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03. August 2012 07:24 Uhr

Schwarzwald

Andreas Fichter ist der beste Zimmermann Europas

Andreas Fichter trifft den Nagel meist auf den Kopf. Der 20 Jahre alte Schwarzwälder ist der beste Zimmermann Europas. Mit der Zimmerer-Nationalmannschaft will er nun Weltmeister werden.

  1. Andreas Fichter am Werk Foto: dpa

Andreas Fichter steigt anderen gerne aufs Dach. Und er ist Primus seiner Zunft. Der 20 Jahre alte Schwarzwälder ist Europameister der Zimmerer und damit der beste Zimmermann Europas. Auf dem Titel will er aufbauen: Fichter zimmert an seiner Qualifikation für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Leipzig. Seine Motivation ist die Liebe zum Beruf: "Ich könnte mir keinen anderen Job vorstellen." Er sieht sich als Botschafter des Handwerks.

Wenn der im Schwarzwaldstädtchen St. Georgen wohnende Fichter zur Arbeit geht, dann meist in der traditionellen Zimmererkluft. "Ich bin Zimmermann aus Überzeugung. Und die Kluft gehört dazu", sagt er. Das Arbeiten mit Holz liege ihm am Herzen. "Holz ist ein sauberer und sehr lebendiger Werkstoff, aus dem man so viel machen kann." Zum Beispiel Dachkonstruktionen, was Fichter besonders gern übernimmt. "Man sieht am Abend, was man geleistet hat."

Mit Bleistift und Metermaß berechnet Fichter Winkel und Abstände, schneidet das Holz zu und schlägt die Nägel in die Bretter. Auf diese Weise hat er Anfang des Jahres in Stuttgart auch den EM-Titel geholt. Die Arbeit im Freien auf der Baustelle mache ihm besonders Spaß. "Ich habe schon als Kind immer gerne mit Holz gewerkelt, die Berufsentscheidung war mir eigentlich schon in die Wiege gelegt", erzählt er. Sein Vater ist gelernter Schreiner, die Berufsentscheidung des Sohnes haben alle in der Familie mitgetragen. Und sie sind stolz auf ihn.

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Denn Fichter ist nicht nur Europameister, sondern auch Mitglied der Deutschen Zimmerer-Nationalmannschaft. Die sechs jungen Zimmerergesellen zeigen bei internationalen Berufswettbewerben, was sie können. Sie entwerfen und bauen. Fichter ist der Einzige von ihnen, der nicht nur mit der Mannschaft, sondern auch im Einzelwettbewerb den EM-Titel errungen hat.

Mit solchen Erfolgen will Fichter auch für seinen Berufsstand werben – und junge Nachwuchskräfte anlocken. "Handwerk hat goldenen Boden. Es bietet sichere Arbeitsplätze, gute Aufstiegschancen und interessante Tätigkeiten", sagt er, die Parolen der einschlägigen Verbände wiederholend.

Der Beruf, sagt Fichter, sei anspruchsvoller, als viele meinen: "Sägen und Hämmern alleine genügt nicht." Komplizierte Holzkonstruktionen wollen zuvor entworfen und berechnet sein, ehe man sich ans Werk machen kann. "Dafür braucht es Profis", sagt Fichter. "Von den vielen Heimwerkern, die nach Feierabend durch die Baumärkte ziehen und sich danach als Baumeister versuchen, halte ich nicht viel." Das Sprichwort "Die Axt im Haus erspart den Zimmermann" lässt er nicht gelten: "Bauen mit Holz erfordert Können und Erfahrung."

Fichter werkelt unterdessen an der Karriere. Direkt nach der Schule hat er in einem Holzbaubetrieb in Königsfeld (Schwarzwald-Baar-Kreis) seine Ausbildung durchlaufen, seit zwei Jahren ist er dort Geselle. Nach den Sommerferien drückt er wieder die Schulbank: Er will Meister werden und besucht die Meisterschule.

Frei von Berufskrankheiten ist selbst Europas bester Zimmermann nicht. Auch Fichter zielt mit dem Hammer gelegentlich daneben und hat sich auf seine Finger. Oder er schneidet sich mit der Säge in die Hand. "Das gehört in meinem Beruf dazu", wiegelt Fichter ab. "Da geht es uns Zimmerern nicht anders als jedem Hobbyhandwerker." Kleinere Verletzungen gebe es immer mal wieder. Von größeren Wunden ist der Zimmermann aus dem Schwarzwald bislang aber verschont geblieben.

Autor: Jürgen Ruf (dpa)