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04. Juni 2010 07:54 Uhr

Anzeige gegen Erzbischof

Abt verteidigt Zollitsch gegen Vorwürfe

Ein Mann hat den Erzbischof Robert Zollitsch wegen Beihilfe zum Missbrauch angezeigt. Der Zisterzienserorden Wettingen-Mehrerau und Kirchenrechtler verteidigen Zollitsch gegen die Vorwürfe.

  1. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von Freiburg, Robert Zollitsch. Foto: ddp

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz werde "völlig grundlos mit sexuellem Missbrauch, den ein Mitglied unseres Ordens vor rund 30 Jahren begangen hat, in Verbindung gebracht", erklärte am Donnerstag der Abt der österreichischen Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau, Anselm van der Linde. Der Vatikan stellte sich hinter die Erklärung des Erzbistums Freiburg, dass die Vorwürfe gegen Zollitsch jeder Grundlage entbehrten.

Hintergrund ist die Anzeige eines mutmaßlichen Missbrauchsopfers eines Mönchs aus der österreichischen Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau. Zu der bei Bregenz gelegenen Abtei gehören auch die Wallfahrtskirche in Birnau und weitere Pfarreien am deutschen Bodenseeufer. In einer der Pfarreien soll der Missbrauch geschehen sein.

Zollitsch, so das ARD-Magazin "Report Mainz" unter Bezug auf ein Schreiben der Freiburger Staatsanwaltschaft, habe als damaliger Personalreferent des Erzbistums 1987 einen Einsatz des Paters in Birnau "veranlasst", obwohl es schon seit den 1960er Jahren Hinweise auf sexuellen Missbrauch durch den Zisterziensermönch gegeben habe.

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Kirchenrechtler halten Vorwurf füra abwegig

Das halten Juristen schlichtweg für unmöglich. Zollitsch, so der Freiburger Kirchenrechtler Georg Bier, sei für die Seelsorge in der Wallfahrtskirche "niemals zuständig gewesen, weder als Personalreferent noch als Erzbischof". Die Abtei samt den dazugehörigen Pfarreien sei selbstständig, der Einsatz von Personal allein Sache des Abts. Ähnlich äußerte sich Biers Tübinger Kollege, der Kirchenrechtler Richard Puza.

Abt appelliert an die Opfer

Zisterzieneserabt Anselm van der Linde räumte in seiner Erklärung vom Donnerstag einen "nicht adäquaten Umgang" des Ordens mit Tätern und Opfern von Missbrauch ein. Anselm betonte, er könne das geschehene Unrecht nicht ungeschehen machen. Zugleich appellierte er an die Opfer, mit den staatlichen Behörden und, "so es ihnen möglich ist", mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Kritik an der Staatsanwaltschaft

Bier hält das Verhalten der Freiburger Ermittlungsbehörde, die den Eingang der Anzeige öffentlich bestätigt hatte, für "irritierend". In einem solch frühen Stadium solle eine Staatsanwaltschaft nicht an die Öffentlichkeit gehen.

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Autor: kna