Zells Bürgermeister warnt vor Gefahr für Trinkwasser

Wenn eine Kurve den Brunnen vergiftet

Nicolai Ernesto Kapitz

Von Nicolai Ernesto Kapitz

Fr, 19. Mai 2017 um 17:27 Uhr

Zell im Wiesental

Die Grendel-Kurve auf der B 317 bei Zell ist gefährlich. Um einen Ausbau der Straße zu beschleunigen, bringt Zells Bürgermeister nun ein Argument aus einer ganz neuen Perspektive.

Die Grendel-Kurve zwischen Hausen und Zell gehört zu den gefährlichsten und unfallträchtigsten Abschnitten entlang der Bundesstraße 317. In der aktuellen Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans steht allerdings nichts von dem Vorhaben, die langgezogene Kurve um den Grendel-Felsen herum zu entschärfen. Zells Bürgermeister Rudolf Rümmele sieht hier aber dringend Handlungsbedarf – nicht nur wegen der Gefahr für Autofahrer, sondern auch für das Zeller Trinkwasser. Zur Entschärfung schlägt er unter anderem einen Tunnel vor.

Zum Hintergrund: Der Ausbau der B 317 oberhalb von Schopfheim hat laut aktueller Einstufung im Bundesverkehrswegeplan keine Chance, in absehbarer Zeit Realität zu werden. Landrätin Marion Dammann hat daher einen Brief ans Regierungspräsidium geschrieben, in dem sie trotzdem auf Unterstützung beim Ausbau der wichtigen Verkehrsachse im Wiesental drängt. In dem nicht öffentlichen Schreiben geht es auch um Gefahrenstellen im Oberen Wiesental, darunter die Grendel-Kurve.

Bürgermeister Rudolf Rümmele nimmt nun dieses Schreiben zum Anlass, dem Anliegen in einem Brief – ebenfalls an Bärbel Schäfer – noch ein Argument "aus einem ganz anderen Blickwinkel" hinzuzufügen: Ihm geht es um Zells einzigen Tiefbrunnen, der in der Nähe der Kurve beim Zeller Stadion liegt. Rümmele bereitet die Nähe der "berühmt-berüchtigten Gefahrenstelle Grendel-Kurve" zum Tiefbrunnen Sorge. Heißt im Klartext: Sollte in der Kurve ein Unfall passieren, bei dem größere Mengen Treibstoff, Öl oder sonstige Flüssigkeit auslaufen, sei nicht nur die Wiese gefährdet, die unmittelbar an der Kurve vorbeifließt. Unter Umständen sei auch das Zeller Trinkwasser in Gefahr, verschmutzt und im schlimmsten Fall vergiftet zu werden.

Tiefbrunnen könnte für Trinkwasser wichtig werden

Zwar bezieht Zell im Moment den Großteil seines Trinkwassers aus Quellen im Bergland. Zur Zeit werde im Rathaus allerdings ein Gutachten vorbereitet, in dem es um die Sicherstellung der Wasserversorgung in Zell geht. "Dabei zeichnet sich ab, dass die vorhandenen Quellen im Zeller Bergland durchaus stagnieren", schreibt Rümmele. "Mit der Folge, dass auch die Tiefbrunnen vermehrt wieder in den Fokus rücken."

Wenn nämlich die Quellen nicht genug Wasser liefern, wird der Tiefbrunnen dazugeschaltet. Heißt also: Wenn es einmal soweit kommen sollte, dass die Zeller ihr Grundwasser zu großen Teilen aus dem Tiefbrunnen beziehen, läge dieser Brunnen beim Stadion als Rückgrat der Wasserversorgung in einem Gebiet, das vor gefährlichen Stoffen durch Unfälle auf der B 317 nicht sicher wäre. Rudolf Rümmele schreibt zusätzlich von einer "Tieflage der B317", einer Bodenwelle innerhalb der lang gezogenen Kurve, in der sich auslaufende Flüssigkeiten sammeln und dann in die Wiese ablaufen könnten. "Wenn etwas in die Wiese fließt, gäbe es Auswirkungen nicht nur auf die Wasserversorgung in Zell, sondern im Prinzip bis Basel", erklärt Rudolf Rümmele auf Nachfrage.

Diese Argumente aus dem Rathaus sollen nun im Regierungspräsidium Gehör finden. "Es ist einfach eine gefährliche Stelle. Darauf wollte ich aufmerksam machen", so Rümmele. Die Zeller Wunschvorstellung: Es gibt die Möglichkeit, auch abseits des Bundesverkehrswegeplans Fördergelder vom Land für die Entschärfung solcher Gefahrenstellen zu bekommen. Wie eine solche Entschärfung aussehen könnte, schreibt Rudolf Rümmele auch: "Ganz sicher wären an dieser Stelle eine überschaubare, nur wenige hundert Meter umfassende Tunnelung oder das Abspalten der Bergnase adäquate Lösungsansätze."

Wie realistisch es ist, dass dieser Vorstoß Erfolg hat, dazu wollte Rudolf Rümmele keine Einschätzung abgeben. Das Landratsamt wollte sich zum Inhalt des Briefs von Landrätin Dammann nicht äußern. Pressesprecher Torben Pahl bekräftigte allerdings, dass der Wasserschutz bei allen Straßenbaumaßnahmen im Landkreis ernst genommen werde und in die Planungen einfließe.