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31. Juli 2012 07:56 Uhr

Schlussverkauf

Zweitausendeins schließt wahrscheinlich Anfang 2013

Wenn nicht noch etwas Überraschendes geschieht, wird der Verlag Zweitausendeins seine Filiale in Freiburg schließen: Es findet sich niemand, der den rund 200 Quadratmeter großen Laden im Waisenhausgässle hinter dem Münsterplatz als Franchisenehmer weiterbetreiben möchte.

  1. Wolfgang Helken Foto: Thomas Kunz

Der Mietvertrag ist bereits nicht mehr verlängert worden; das bestätigte der Vermieter. Das heißt: Im Februar 2013 ist höchstwahrscheinlich Schluss – Freiburg wäre damit die erste von bundesweit 14 Filialen, die schließen würde.

"Ich glaube, wir leben seit Jahren vom Image, das mal war" Wolfgang Helken
Wirtschaftliche Schwierigkeiten hatte der Verlag, der 1969 als Versandhandel für anspruchsvolle Literatur und Musik gegründet worden war, seit einiger Zeit. Anfang des Jahres hatte Zweitausendeins die Filialen den dortigen Mitarbeitern angeboten: Diese hätten kaufen und das Geschäft nach dem Konzept des Leipziger Verlags weiterbetreiben sollen. "Doch die Konditionen waren zu schlecht", sagt der Freiburger Filialleiter Wolfgang Helken. Zusammen mit drei Kollegen steht er hinter der Ladentheke, macht die Abrechnungen im Büro und sorgt dafür, dass die berühmten Merkhefte, der Katalog des Unternehmens, nicht ausgehen.

Im April diesen Jahres wurde dann bekannt, dass Zweitausendeins Eigenverlag und Versandgeschäft ausbauen, dafür aber seine 14 Filialen an Franchisenehmer verkaufen will. Doch Käufer zu finden scheint schwierig. "Der Buchhandel hat es generell schwer", sagt Helken.

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Auch im Freiburger Zweitausendeins habe man immer weniger Kundschaft: "Ich glaube, wir leben seit Jahren vom Image, das mal war", so Helken. Zwar gebe es starken Rückhalt und ein treues Stammpublikum bei den "Alt-68ern", aber diese Zielgruppe wird kleiner. Junge Leute, auch Studenten, könnten mit dem Mythos Zweitausendeins nicht mehr viel anfangen. Helken: "Das ist tatsächlich eine Generationenfrage. Die Jungen gehen ins Internet, und unsere Lage ist auch nicht günstig."

Ende der 1990er-Jahre, als Zweitausendeins von der Schiffstraße ins Waisenhausgässle umzog, war die Blütezeit des Verlags. Zeitweise arbeiteten bis zu zwölf Mitarbeiter in der Freiburger Filiale, wo von der Politikstudentin bis zum Juraprofessor, vom Pfarrer bis zur Sozialarbeiterin das aufgeklärte Bürgertum günstige Bücher und Platten kaufte. Die jetzige Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Edith Sitzmann, arbeitete als Studentin zwei Jahre lang in der Schiffstraße, die Anfang der 1970er-Jahre bezogen wurde. Dort war das Angebot auf 50 Quadratmetern Verkaufsfläche zusammengequetscht und bei Kundenansturm wurde die Atemluft knapp. Im Waisenhausgässle hinter dem Münsterplatz ist die Ausstattung großzügiger.

Doch Zweitausendeins hat dem Vermieter, dem Caritasverband Freiburg-Stadt, vor einigen Tagen mitgeteilt, dass man den Mietvertrag nicht mehr verlängern wolle. Dem Vernehmen nach zahlt der Verlag rund 5000 Euro pro Monat für den Laden. "Wir bedauern diesen Schritt", sagt Werner Wißler, Abteilungsleiter Wirtschaft und Finanzen beim Caritasverband, "wir hätten Zweitausendeins den Laden gerne weiter vermietet." Am 28. Februar 2013 läuft der Vertrag aus, bis dahin will der Caritasverband einen Nachmieter gefunden haben.

Und die Stimmung bei den Mitarbeitern? Traurig? "Jein", sagt Filialleiter Helken, dem Unternehmen seit Jahrzehnten verbunden. "Für uns sind Turbulenzen ja nichts Neues."

Mehr zum Thema:

Wirtschaft: "Jeder Buchhändler kann viel mehr als Amazon"

Autor: Simone Lutz


4 Kommentare

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Hermann Killius

Registriert seit: 02.12.2010

Kommentare: 232

31. Juli 2012 - 10:00 Uhr

Finde ich verdammt schade.Bin immer gern dahin gegangen.

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Hape Winkler  

Hape Winkler

Registriert seit: 31.07.2012

Kommentare: 1

31. Juli 2012 - 10:27 Uhr

Kann mich da nur anschließen, ist wirklich schade. Der Laden war etwas besonderes. Nicht dieser Einheitsbücherbrei. Wo sonst konnte man schon vor vielen Jahren Autoren wie William S. Burroughs oder Charles Bukowski finden? Aber wie im Artikel erwähnt, findet man die heutigen Perlen am ehesten im Internet. Das Merkheft war früher wirklich Kult!

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Maximilian Klaus  

Maximilian Klaus

Registriert seit: 09.05.2009

Kommentare: 257

31. Juli 2012 - 10:34 Uhr

Veraltete Bücher überteuert verkauft - an diesem Laden habe ich nie etwas gefunden.

Da freut man sich einen großen Bildband mit vielen Zusatzinformationen gefunden zu haben, haddert mit dem Preis, durchstöbert die ersten Seiten und stößt auf das Veröffentlichungsdatum 2000. Hrmpf. Und dann soll man 40 € liegen lasssen? Nein danke.

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Bernhard Schindele  

Bernhard Schindele

Registriert seit: 05.06.2010

Kommentare: 148

31. Juli 2012 - 10:47 Uhr

schade drum.bin gern hingegangen.

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