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29. Juli 2011
Wo Riesen Laternen ins Gras stellen
Beobachtungen und Atmosphäre im Rosenfelspark beim ersten dortigen "Stimmen"-Konzert für dieses Jahr.
LÖRRACH. Die Stimmen-Konzerte im Rosenfelspark verbinden in ihrer ganz eigenen Stimmung die Atmosphäre eines romantischen Parks und das Musikerlebnis. Wer am Mittwochabend, dem ersten Konzert von "Stimmen" 2011 im Rosenfelspark, offen für solche Beobachtungen war, der konnte das wieder erleben.
Es sieht aus, als hätte ein Riese versehentlich Laternen im Gras stehen lassen- die leuchtenden spitz zulaufenden Zelte, die während den Rosenfelskonzerten die Gastronomie beherbergen, haben wahrlich etwas Zauberhaftes an sich. Wie auch sonst die Konzertreihe im Grünen, die seit jeher das Stimmen-Festival abschließt, eine ganz besondere Atmosphäre innehat, die sie zum stillen Höhepunkt für viele Stimmen-Besucher macht, die den ruhigeren Musikgenuss der Feierlaune der Marktplatzkonzerte vorziehen.Doch was macht ihn aus, diesen Hauch Magie, der den tagsüber kinderwagen- und spaziergängerbevölkerten Rosenfelspark des Abends in eine Oase der Wohlklänge verwandelt? Ganz sicher spielt die schöne Parkkulisse eine große Rolle, vielleicht sind es besonders die großen, von Scheinwerfern indirekt beleuchteten Bäume, die den Platz vor der Bühne umgeben, ihn abschirmen vom Rest der Welt und ihm eine inselgleiche Ausstrahlung verleihen. An diesem Eröffnungsabend füllt das Publikum die Sitzreihen bis ganz hinten. Man lauscht den Gesängen des korsischen Ensembles "Barbara Fortuna": Die vier Sänger erzeugen mit ihren so verschiedenen Stimmen in ihrer sakralen Schlichtheit schöne Harmonien, durchzogen mit komplexen Melodiesträngen in einer charakteristischen vibrierenden Singweise, dem beinahe vergessenen Wortlaut der korsischen Sprache haftet etwas Mystisches an. Man muss sich einlassen auf die korsische Polyphonie, um ihre Intensität zu erfassen. Das Publikum hört konzentriert zu, ein paar Raucher stehen hinten an den Stehtischchen und blasen versonnen Rauchschwaden in die Luft. Als zwischendurch der Perkussionist der zweiten der eigentlich getrennt auftretenden Formationen "Constantinople" alleine spielt und seine Hände wie flatternde Vögel über das Trommelfell seiner Handtrommel gleiten lässt, ist es so still, dass man im Hintergrund die Grillen zirpen hört. Momente wie dieser sind es, die den Auftritten im Rosenfelspark ihre Besonderheit geben, wie man sie an großen Festivalbühnen in solcher Form wohl sehr selten findet.
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Als das Konzert zu Ende ist, brauchen die Zuhörer ein Weilchen, um die Wirkung der Musik abzuschütteln.Erst nach einer Weile fängt der Applaus an, stärker zu werden. Auch bei den Musikern selbst scheint der Abend bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben: "On vous remercie infiniment", sagen sie zum Abschied, "wir bedanken uns tausend Mal". Ohne viel zu reden, so als wolle man das Gehörte noch ein wenig nachklingen lassen, bewegen sich die meisten anschließend in Richtung der Laternenzelte, um bei Kerzenschein noch beisammen zu sitzen.
Aus den Lautsprechern vor der Bühne dringt jetzt spanische Gitarrenmusik, leise Gespräche stellen sich ein. Auf einmal kommen auch die korsischen Sänger hinzu, sie stellen sich an einen Tisch und bestellen Getränke. Wie sie dort so um den Tisch versammelt sind, beginnen sie plötzlich wieder zu singen, einfach so, a capella, für sich selbst und die Umstehenden, die näher und näher rücken und sich um sie herum verteilen. Während die anderen Sänger die Lücken schließen, bis sie sich gegenseitig ins Gesicht schauen können, legt Maxime Merlandi, wie zuvor auf der Bühne, die Hand ans rechte Ohr, schließt die Augen und scheint in sich herein zuhören. Dann stimmt er ein in die Stimmen, mit seinem schönen Vibrato.
Autor: Dilbahar Askari


