Kein Nachfolger

Ära geht zu Ende: Die Sonne in Bleibach schließt

Karin Heiß

Von Karin Heiß

So, 31. Dezember 2017 um 13:40 Uhr

Gastronomie

Helga und Ferdinand Lehmann fanden keine Nachfolger: Deswegen muss der Gasthof "Sonne" in der Ortsmitte von Bleibach schließen.

Eine Ära geht zu Ende, das Gastronomiesterben in der Region scheint voran zu schreiten. Seit 1838 war der Gasthof "Sonne" in der Dorfstraße in Bleibach in Betrieb. Zum Ende des Jahres schließt nun auch dieses traditionsreiche Gasthaus seine Türen. Viele Gäste, Urlauber, und Vereine, die hier verkehrten, werden es vermissen. Die Wirtsleute Helga und Ferdinand Lehmann haben lange erfolglos nach Nachfolgern gesucht und sich nun diesen Schritt zur Schließung nicht leicht gemacht. Sie bedanken sich herzlich für die langjährige Treue ihrer einheimischen und auswärtigen Gäste.

Bei einem Pressegespräch berichteten sie über die Geschichte und Besitzverhältnisse ihres Gasthauses, die auch draußen neben der Eingangstür auf einer Tafel in einem kurzen Abriss aufgeführt ist. Die Konzession der "Sonne", bei ihrer Gründung noch "Wirtschaftsgerechtigkeit" genannt, lag ab 1778 bis zum Jahr 1829 bei dem Wirt und Bauer Johannes Reich.

Der Sonnenbauernhof mit Wirtschaft stand an der Wendelinsgasse, dem heutigen "Fischerhof" in der Silberwaldstraße. 1829 wurde der Hof von der "Wirtschaftsgerechtigkeit" getrennt, aufgrund der Erbfolge. Die Konzession erbte Sebastian Wehrle, der Sohn des damaligen Hofbesitzers. Er wirtete mit seiner Frau bis 1840 in der Silberwaldstraße. 1837 kaufte Sebastian Wehrle das Hofgut von Andreas Hug in der Dorfstraße, dem heutigen Standort der "Sonne".

Wehrle ließ alles abreißen und erbaute 1838-39 das Gasthaus "Sonne" mit Nebengebäude und zog 1840 ein. 1909 ersteigerte die Brauerei Meyer in Riegel das Gebäude und verkaufte es 1917 an die Firma Gütermann, die den Saal mit Bühne anbaute. 1961 erwarb es Heinrich Supé, der es ein Jahr später an Wilhelm und Blanka Lehmann verkaufte. 1988 übernahm es Sohn Ferdinand von seinen Eltern. Die hatten es am 3. April 1963 feierlich eröffnet, berichtete Ferdinand Lehmann, "mit geschmücktem Baum und Festgesellschaft".

1972 wurde der Anbau modernisiert. Für Ferien- und Übernachtungsgäste gab es 13 Doppel- und sechs Einzelzimmer. Bei der Übergabe im Sommer 1988 wollten er und seine Frau es ebenso machen wie seine Eltern und stellten einen geschmückten Baum und ein Festzelt auf. "Für Speisen und Getränke haben wir von den Gästen Preise wie 1963 verlangt", erinnerte er sich schmunzelnd. "Der Gastronomiebetrieb lief in den 1970er Jahren abartig gut!"

Im Laufe der Zeit habe sich das Essensverhalten der Gäste, die übernachteten, aber verändert. "Sie frühstücken noch, doch das Mittagessen lassen sie ausfallen." Mancher habe noch abends gegessen. "Mit der Umfahrung von Bleibach, die 2008 kam, wurde der Abwärtstrend im Gastronomiebereich deutlich spürbar", sagte Lehmann, der als Koch im Betrieb arbeitete.

Die Zahl der einkehrenden Gäste und Touristen nahm zusehends ab. Am Wochenende lief es immer recht gut. Da kamen Ansässige, Freunde und auch Festgesellschaften. Auch an den Feiertagen war die Gaststätte immer gut besucht. "Da hatten wir das Haus manches Mal richtig voll", ergänzte Helga Lehmann. Sie ist Hotelfachfrau und hat ihren Mann als Auszubildende in Lehmanns Gasthaus kennengelernt.

Vor zwei Jahren kam dann die Diagnose einer chronischen Erkrankung, erzählt der Wirt.

Das sowie die familiäre Situation führten das Eigentümerpaar zum Entschluss, die Gastronomie in absehbarer Zeit aufzugeben. Von den vier Kindern haben drei fachfremde Berufe erlernt und der älteste Sohn, der wie sein Vater Koch wurde, arbeitet in einem Restaurant in der Schweiz als Küchenchef, eine gute Position, die er nicht aufgeben wollte. Ferdinand und Helga hatten aber immer Hilfe von Geschwistern. Angelika Volk, Adelheid Benitz, Ursula Dorer und Regine Schätzle halfen im Service und in der Küche. "Das war das Erfolgsrezept", hob Helga Lehmann hervor. Nur als Familienbetrieb konnte solch ein großes Gasthaus lukrativ laufen.

Von 2015 an haben Ferdinand Lehmann und der Bleibacher Architekt Klaus Wehrle dann vergeblich versucht, einen Nachfolger für die "Sonne" zu finden. Möglichen Interessenten war sie zu groß, zu modernisierungsbedürftig. Der Familie Lehmann sei es aber wichtig gewesen, dass das alte Gebäude nicht abgerissen werde. Eine Lösung hat sie dann zusammen mit Klaus Wehrle gefunden, dessen Familie den historischen Gebäudeteil inzwischen gekauft hat. Den Anbau und die Gartenwirtschaft hat die "Breisgau Grund- und Boden GmbH" gekauft.

Der Architekt gab beim Gespräch auch schon Einblick in die Um- und Anbaupläne. Im hinteren Bereich sollen nach einem Abriss bis zu 13 Wohnungen entstehen. Mehr auf Erhaltung der Bausubstanz wird im historischen Teil geachtet werden.

An Silvester ist das traditionsreiche Lokal letztmals geöffnet. "Da viele wussten, dass wir zu machen, sind zuletzt noch mal mehr Leute gekommen", freuten sich die Wirtsleute. Auch für das Silvesteressen seien alle Tische gebucht. Zu späterer Stunde könnten aber auch die kommen, die nicht reserviert hatten und mit der Familie auf eine gute Zukunft anstoßen.