TA: "Ölfte Ölfte" – wenn de Hürus abe chunnt, vo de Burg in Altestei

Uli Merkle

Von Uli Merkle

Mi, 09. November 2016

Zell im Wiesental

Gedanken zum traditionellen Eröffnungsabend der Zeller Fasnacht 2017 mit dem Erscheinen des neuen Hürus am kommenden Samstag, 12. November .

ZELL. Es ist kalt hoch oben über dem Angenbachtal. Saukalt und es regnet fast ohne Unterlass. Die Fenster seiner Burg hat er mit alte Lümpe etwas abgedichtet. Aber eineweg, es zieht überall im alten Gemäuer. Hier oben in der Abgeschiedenheit der Burg Altenstein hat er wenigstens seine Ruhe. Die Ruhe, die er jetzt braucht, um sich für seine Regentschaftszeit vorzubereiten.

Denn am kommenden Samstag ist es endlich soweit: Da wird er als Hürus der Zeller Fasnacht 2017 am traditionellen Ölfte Ölfte einmarschieren. Einmarschieren in die bunte Atmosphäre der Zeller Fasnacht. Die Fasnachtsaison 2017 wird seine Fasnacht sein. Die letzten Tage in Zell waren ein Spießrutenlauf für ihn gewesen. Er musste sich an etlichen Diskussionen beteiligen, beziehungsweise versuchen, diesen aus dem Weg zu gehen. Diskussionen, die sich in Zell in diesen Tagen nur um ein Thema drehen: Wer wird Hürus?

Da ist es schwierig dicht zu halten, sich nicht zu verplappern oder sich sonst irgendwie verdächtig zu machen. Hier oben hat er alles gut vorbereitet. Das Zepter liegt parat, der Hut passt, die Ansprache an das Narrenvolk steht. Und so ganz langsam beginnt es, in ihm als alten Fasnächtler zu pfupfe. Ein Gefühl, dass jeder rechte Fasnächtler kennt. Ein Gefühl, das sich regelmäßig dann einstellt, wenn die Tage kürzer und das restliche Laub von den Bäumen gefegt wird. Es pfupft, wenn man beginnt, an die neue Fasnacht zu denken, wenn einem plötzlich Fasnachtslieder in den Sinn kommen und nicht wieder verschwinden wollen. Es pfupft, wenn einem ständig verruckti Pfürz einfallen oder wenn man nachts aufwacht, weil das gerade Geträumte einem zum Giggele gebracht hat.Tief unten in Zell beginnt sich einiges zu regen. Oft noch im Verschwiegenen, fast Konspirativen laufen fasnächtliche Vorbereitungen. Da wird für den Ölfte Ölfte getextet, gedichtet, getanzt und komponiert.

Im künftigen Atzenbacher Fun- und Freizeitpark "Spassi" sieht man abends auch schon mal länger das Licht brennen. Ein untrügerisches Zeichen dafür, dass die Akteure des Ölfte Ölfte proben. Die meisten der Mitwirkenden sind alte fasnächtliche Hasen, dementsprechend professionell agieren sie. Er aber, der neue Hürus, er macht dies zum ersten Mal. Das bringt dieses hohe Amt einfach mit sich. Man kann nur ein einziges Mal Hürus werden. Aber eines weiß er ganz genau: Auf seine Zeller kann er sich verlassen. Sie werden ihm einen fulminanten Empfang bereiten. Dies zeigt sich schon an der Tatsache, dass der Kartenvorverkauf keine zwei Stunden dauerte, bevor das Schild "Ausverkauft" angebracht werden musste. Das wiederum zeigt auch, dass es bei jedem Zeller Fasnächtler pfupft – do chasch mache was de wit.