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17. November 2009 13:12 Uhr

Bildungsstreik

5000 Studenten und Schüler demonstrieren friedlich in Freiburg

Sie fordern bessere Bildung und mehr Selbstbestimmung: Mehr als 5000 Menschen haben in Freiburg unter dem Motto Bildungsstreik an einer Demonstration teilgenommen. Das Audimax blieb in der Zeit besetzt.

  1. Mehr als 5000 Schüler und Studenten haben an der Bildungsstreik-Demo teilgenommen. Foto: Ingo Schneider

  2. Protestzug durch Freiburg. Foto: Ingo Schneider

Mit Bannern und Fahnen, Trommeln und Trillerpfeifen schoben sich Tausende von Demonstranten vom Platz der Alten Synagoge über den Fahnenbergplatz in Richtung Bertoldsbrunnen. Begleitet wurden sie von einem Tross von Polizisten, der sich jedoch diskret im Hintergrund hielt. "Das ist eine der größten Demonstrationen, die jemals in Freiburg stattgefunden hat", sagte Pressesprecher Karl-Heinz Schmid von der Freiburger Polizeidirektion.

Offiziellen Angaben zufolge nahmen rund 5000 Menschen an dem Protestzug teil (zum Live-Ticker). Verstärkt wurde er vor allem durch Schüler aus dem Freiburger Speckgürtel. Denn zeitgleich zum Bildungsstreik fand an der Universität Freiburg ein Tag der offenen Tür für rund 9000 Schüler aus der Region statt. Bereits am Dienstagmorgen waren viele Jugendliche an die Uni gekommen, um sich über Studiengänge, Bachelor und Master zu informieren – und schlossen sich bereitwillig der Großdemonstration an. Den Schülern des Freiburger Bertholdgymnasiums war die Teilnahme jedoch verboten worden.

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Während eine mehrere hundert Meter lange Schlange durch die Freiburger Straßen zog (zu den Fotos), hielten knapp 100 Studenten im besetzten Audimax die Stellung. Geht es nach der Unileitung, sollen die Besetzer aber möglichst bald das Feld räumen, wenn auch nicht komplett. "Wir ersuchen die Studenten, einen anderen Hörsaal zu besetzen", sagte Rudolf-Werner Dreier, Pressesprecher der Universität. Das Audimax werde für Klausuren gebraucht. "Das Rektorat ist verpflichtet dafür zu sorgen, dass der Lehrbetrieb für diejenigen Studierenden, die sich nicht an den Protesten beteiligen wollen, ungestört weiterlaufen kann." Als Alternative habe die Unileitung den Studenten den Hörsaal 2004 angeboten. Der Vorschlag werde später im Plenum diskutiert, hieß es von Seiten der Studenten.

Offiziell wandte sich noch vor Beginn der Demonstration Vizerektor Heiner Schanz als Vertreter der Universität an die Studenten im Audimax. Die Besetzung werde toleriert, so lange es zu keiner Sachbeschädigung komme. "Unifremde dürfen sich ebenfalls nicht beteiligen", stellte er klar. Unirektor Hans-Jochen Schiewer konnte wegen wichtiger Termine nicht zu den Studenten sprechen. Stattdessen ließ er im Internet eine Erklärung veröffentlichen. "5 Antworten auf 5 Fragen zur aktuellen Diskussion um Studienbedingungen".

ZENTRALE FORDERUNGEN

Leistungsdruck am achtjährigen Gymnasium G8 trieb die Schüler auf die Straße, Studiengebühren, Kritik an Bachelor und Master die Studenten. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut", skandierten sie über Lautsprecher. Vor dem Rektorat der Universität formulierte Maggie Jaglo, Mitglied des Vorstands der u-asta, zentrale Forderungen der Studenten: die Abschaffung von Bachelor und Master in der derzeitigen Form und der Studiengebühren.

Nach knapp drei Stunden löste sich die friedliche Demonstration langsam auf. Einige tanzten noch zu Musik auf dem Platz der Alten Synagoge, andere kehrten an die Protestfront im Audimax zurück. "Die Besetzung soll unbefristet fortgeführt werden", sagte Jakob Lohmann vom Arbeitskreis Bildungsstreik.

INTERAKTIVE KARTE: DER PROTESTZUG DURCH FREIBURG

Auch in anderen Städten gingen Studenten und Schüler auf die Straße. Dort fielen die Demonstrationen allerdings deutlich kleiner aus. In Ulm sprach die Polizei von wenigen hundert Teilnehmern, in Karlsruhe und Heidelberg wurden jeweils 500 Menschen erwartet.

c

Autor: Alexandra Sillgitt, Joachim Röderer