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11. Januar 2015 14:39 Uhr

Nachruf

Trauer um Naturschützer und Atomkraftgegner Meinrad Schwörer

Abschied vom großen alten Mann des Wyhl-Protests: Meinrad Schwörer ist tot. Der engagierte Naturschützer und Pionier der Anti-Atomkraftbewegung aus Wyhl starb am Samstag im Alter von 83 Jahren.

  1. Meinrad Schwörer (83), Wyhl-Veteran und engagierter Naturschützer, ist gestorben. Das Foto entstand 2011 zu seinem 80. Geburtstag. Foto: Archivfoto: Hans-Jürgen Truöl

Mit ihm verliert die Region fast genau 40 Jahre nach der Erteilung der Baugenehmigung für das Atomkraftwerk Wyhl einen großen alten Mann des letztlich erfolgreichen Widerstands gegen dieses Vorhaben. "Meinrad Schwörer war schon bei der Besetzung des Bauplatzes in Marckolsheim dabei und ein wichtiger Anti-Atom-Aktiver, was für einen Wyhler Bürger damals nicht immer ganz einfach war", betont Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer, Grünen-Kreisrat und langjähriger Freund und Weggefährte von Schwörer, in seinem Nachruf.

Fotograf des Wyhler Widerstands

Schwörer habe die frühen Proteste der Umweltbewegung auch mit seiner Kamera begleitet und einige seiner vielen damaligen Fotos wurden gerade in diesen Tagen im Jahrbuch des Landkreises Emmendingen, in den "37 Wyhl-Geschichten", veröffentlicht. Es enthält auch Schwörers aufschlussreiche persönliche Lebenserinnerung, die mit dem Zitat "Der Krieg, der über uns geht" betitelt ist.

Schwörer sei aber viel mehr gewesen als ein "Aktiver", mehr als der Mitstreiter der Bürgerinitiativen und eines der frühen Mitglieder von BUND und Grünen, betont Mayer. Es gebe vermutlich wenige Menschen, die ihre Heimat, ihren Wald mit allen Tieren und Pflanzen und die kleine Schöpfung vor der eigenen Haustür so kannten und liebten wie er. Mayer: "Auf manche Menschen wirkte Meinrad wie ein südbadischer Indianer, ein kluger, südbadischer Ureinwohner, und er hatte auch gute und freundschaftliche Kontakte zu den echten Indianern, die ab und zu im Wyhler Wald dabei waren."

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Klartext im heimischen Dialekt

Meinrad Schwörer habe es verstanden, seine Ängste, Befürchtungen und Sorgen um die gefährdete Natur am Oberrhein, aber auch seine Hoffnungen im schönsten alemannischen Dialekt auszudrücken und beeindruckende, aufwühlende Reden in der Sprache seiner Heimat und seines Dorfes zu halten – in einem Dialekt, der in den frühen Kämpfen für Mensch, Natur und Umwelt am Oberrhein auch im Elsass und der Schweiz gut verstanden wurde.

Für Mayer war Schwörer "ein weltoffener Regionalist und Europäer, der die trennenden europäischen Grenzen nicht akzeptierte." Die Atomkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima bestätigten seine frühen Sorgen, er litt unter der zunehmenden Naturzerstörung am Oberrhein. Schwörer richtete 1971 den Wyhler Naturlehrpfad ein, gründete die Schwarzwaldvereins-Ortsgruppe und machte seine Berufung als Naturschützer zum Beruf, nachdem ihn sein Kampf gegen die Atomkraft in Konflikt mit seinem Arbeitgeber, der Gemeindeverwaltung Wyhl, gebracht hatte. 1978 entstand in Wyhl die "Demokratische Bürgervereinigung", für die Schwörer 15 Jahre lang im Gemeinderat mitarbeitete.

Am liebsten allein in der Natur

"Er konnte, wenn es unbedingt sein musste, Reden halten, war aber lieber alleine in den Wäldern am Rhein, den Orchideenwiesen des Kaiserstuhls oder bei seinen Apfelbäumen", schildert Mayer seinen Freund. Schwörer erlebte nicht nur das Ende der Atomkraftwerkspläne im Wyhler Wald, sondern auch, was sich aus dem Widerstand im badisch-elsässisch-schweizerischen Dreiländereck entwickelte. Dass der Wyhler Wald 1995 unter Naturschutz gestellt wurde, ist nicht zuletzt sein Verdienst.

Nach mehreren Schlaganfällen in den letzten Jahren fiel ihm das Gehen zunehmend schwerer.

Meinrad Schwörer wird am Mittwoch, 14. Januar, auf dem Wyhler Friedhof beerdigt, nicht weit entfernt von seinen so geliebten Wyhler Rheinauen. Das Seelenamt beginnt um 14 Uhr in St. Blasius.

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Autor: BZ