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16. Juni 2009

Umstrittenes Fahrsilo ist abgerissen

Auf dem Hof von Eugen Lorenz in Wittnau wurden gestern auf Anordnung des Landratsamtes die Bagger tätig

WITTNAU. Gestern war der Bauernhof der Familie Eugen Lorenz Schauplatz eines Polizeiaufgebots. Die Polizisten aus dem Posten Ehrenkirchen begleiteten den Abbruch des ungenehmigt errichteten Fahrsilos auf dem Hofgelände, "um den Widerstand zu beseitigen", erklärt einer der Beamten von der Freiburger Gerichtsvollzieheraufsicht. Denn am Montag sollte vollzogen werden, was der Verwaltungsgerichtshof Mannheim angeordnet hatte.

Widerstand leisteten die Mitglieder der Familie Lorenz tatsächlich. Die Mitarbeiter der vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald beauftragten Baufirma sahen sich am frühen Morgen derart bedroht, dass ihr Chef sie abrücken ließ. Eugen Lorenz geriet derart in Aufregung, dass ein Notarzt gerufen wurde. Er zog sich darauf hin zurück.

Die Beamten riefen ein zweites Bauunternehmen. Das schickte am Nachmittag einen Bagger, um die 2,50 Meter hohen Betonwände des rund 30 Meter langen Fahrsilos einzureißen. Gegen halb eins startete ein Betonschneider mit dem Abbruch. Der Aktion war noch einmal ein mehrtägiges Scharmützel vorausgegangen. Eugen Lorenz hatte eine Klage gegen die Vollstreckung eingereicht und einstweiligen Rechtsschutz dazu beim Verwaltungsgericht Freiburg beantragt. Beides wurde jedoch zurückgewiesen. "Am Freitag war diese Meldung bei uns eingegangen, worauf wir den Abbruch auf heute früh 8.30 Uhr angeordnet haben", so Baudezernent Franz Lögler vom Landratsamt, der selbst nach Wittnau gekommen war. Auch ein nochmaliges Fax der Familie Lorenz von Montag früh mit der Bitte, die Vollstreckung doch noch auszusetzen, blieb wirkungslos. "Es wurde genug geredet und verhandelt. Jetzt ist ein Endpunkt erreicht", sagte Lögler. Um den zwangsweisen Abbruch zu verhindern, habe seine Behörde noch im Februar dieses Jahres angeboten, der Landwirt könne das Silo selbst entleeren und solle das seit zwei Jahren geforderte Gesamtgutachten über den Betrieb erstellen lassen, auf dessen Grundlage sich weitere Entscheidungen treffen ließen.

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Dass ein betriebliches Gutachten eingereicht werden solle, um zumindest die illegal errichteten Stallgebäude im Nachhinein genehmigen zu können und um im Außenbereich einen Standort für das Fahrsilo zu finden, war unter anderem das Ergebnis eines Vergleichs, den Anwohner, Landratsamt und Eugen Lorenz bei einer Vor-Ort-Verhandlung des Verwaltungsgerichtshofes im Oktober 2007 geschlossen hatten. Ein Silo dient in einem landwirtschaftlichen Betrieb dazu, gehäckselten Grünmais oder Gras einzulagern.

Am Montag war das umstrittene Silo tatsächlich leer und Johannes Lorenz, Sohn des Beklagten, der Ansicht: "Das muss der Behörde doch genügen. Es ging immer um die Emissionen, die von dem Silo ausgehen. Jetzt ist es leer. Es muss nicht abgerissen werden, wir könnten die Betonfläche als Stellfläche für Maschinen und Anhänger nutzen."

Unterstützt sah sich die Familie Lorenz von Gernot Hofmann, der von sich sagte, er sei Wittnauer Bürger und Berater der Landwirtsfamilie, und von dem Weingutswinzer Eckhard Todt aus Staufen, der sich als "solidarischer Mitstreiter" bezeichnete. Hofmann kritisierte: "Es wird hier vor Ort entschieden, was abgerissen wird. Das müsste das Gericht abgrenzen." Und aus den Beiträgen Eckhard Todts war herauszuhören, dass er die Familie Lorenz als Opfer eines generell auf "Gängelung ausgerichteten Behördenapparats" sieht.

Franz Lögler und die Vollstreckungsbeamten ließen sich von ihren Argumenten nicht beeindrucken. "Wir haben Angebote gemacht und wurden zurückgewiesen", sagte Lögler. Mit dem Abbruch des Fahrsilos setzte die Baurechtsbehörde jedenfalls einen Schlusspunkt unter eine sieben Jahre dauernde Auseinandersetzung, die nach dem Wiederaufbau des 2001 abgebrannten Rinderstalles der Familie Lorenz begonnen hat.

Autor: Silvia Faller