hochtechnologierohstoffe und als "starker Impuls" für den Maschinen- und Anlagenbau. Die Schatzsuche in der Tiefsee hat begonnen.

Autor: Hermannus Pfeiffer