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14. April 2017 14:29 Uhr

Offshore-Projekt braucht keine Subventionen

Windstrom kommt ohne Förderung aus

Die Förderung für Strom aus Windparks auf See wird künftig sehr viel niedriger ausfallen. Einige Betreiber sind überzeugt, dass sie ganz ohne Subventionen auskommen können.

  1. Nach Ansicht der EnBW braucht Offshore-Windstrom keine Förderung mehr. Foto: DPA

So hat die EnBW den Zuschlag für ihr Nordsee-Projekt He Dreiht mit einer Leistung von gut 900 Megawatt (MW) erhalten, weil das Unternehmen bei der Auktion komplett auf eine EEG-Förderung verzichtet hat. Dass ein Investor bei dem milliardenschweren Bau eines Hochseewindparks auf staatliche Fördermittel verzichtet, hat es weltweit bislang noch nirgends gegeben.

Auch Dong Energy bekommt bei seinen Nordsee-Vorhaben Borkum Riffgrund II und OWP West keine Subventionen, beim Gode Wind 3 Projekt fließen sechs Cent je Kilowattstunde. Nach einer Mitteilung der Bundesnetzagentur ist das der höchste Gebotswert, der einen Zuschlag erhalten hat. Mit solchen niedrigen Preisen hatte kein Branchenexperte im Vorfeld der Ausschreibung für die Windkraftwerke auf See gerechnet.

"Das Ausschreibungsverfahren hat mittel- und langfristige Kostensenkungspotenziale freigesetzt, die zu einer in diesem Umfang nicht erwarteten Senkung der Förderung führen werden." Jochen Homann, Chef der Bundesnetzagentur
Allerdings ist dieser Einspeisepreis unter politischanderen Rahmenbedingungen entstanden. Bei den Debatten um die EEG-Reformen 2012 und 2014 legte die Bundesregierung großen Wert darauf, Investitionsanreize zu geben, da der Bau von Offshore-Windparks nur äußerst schleppend voran kam.Die Ausschreibung ist ein Ergebnis der vorerst letzten Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und löst die bisherigen Fördermodelle ab. Wer den niedrigsten Preis bietet, also die geringste Förderung fordert, erhält bei den Erneuerbaren-Energien-Vorhaben den Zuschlag.

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Die vorliegenden, niedrigen Preise haben auch Bundesnetzagentur-Präsident Jochen Homann überrascht:: "Mit 0,44 Cent pro Kilowattstunde liegt der durchschnittliche gewichtete Zuschlagswert weit unterhalb der Erwartungen. Das Ausschreibungsverfahren hat mittel- und langfristige Kostensenkungspotenziale freigesetzt, die zu einer in diesem Umfang nicht erwarteten Senkung der Förderung führen werden." Insgesamt hat die Bonner Behörde in der ersten Ausschreibungsrunde 1490 der möglichen 1 550 MW Offshore-Windenergieleistung vergeben. Damit kann bei der zweiten Ausschreibungsrunde in einem Jahr um ein Volumen von 1 610 MW geboten werden.

Die Entwicklung in Deutschland setzt einen Trend fort, der schon in den Niederlanden und Dänemark zu beobachten war: Dort purzelten die Preise mit 4,99 Cent (Kriegers Flak) und 5,45 Cent (Borssele 3 + 4) auf ein Niveau, das vor zwei Jahren noch als unvorstellbar galt.

Da das He Dreiht-Projekt erst im Jahr 2025 seinen Netzanschluss erhält, wird das EnBW-Management Offshore-Windtubinen mit mehr als 10 MW Leistung einsetzen. Von diesen Megaanlagen erhofft sich die Offshore-Windbranche eine Senkung der Produktionskosten. Die EnBW rechnet mit einer Rendite, "die deutlich über unseren Kapitalkosten liegt und damit attraktiv ist."

Auch wenn He Dreiht erst in acht Jahren am Netz sein wird, wird das Ausschreibungsergebnis die Bundesregierung schon jetzt beschäftigen. "Wenn Strom aus der Nordsee demnächst keine staatliche Förderung mehr braucht, gibt es kein Argument mehr, den Ausbau zu deckeln", sagt Ronny Meyer, Staatssekretär im Bremer Umweltsenat. Die schwarz-rote Bundesregierung hatte mit der EEG-Reform den Ausbaudeckel für den Windstrom vom Meer mit einer Leistung von 15 000 MW bis zum Jahr 2030 wie schon in der EEG-Reform 2014 festgezurrt.

Steigen die Großhandelspreise für Strom oder nicht?

Patrick Graichen von der Stiftung Agora Energiewende sieht aber Risiken. "Die Bieter gehen davon aus, dass die Strompreise am Großhandelsmarkt deutlich steigen. Dazu wird es jedoch nur kommen, wenn Kohlekraftwerke vom Markt gehen und überdies die Zertifikate für Treibhausgasemissionsrechte teurer werden und die Strompreise tatsächlich steigen. Falls nicht, werden sie die Windparks trotz des Zuschlags wahrscheinlich nicht bauen." Die EEG-Umlage, mit der die Energiewende teilweise finanziert wird, ist von 3,5 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2012 auf 6,88 Cent gestiegen. Um den Anstieg der Strompreise zu vermindern, hat die Bundesregierung den Ausbaupfad für die Offshore-Windenergie gedeckelt.

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Autor: Ralf Köpke,dpa