Anderer Blick aufs Weihnachtsgeschehen

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 09. Januar 2018

Klassik

Dirigent Rainer Marbach führt mit der Evangelischen Kantorei Rheinfelden in der Christuskirche eher selten zu hörende Chorwerke auf.

Einen Bogen vom Strengen und Archaischen ins Lyrische und Liebliche spannte die Evangelische Kantorei Rheinfelden bei ihrem Konzert zu Epiphanias in der vollen Rheinfelder Christuskirche. Mit der Messe von Igor Strawinsky, "A Ceremony of Carols" von Benjamin Britten und dem Oratorio de Noel von Camille Saint-Saens als Hauptwerk hat Kantor und Dirigent Rainer Marbach in überragender Klangqualität Chorwerke zur Aufführung gebracht, die eher selten zu hören sind und das mystische Weihnachtsgeschehen aus einem anderen Blick beleuchten.

In ihrer sakralen Tonsprache, der rhythmischen Gestaltung und dem reflektierenden Charakter hat die Messe von Strawinsky für Chor, Soli und doppeltes Bläserquintett eine archaisierende Klangarchitektur. Das Kyrie strahlte eine feierliche Ruhe aus, wenn sich der Bläserklang aufbaut und der Chor mit ruhigem, klarem Gesang einsetzt.

Sängerinnen und Sänger meistern schwierige Partien

Hervorragend meisterten die Sängerinnen und Sänger im durchgearbeiteten, geschärften Chorklang die schwierigen Partien dieser nicht leicht zugänglichen Sakralmusik. Durch die akzentuiert spielenden Bläser verstärkte sich der erhabene Klangeindruck. Eindringlich gesteigert im Chorischen und Instrumentalen erklang das Credo. Die mit strahlender Stimme aufwartende Sopranistin Eva Maria Hofheinz und die mit lyrischer Wärme und superber Stimmführung singende Altistin Daniela Bianca Gierok harmonierten sehr schön im Gloria. Im Sanctus beeindruckten die Sängerinnen mit dem Tenor Sebastian Hübner und dem Bassbariton Ekkehard Abele im Wechsel der solistischen und chorischen Passagen. Schon etwas Mystisches hatte das Agnus Dei.

Nahtlos an Strawinskys Messe schlossen sich Teile aus Brittens "A Ceremony of Carols" für Chor und Harfe an, Vertonungen alter englischer Weihnachtsgedichte. Mit hellen, lupenreinen Stimmen zogen die jungen Sängerinnen der "Young Voices" in der "Procession" durch den Kirchenraum auf die Empore. Von dort herab sangen sie mit engelsgleichen Stimmen und in vorzüglicher Diktion weitere Lieder dieses Zyklus wie das freudige "Wolcum Yole!", das entrückte "There is no rose" und das beschwingte "This little Babe". Durch ihr subtiles Spiel an der Harfe entfaltete Yvonne Deusch einen filigranen Klangzauber in diesen Gesängen und im Harfen-Interludium.

Eine weiche Klanglichkeit, romantische Harmonik und sanfter Melodienzauber umhüllte die Zuhörer im Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saens für Chor, Soli, Streicher, Harfe und Orgel. Schon im Prélude kam durch den warmen Streicherklang und den wiegenden Rhythmus pastorale Hirtenstimmung auf. Die Kantorei achtete in ihrem Gesang auf differenzierten Wohlklang und Klangschönheit und ließ im Jubelchor "Gloria in altissimis Deo" und im Lobpreis "Tollite hostias" die Chorstimmen freudig aufstrahlen. In dem mit großer Vehemenz gesungenen Satz Nr. 6 trat der Chor durch prägnante heftige Deklamation hervor.

Solistisch bot diese Aufführung des Oratorio de Noel berückenden Wohlklang: Eva Maria Hofheinz glänzte in der Engel-Partie und im Duett im Benedictus mit strahlkräftiger Stimme, makelloser Höhe und schönstem Sopranjubel. Daniela Bianca Gierok betörte in "Et ecce Angelus", der Mezzo-Arie und in den Ensembles mit prächtiger, warm getönter Stimme voller Intensität und Beseeltheit. Auch der geschmeidig singende Tenor Sebastian Hübner und der Bassbariton Ekkehard Abele mit kraftvollem Timbre erwiesen sich als einfühlsame Interpreten. Die kurzfristig eingesprungene Sopranistin Song-Yi Lee fügte sich in den Ensembles harmonisch in die Solistenreihe. Vokale Glanzstücke bildeten das Terzett, das Quartett "Alleluia" und der von den fünf Solisten und dem Chor andächtig gesungene Satz "Erhebe dich Tochter Zion". Wesentlich zum idyllischen Klangeindruck und dem romantischen Kolorit trugen Yvonne Deusch an der Harfe und Birgit Tittel an der Orgel und das Streicherensemble mit ihrem feinfühligen Spiel bei. Mit stehenden Ovationen dankte das Publikum für dieses kirchenmusikalische Erlebnis.