Reiche Ernte in der Ortenau

Wohin mit den ganzen Äpfeln in diesem Jahr?

Theresa Steudel

Von Theresa Steudel

Di, 04. September 2018 um 17:30 Uhr

Lahr

Die vollbehangenen Apfelbäume sind in diesem Sommer nicht zu übersehen. Die BZ hat nachgefragt, wie es um Bäume und Äpfel steht und was man macht, wenn im eigenen Garten zu viele liegen.

Wer in den vergangenen Tagen durch die Ortenau gefahren ist, dem werden die vollbehangenen Apfelbäume wohl aufgefallen sein. Die BZ hat bei Landwirten, Fruchtsaftherstellern und beim Landratsamt nachgefragt, wie es um die Apfelbäume steht und was man macht, wenn im eigenen Garten zu viele Äpfel liegen.

Warum gibt es in diesem Jahr so viele Äpfel?

"Es war einfach ein guter Zeitpunkt vom Wetter her", sagt Bernd Schmieder vom Schmiederhof auf dem Langenhard. Er hat um die 40 Apfelbäume auf seiner Streuobstwiese. Kein Frost im April und viele sonnige Tage den Sommer über sorgten dafür, dass nahezu alle Blüten bestäubt wurden und seine Apfelbäume nun schwere Last tragen. Durch kräftiges Schütteln seien schon vor der Ernte einige Äpfel heruntergekommen.

Aus dem Streuobst macht der Schmiederhof vor allem Apfelsaft und -most sowie Schnaps. "Die Äpfel haben durch die Trockenheit wenig Flüssigkeit, sind aber sehr süß", sagt Schmieder, dadurch eignen sie sich besonders gut fürs Schnapsbrennen. "Aber wenn sie reif sind, kann man natürlich auch herzhaft reinbeißen."

Reif sind Äpfel übrigens nicht unbedingt dann, wenn sie vom Baum fallen, das kann auch der sogenannte Vorreifefruchtfall sein. Wenn sich der Apfel leicht vom Zweig löst oder sich die Kerne von weiß zu braun färben, ist das ein gutes Zeichen für den Reifegrad. Unterschiedliche Arten haben zudem unterschiedliche Reifezeiten. Manche Sorten müssen im Lager noch nachreifen, um die Säure abzubauen.

Gehen die Bäume derzeit unter der Last kaputt?

Ja, sagt Heidrun Holzfäller von der Beratungsstelle für Obst- und Gartenbau beim Landratsamt. Immer wieder sehe sie Bäume, die unter ihrer Last brechen. Voraussetzung dafür sind laut Holzfäller verschiedene Faktoren: Die brechenden Hauptäste hätten häufig ohnehin Schwachstellen, durch Risse oder Fäulnis. Hinzu komme die Last des diesjährigen Ertrages. Viele Kronen seien zudem nicht geschnitten und verwachsen sich immer mehr. Und die Trockenheit der vergangenen Monate sorge dafür, dass Wasserströme im Baum abreißen.

Sollten Äste zu brechen drohen, empfiehlt Holzfäller, diese vorerst zu stützen. Erst nach der Ernte, bei Winteranfang, sollten die Bäume geschnitten werden. Alte Äste ausschneiden solle man ohnehin regelmäßig. Das verhindere auch, dass Holzpilze den Baum befallen, die besonders gut über große Wunden eindringen – wenn also viel geschnitten wurde. Je regelmäßiger der Schnitt, um so kleiner die Wunden.

Anders verhält es sich bei den Blatt- und Fruchtpilzen. Diese befallen den Baum jedes Jahr, vor allem bei Feuchtigkeit im Frühling, zerstören ihn aber nicht. Aus den Knospen würden im kommenden Jahr wieder gesunde Blätter wachsen, so Holzfäller. Mehr Infos zum Baumschnitt gibt es beim Landratsamt.

Zu viele Äpfel im eigenen Garten?

Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Ortenaukreises rät, Fallobst in kleineren Mengen im Hauskompost zu entsorgen, insofern einer vorhanden ist. Größere Mengen sollten in zeitlichen Abständen nach und nach aufgebracht und die einzelnen Lagen möglichst mit anderen pflanzlichen Abfällen, Kompost oder Erde abgedeckt werden.

