Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

28. Januar 2017

Wo Hunde auf Station erwünscht sind

Hundesportverein Zell-Weierbach organisiert Besuchshunde in der Psychiatrie / Kinder helfen Kinder und Badische Zeitung unterstützen.

  1. Sie helfen heilen (v. li.): Inge Grund mit Besuchshund Caya, Cornelia Grass (Mediclin), Rudi Gruber mit Luna („Helfer auf vier Pfoten“), Nadine Klingbeil mit Asami (Hundesportverein Zell-Weierbach, HSV), Astrid Zimmerlin (Mediclin), Eberhard Killius mit Tara (HSV), Karlheinz Schneiderchen (Mediclin), Vanessa Heizmann (Kinder helfen Kindern), Martina Fahrländer (Badische Zeitung), Sandra Uhl (Mediclin) mit Money, Patricia Hansert mit Bente. Foto: rob

OFFENBURG. "Das Mitbringen von Tieren ist verboten." So steht es auf einem Schild im Eingangsbereich der Mediclin-Klinik an der Lindenhöhe in Offenburg, ein psychiatrisches Fachkrankenhaus. Trotzdem tummeln sich dort Hunde – und zwar keine Schoßhunde, sondern ordentliche Brocken wie die Berner Sennenhündin Caya, der Labrador Asami, der Boxermischling Tara oder Luna, ein Golden Retriever.

Sie und ihre Herrchen respektive ihre Frauchen sind ehrenamtlich dort. "Tiere helfen Menschen" heißt dieses spezielle therapeutische Angebot. Die Besuchshunde besuchen die Kinder- und Jugendstation sowie die Erwachsenen der Stationen mit traumatisierte Patienten oder mit Depressionen. Kontakt mit Tieren hilft, Vertrauen, Selbstvertrauen und Kontakt zu anderen zu finden oder wiederzufinden. Die Badische Zeitung unterstützt dieses Anliegen mit einer Spende von 2000 Euro. Am Mittwoch übergab Martina Fahrländer vom BZ-Kundenservice den Scheck an Karlheinz Schneiderchen, kaufmännischer Direktor von Mediclin.

"Viele unserer Leser spenden in ihrer Urlaubszeit ihr BZ-Abonnement einer sozialen Einrichtung, die so für drei oder vier Wochen in den Genuss der Badischen Zeitung kommt", erläutert Martina Fahrländer. Diesen Lesern wird vom Verlag ein kleines Geschenk angeboten. Fahrländer: "Etliche verzichten jedoch darauf. In diesem Fall überweisen wir den Gegenwert an den Verein Kinder helfen Kindern." Dessen Gründung geht auf eine Initiative der BZ zurück. "Die wichtigste Einnahmequelle neben Spenden ist unsere Weihnachtskarten-Aktion", erklärt Vanessa Heizmann. Kinder malen Weihnachtskarten, die zum Beispiel über die BZ-Geschäftsstellen verkauft werden. Spenden und Erlöse kommen kranken oder behinderten Kindern zugute.

Werbung


In diesem Fall sind das die Patienten der Kinder- und Jugendstation der Klinik an der Lindenhöhe. Cornelia Grass, die an der Klinik das Projekt "Besuchshunde" betreut, spricht von spürbaren Erfolgen. Sie erzählt von einem autistischen Mädchen, das kaum sprach, doch über den Kontakt zu ihrem Besuchshund Selbstvertrauen aufbaute und von Treffen zu Treffen aufgeweckter und mutiger wurde. "Sie gibt dem Hund mittlerweile selbständig Befehle, wie Sitz oder Platz." Bei anderen Therapieverfahren habe sie kaum Fortschritte gemacht. "Selbstverständlich gibt es immer wieder Kinder, die anfangs zurückhaltend oder gar ängstlich sind", sagt Cornelia Grass. Schließlich handelt es sich bei Asami, Tara oder Luna, wie gesagt, um ordentliche Brocken. Doch schwinde diese Zurückhaltung rasch. Auch auf ausgewählten Erwachsenenstationen werden die Hunde eingesetzt. Laut Stationsleiterin Sandra Uhl sind die Reaktionen von traumatisierten Menschen oder solchen mit affektiven Störungen wie etwa Depressionen hier ebenfalls positiv. Auch hier verbessere sich das Vertrauensverhältnis zwischen Mitarbeitern und Patienten. "Das hat damit zu tun, dass die Hunde ein wichtiges Gesprächsthema sind."

Das stellen auch die Hundeführer vom Hundesportverein Zell-Weierbach und "Helfer auf vier Pfoten" fest, die den Besuchsdienst ehrenamtlich organisiert. Häufigste Fragen der Kinder seien die Klassiker: Wie der Hund heißt, was es für eine Rasse ist, ob er beißt, was er frisst, wie alt er ist – und natürlich, ob man ihn streicheln darf oder ob sie beim Spaziergang die Leine halten dürfen, erzählen Nadine Klingbeil, Patricia Hansert und Eberhard Killius. Nebenbei entstehe auch zwischen ihnen und den Patienten ein Kontakt. Sie besuchen wie drei weitere Hundeführer regelmäßig die Klinik. Dass die Hunde gehorchen, sei selbstverständlich Voraussetzung. Wichtig sei jedoch auch, dass es sich um ausgeglichene Tiere handele. Mit der Spendensumme soll Spielzeug besorgt werden, damit die Patienten mit den Tieren spielen können. Und auf jeden Fall wird auch das eine oder andere Hundeleckerli herausspringen.

Autor: Robert Ullmann