Großkunden retten Gießerei

Rafael Herrmann

Von Rafael Herrmann

Mo, 06. August 2018

Albbruck

Übernahme der sechsstelligen Reparaturkosten / Insolvenzverwalter gibt sich optimistisch.

ALBBRUCK. Der neue Eigentümer der Eisengießerei Albbruck (früher ENA) hat zwar nach nur fünf Monaten Insolvenz angemeldet. Doch Insolvenzverwalter Marc-Philippe Hornung aus Mannheim ist sehr optimistisch, dass der momentan ruhende Geschäftsbetrieb in absehbarer Zeit wieder aufgenommen werden kann. Dafür sorgt ein beispielloses Engagement von Großkunden der Albbrucker Gießerei, die sich an den Kosten für dringend notwendige Reparaturen beteiligen.

"Die Firma liefert hochwertige Produkte, beispielsweise für Lkw-Motoren und den Maschinenbau, die kurzfristig kein anderes Unternehmen zu liefern im Stande ist", erläutert Hornung, warum der Druck für die Großkunden der Gießerei aktuell so groß ist. Zum Kundenstamm des Albbrucker Traditionsunternehmens zählen beispielsweise der Daimler-Konzern, der Maschinenbauer Homag und MTU.

Und diese Kunden haben laut Marc-Philippe Hornung größtes Interesse daran, dass der Betrieb so bald als möglich wieder produzieren kann. "Es wurden in den letzten Tagen viele Gespräche geführt, und die Kunden haben ihre Unterstützung zugesagt, um die Produktion kurzfristig wieder zum Laufen zu bringen." Über die Größenordnung des Zuschusses wurde Stillschweigen vereinbart. Es sei zwar oft der Fall, dass Kunden eine angeschlagene Firma unterstützen, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, "die Unterstützung der Kunden im Fall der Albbrucker Gießerei ist aber schon außergewöhnlich", so Hornung.

Die technischen Anlagen der 1866 gegründeten Firma sind veraltet, weil frühere Eigentümer gar nicht oder nur wenig in das Albbrucker Unternehmen investiert haben, so Hornungs Einschätzung. Im Zuge des Insolvenzverfahrens 2013 hatte der US-Konzern Fansteel die Albbrucker Gießerei übernommen, aber 2017 ebenfalls Insolvenz angemeldet. Seit Februar ist Navigator Capital in München der neue Eigentümer, der nun auch schon wieder insolvent ist. Der Geschäftsbetrieb der Gießerei ruht seit dem 17. Juli. Die Lohnzahlungen für die rund 80 Beschäftigten seien aber bis einschließlich September gesichert, betont Marc-Philippe Hornung. Ziel des Insolvenzverwalters ist es, einen neuen Investor zu finden, der das Unternehmen übernimmt. "Das schon in der Kürze der Zeit zu schaffen, ist natürlich schwierig. Aber wir hatten schon Interessenten hier", so der Mannheimer Wirtschaftsanwalt.