Bei den Grünabfallsammelstellen im Ortenaukreis darf Fallobst allerdings nicht angenommen werden, da die daraus entstehenden Sickersäfte auf den Sammelstellen zu Bodenbelastungen führen können, erklärt Abfallberater Johann Georg Kathan in einer Pressemitteilung des Landratsamts. Als Alternative empfiehlt er, Fallobst über die Graue Tonne oder Rote Zusatzmüllsäcke zusammen mit dem Hausmüll zu entsorgen. Die Zusatzmüllsäcke gibt es im Bürgerbüro, ein 50-Liter-Sack kostet 3,30 Euro.

Der Inhalt der Grauen Tonne wird in der Mechanisch-Biologischen-Abfallbehandlungsanlage in Ringsheim verwertet. Auf diese Weise kann aus dem Fallobst und anderen organischen Abfällen Biogas erzeugt werden, das im eigenen Blockheizkraftwerk vor Ort zur Strom- und Fernwärmeerzeugung genutzt wird. Öffnungszeiten und Kontaktdaten aller Kompostierungsanlagen sind auf der Webseite der Abfallwirtschaft zu finden.

Wie läuft es im Fruchtsaftbetrieb?

Die Fruchtsaftkelterei Fürle in Schwanau nimmt seit dem 23. August Äpfel an und hat innerhalb der ersten Woche knapp 200 000 Liter Apfelsaft aus rund 300 Tonnen Äpfeln hergestellt. "Das ist viel, klar", sagt Esther Fürle. Dieses Jahr sei, vor allem im Vergleich zum vergangenen, besonders ertragreich. Die Fruchtsaftmeisterin bittet aber darum, deshalb nicht gleich alle Äpfel vom Baum zu holen. "Erst wenn sie reif sind. Und das sind sie dann, wenn man rein beißt und der Apfel gut schmeckt."

"Es besteht kein Grund zur Panik, jeder wird seine Äpfel in diesem Jahr los werden." Esther Fürle
Wer bei der Fruchtsaftkelterei Äpfel abgibt, erhält für 100 Kilogramm derzeit sieben Euro in bar, acht Euro als Warengutschein oder 60 Liter Saft. "Gegen Ende der Saison steigen die Preise in der Regel nochmal", sagt Esther Fürle – auch das spricht dafür, die Äpfel bis zur Reife hängen zu lassen. Verfaultes oder nicht reifes Obst nimmt das Unternehmen nicht an.

"Es besteht kein Grund zur Panik, jeder wird seine Äpfel in diesem Jahr los werden", betont Esther Fürle. Mit der Qualität ist sie bisher zufrieden – sie könne aber nur noch besser werden.

Sind die Tafeläpfel auch betroffen?

"Wir freuen uns über eine gute Ernte", sagt Wendelin Obrecht, Vorstand vom Obstgroßmarkt Mittelbaden in Oberkirch. Von einer Apfelschwemme könne aber keine Rede sein. Denn im Gegensatz zum Streuobst seien die Tafeläpfel von einer alternierenden Ernte, und damit von Jahr zu Jahr zum Teil starken Schwankungen, nicht betroffen.

2019, erklärt Obrecht, werde es weniger Streuobst geben, weil die Bäume in diesem Jahr überlastet seien. Beim Tafelobst werden die zu vielen Früchte runtergeholt – das geht bei den kleinen Bäumen, in Plantagen angebaut, viel leichter, meint Obrecht. Auch von der Trockenheit seien die Tafeläpfel nicht belastet. Durch die zahlreichen Bewässerungsanlagen seien die Pflanzen gut versorgt gewesen. Die kräftige Sonne werde sogar für "überdurchschnittliche Qualitäten" sorgen.

Die Ernte der Tafeläpfel in der Ortenau ist schon mitten im Gange. "Das ging dieses Jahr zwei bis drei Wochen früher los", sagt Obrecht. Mit den Sorten Elstar und Gala sei man schon fertig, sogar mit dem Jonagold-Apfel, der eigentlich erst im Oktober geerntet wird, könne man bald beginnen. Trotz der laut Obrecht sehr guten Qualität werde der Apfelpreis, vor allem im Vergleich zur kleinen Ernte vom vergangenen Jahr, wohl sinken.

Momentan, kritisiert der Vorstand des Obstgroßmarkts, könne der Verbraucher aber gar nicht von den Äpfeln der Region profitieren, denn noch würden vor allem Apfelsorten aus Italien angeboten werden. Der Einzelhandel, so Obrecht, solle zumindest dafür sorgen, dass der Verbraucher zwischen regionalem und Apfel aus dem Ausland entscheiden kann.