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05. März 2014 10:31 Uhr

Protestaktion im aargauischen Döttingen

Greenpeace-Aktivisten besetzen Akw-Gelände Beznau

Knapp drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima verlangt Greenpeace einen sofortigen Betriebsstopp alter Kernkraftwerke in Europa. Deshalb haben Aktivisten das Schweizer AKW Beznau besetzt.

  1. Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace sind am Mittwochmorgen auf das Gelände des Akw Beznau eingedrungen. Foto: © Greenpeace / Christian Schmutz

  2. Die Aktivisten fordern die sofortige Abschaltung des Kraftwerks. Foto: © Greenpeace / Christian Schmutz

  3. Die Aktivisten fordern die sofortige Abschaltung des Kraftwerks. Foto: © Greenpeace / Ex-Press / Flurin Bertschinger

  4. Die Aktivisten fordern die sofortige Abschaltung des Kraftwerks. Foto: Greenpeace/ Ex-Press /Michael Würtenberg

  5. Die Aktivisten fordern die sofortige Abschaltung des Kraftwerks. Foto: Greenpeace

  6. Die Aktivisten fordern die sofortige Abschaltung des Kraftwerks. Foto: Greenpeace

Etliche europäische Atomkraftwerke nähern sich nach Darstellung von Greenpeace dem Ende ihrer technischen Lebensdauer und stellen so eine immer größere Sicherheitsgefahr dar. "Europa betritt eine neue Ära des atomaren Risikos", erklärte die Umweltschutzorganisation am Mittwoch mit Blick auf eine Expertenstudie, der zufolge das Durchschnittsalter der Meiler inzwischen bei 29 Jahren liegt. An Akw in sechs Ländern protestierten rund 240 Greenpeace-Aktivisten.

"Die überalterten Atomkraftwerke sind tickende Zeitbomben." Heinz Smital
Greenpeace fordert den Ausstieg aus der Atomkraft und das sofortige Aus für Reaktoren, die ihre sogenannte Auslegungslebensdauer erreicht hätten. Diese liegt nach dem für Greenpeace verfassten Gutachten des Öko-Instituts bei 30 bis 40 Jahren. Von den etwa 150 aktiven Akw in der EU und benachbarten Ländern seien heute bereits 66 älter als 30 Jahre, sieben sogar älter als 40 Jahre. Oftmals seien Laufzeit-Verlängerungen auf 50 bis 60 Jahre geplant. "Die überalterten Atomkraftwerke sind tickende Zeitbomben. Der Weiterbetrieb ist absolut unverantwortlich", warnte Atom-Experte Heinz Smital.

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Beznau ist das dienstälteste Akw der Welt

Bei ihren Aktionen drangen Greenpeace-Aktivisten am Mittwoch unter anderem auf das Gelände des Schweizer Atomkraftwerks Beznau vor und entrollten Banner mit der Aufschrift "The End" (Das Ende). Etwa hundert Menschen beteiligen sich am dem Protest.

Die Anlage bei Döttingen im Kanton Aargau unweit der deutsch-schweizerischen Grenze ist das dienstälteste Kernkraftwerk der Welt; sie ging im Jahr 1969 ans Netz. Insofern ist es naheliegend, dass hier ein Schwerpunkt der Greenpeace-Aktion liegt. Auch im belgischen Tihange sowie in Spanien, Schweden, Frankreich und den Niederlanden erinnert die Umweltorganisation mit Besetzungen, Demonstrationen und Mahnwachen an den dritten Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Fukushima am 11. März – und fordert die Abschaltung alter Meiler sowie ein verbindliches Ausbauziel für die Erneuerbaren Energien von mindestens 45 Prozent bis zum Jahr 2030. Zu den störanfälligsten Atomkraftwerken Europas gehören laut Greenpeace die französischen Meiler in Fessenheim und Cattenom.

Google Maps: Hier liegt das AKW Beznau
In Beznau war die Protestaktion am Mittwochnachmittag noch in vollem Gang. Die Aargauer Kantonspolizei bemüht sich im Gespräch mit den Aktivisten von Greenpeace darum, dass alles in ruhigen Bahnen verläuft. Die Kantonspolizei werde von der Regionalpolizei und dem Grenzwachtkorps unterstützt, sagte Polizeisprecher Roland Pfister. Der Alarm sei kurz vor 7 Uhr erfolgt. Es handle sich um einen sicherheitspolizeilichen Einsatz.

Die Situation soll friedlich geklärt werden

"Wir haben Erfahrungen mit Aktivisten", betonte Pfister und sprach von mehren Dutzend Menschen auf dem Gelände des Kraftwerks. Nach Einschätzung der Schweizer Zeitung "Blick" geht die Polizei wohl davon aus, dass die Leute kein Interesse daran hätten, acht Stunden lang am Seil zu hängen – tatsächlich halten die Aktivisten aber nun schon länger durch. Man stehe im Kontakt mit Greenpeace und der Leitung des Akw, hielt Pfister fest. Die strafrechtlichen Konsequenzen der Protestaktion müssten mit der Staatsanwaltschaft geprüft werden, hielt Pfister fest.

Die Aktivisten stammen aus der Schweiz und acht weiteren europäischen Ländern, wie Greenpeace mitteilte. Unter ihnen ist nach "Blick"-Informationen auch der Züricher Marco Weber, der Ende vergangenen Jahres nach einer Greenpeace-Protestaktion in der Arktis zwei Monate in Russland in Haft sass. Nun ist Weber ist einer der Greenpeace-Mitstreiter, die sich an einen Turm in Beznau anseilten.

Auf Fotos auf dem Twitter-Kanal von Greenpeace ist unter anderem zu sehen, wie zwei Aktivisten an einem Reaktorgebäude ein gelbes Transparent mit der Aufschrift "The End" montieren. Weitere Aufnahmen, welche die Umweltorganisation in den sozialen Medien veröffentlichte, zeigen, wie Aktivisten in den frühen Morgenstunden mit Leitern über die Absperrgitter klettern. Greenpeace spricht von einer "Besetzung".

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Autor: dpa/sda/afp/kh, aktualisiert um 15.20 Uhr