Biathlon

Annika Knoll beendet ihre Biathlon-Karriere

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mi, 23. Januar 2019 um 20:15 Uhr

Biathlon

Kein Vertrauen mehr in den Körper: Annika Knoll (25), ehemalige Junioren-Weltmeisterin und EM-Dritte, wird am Wochenende beim Deutschlandpokal am Notschrei ihren letzten Wettkampf bestreiten.

BIATHLON. Dort, wo leistungsmäßig alles begann, wird alles auch enden: am Biathlon-Stützpunkt Notschrei. Am Wochenende werden rund um das Nordic Center zwei Rennen um den Deutschlandpokal ausgetragen, das ist national die höchste Rennserie, und Annika Knoll (SV Friedenweiler-Rudenberg) wird zum letzten Mal als Leistungssportlerin an den Start gehen. Sie beendet ihre Biathlonkarriere in ihrer Heimat, im Schwarzwald. "Ich denke, am Notschrei ist für mich der perfekte Ort, um einen wundervollen Abschluss zu finden. Es wird sehr emotional werden, denn meine Familie und meine Freunde werden mit dabei sein."

Die 25-Jährige kämpfte zuletzt mit hartnäckigen Magen-Darmproblemen, die ein regelmäßiges Training in der wichtigen Vorbereitungsphase nicht immer zuließen. Auf der Suche nach der Lösung sprach sie bei vielen Ärzten vor, ein Mediziner empfahl ihr, ihre Ernährung umzustellen. Sie tat alles, um noch einmal zu alter Leistungsfähigkeit zurückzufinden.

"Ich habe mich aber nicht mehr dabei wohlgefühlt, immer wieder gegen meinen Körper anzukämpfen. Ich habe alles investiert, aber leider hat meine Energie nicht mehr ausgereicht, um noch einmal zurückzukommen." Das bisher einzige Rennen in diesem Winter hat Annika Knoll beim Deutschlandpokal in Ridnaun (Italien) absolviert. Es war ein Einzelrennen über 15 Kilometer mit vier Fünferserien am Schießstand, "für den Anfang etwas heftig", wie sie selbst hernach befand. Und: "Ich merke, dass der Körper nicht so richtig will, wie ich das gern hätte." Den Sprint in Ridnaun am nächsten Tag konnte sie nicht mitlaufen, "weil es mir wieder richtig schlecht ging".

Ein ständiges Auf und Ab prägte ihre Karriere in den vergangenen Jahren. 2013 bekam sie das Pfeiffersche Drüsenfieber, im darauffolgenden Winter gewann sie mit der Staffel der Juniorinnen den Weltmeistertitel in Presque Isle (USA). Um den nächsten Leistungsschritt einzuleiten, rieten ihr einige dazu, vom Stützpunkt in Furtwangen an den Bundesstützpunkt in Ruhpolding zu wechseln. Sie tat den Schritt, entwickelte sich leistungsmäßig aber nicht weiter. Im Gegenteil, ihre Leistungen begannen stark zu schwanken. Das Training an den Bundesstützpunkten wird primär auf die Weltcupstarter zugeschnitten, Überforderungen der anderen, meist schwächeren Athleten, bleiben nicht aus.

"Ich gebe etwas auf,

was von klein auf mein

Leben bestimmt hat."

Annika Knoll
Die Saison im IBU-Cup, international die zweite Liga, verlief für Annika Knoll im Winter 2015/16 sehr wechselvoll, ihr bestes Saisonrennen zeigte sie ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt in Tjumen (Russland): Sie gewann die Bronzemedaille im Sprint.

Im Sommer 2017 kehrte sie dem Bundestützpunkt den Rücken und kehrte in den Schwarzwald zurück, zu ihrer Familie und zu ihrem Heimtrainer Roman Böttcher. Annika Knoll sollte noch einmal behutsam aufgebaut und auf die Belastungen des Leistungssports vorbereitet werden. Die Magen-Darm-Probleme durchkreuzten jedoch diesen Plan. "Wie lange soll das noch so weitergehen", sagte sie sich, "kann ich ich nicht einfach wieder ganz normal trainieren und Wettkämpfe bestreiten?" Gedanken an das Karriereende kreisten in ihrem Kopf. Sie suchte Rat bei ihren Eltern, wie sie das immer getan hatte. Bei Angela und Jürgen Knoll, den Geschwistern und Verwandten hat sie immer Halt gefunden, wenn sie Halt brauchte. "Egal, wie du dich entscheidest, wir stehen hinter dir", sagten die Eltern. Sie beriet sich auch mit ihrem Trainer Roman Böttcher. "Ich hörte mir alles an, entscheiden musste ich das aber ganz allein", sagt Annika Knoll.

Sie hat entschieden. Ein Auge weint, "weil ich etwas aufgebe, was von klein auf mein Leben bestimmt hat". Das andere Auge lacht, "weil viel Last von mir abfällt. Ich hatte zuletzt einfach kein Vertrauen mehr in meinen Körper."

Der Plan für die Zukunft steht. Sie wird von Buchenbach nach Freiburg umziehen und ein Studium beginnen. Sie wird weiter Sport treiben, aber ohne Leistungszwang. Davor will Annika Knoll am Notschrei noch einmal "ein Biathlon-Wochenende zum Genießen" erleben.