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22. November 2016 15:03 Uhr

Volkskunstbühne Rheinfelden auf Tour im Wiesental

Ungeheuerliches in der Alten Schmiede

Knisternde Krimispannung in ungewöhnlichem Ambiente erlebten rund 60 Zuschauer bei der ersten Theateraufführung in der Alten Schmiede in Mambach.

  1. Krimispannung schürten Dietmar Fulde und Hermann Seidel bei der ersten Theateraufführung in der Alten Schmiede. Pia Durandi begleitete sie am Piano. Foto: Roswitha Frey

Dietmar Fulde und Hermann Seidel von der Volkskunstbühne Rheinfelden führten das Stück "Abendstunde im Spätherbst" von Friedrich Dürrenmatt auf. Das Publikum in der ausverkauften Schmiede war beeindruckt von dem raffinierten und geheimnisvoll-abgründigen Psychoduell zwischen einem skandalumwitterten Schriftsteller und einem Buchhalter, der dem mörderischen Treiben des Literaten auf die Spur kommt. Die besondere Atmosphäre in der denkmalgeschützten Schmiede mit ihren historischen Werkzeugen und Gerätschaften sorgte für ein außergewöhnliches Theatererlebnis. Das Hintergründige, Beklemmende, Rätselhafte dieses Kriminalspiels kam in der restaurierten Schmiede bei heimeligem Ofenfeuer intensiv zur Wirkung. "Es hat alles rundum gepasst, es war eine spezielle Atmosphäre und eine besondere Stimmung", freuten sich Hausherr und Gastgeber Georg Staudenmayer und seine Frau Claudia Ging-Staudenmayer. Schließlich war es das erste Mal, dass die Schmiede als "Theaterbühne" genutzt wurde. Das Ehepaar , das zusammen mit dem rührigen Verein die Schmiede von 1719 hergerichtet und restauriert hat, berichtet von einem begeisterten Feedback auf das dicht inszenierte Kammerspiel. Das lag vor allem an den Darstellern, die sich anpassungsfähig und einfallsreich auf den Spielort eingelassen haben. Sie haben das Stück in der Region schon mehrfach in verschiedensten Räumen aufgeführt, aber die Schmiede mit ihrem erhaltenen Inventar war der ungewöhnlichste Schauplatz.

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Die Schauspieler Dietmar Fulde und Hermann Seidel agierten vor einem schwarzen Vorhang und hatten die Auf- und Abgänge geschickt auf die Raumsituation abgestimmt, ebenso Pia Durandi, die am Piano auf das Krimigeschehen einstimmte. Zwei rote Barhocker und eine kleine Hausbar mit Spirituosen bilden die sparsame Ausstattung für das Aufeinandertreffen zweier gegensätzlicher Männer.

Fulde, der als Regisseur das Stück ganz auf den Machtkampf zwischen den Kontrahenten konzentriert hat, spielt kraftvoll den großspurigen Literaturnobelpreisträger Maximilian Korbes. Im Morgenmantel, das graue Haar zu einem kleinen Zopf gebunden, ein Whiskeyglas in der Hand, gibt Fulde den wort- und weltgewandten Literaten à la Hemingway mit Hang zu ausschweifendem Leben, Abenteuer, schönen Frauen und Luxus. Das krasse Gegenteil stellt Hermann Seidel als biederer Buchhalter Fürchtegott Hofer dar, der den Bestsellerautor aufsucht und sich als glühender Verehrer ausgibt. Der Pensionär Hofer hat mit detektivischem Eifer die Mordfälle in Korbes’ Romanen recherchiert und behauptet nun, der Autor habe alle Morde selbst verübt. "Sie sind der Mörder!", sagt der Buchhalter. So entwickelt sich ein Katz- und Mausspiel, das den Zuschauer ohne große Action in Spannung hält. Was ist Realität, was Fiktion? Das bleibt in dem schwarzhumorigen und sarkastischen Spiel rätselhaft.

Die Fantasie des Publikums wird herausgefordert, wenn Dietmar Fulde den Ort der Handlung, die Suite eines Hotels und den Arbeitsplatz des Schriftstellers, wortgewaltig beschreibt. Da wird Whiskey getrunken, auch mal ein Revolver gezückt, und einmal hat Pia Durandi als verführerische Geliebte einen Kurzauftritt.

Toll gelöst ist der dramatische Abgang von Detektiv Hofer, der – hinter dem schwarzen Vorhang verborgen – in die Tiefe stürzt, in diesem Fall passend zum Spielort der Schmiede in den rauschenden Bach...

Autor: Roswitha Frey