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21. März 2017 18:22 Uhr

Colmar/Fessenheim

Atomaufsicht: Fessenheim-Reaktor soll länger stillgelegt bleiben

Der wegen Mängeln stillgelegte Block 2 des Atomkraftwerks Fessenheim soll nicht im Sommer wieder in Betrieb gehen. Der Atomaufsichtschef sagt: "Das Risiko können wir nicht akzeptieren."

  1. Ein Protestant bei einer Demo für die Schließung des Akw Fessenheim am 12. März Foto: AFP

Der seit vergangenem Sommer stillstehende Block 2 des Atomkraftwerks Fessenheim dürfte später wieder in Betrieb gehen als vom Betreiber geplant. Pierre Bois, Leiter der Straßburger Abteilung der Atomaufsicht (ASN), widersprach während einer Sitzung der Überwachungskommission am Montagabend in Colmar Kraftwerkschef Marc Simon-Jean. Der hatte Anfang März gesagt, der Reaktor würde im Lauf des Sommers hochgefahren. Davon könne nicht die Rede sein, sagte Bois.

Abgeschaltet wegen Materialmängeln

Seit Juni 2016 ist das Kernkraftwerk abgeschaltet. Grund sind Materialmängel in einem Dampferzeuger, der im Jahr 2011 eingebaut worden war. Das Gerät ist 20 Meter hoch, wiegt 300 Tonnen und ist ein Schlüsselstück bei der Stromproduktion im Kernkraftwerk. Er steht unter Druck, und er ist im Betrieb enormen Belastungen ausgesetzt.

Bislang sind nicht alle Zweifel ausgeräumt, ob der Dampferzeuger diese aushalten kann. Er ist Teil eines Skandals um fehlerhafte Reaktorteile, die in den vergangenen Jahrzehnten aus der Schmiede Le Creusot an Frankreichs Akw-Betreiber EdF geliefert wurden.

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25 der 58 Reaktoren im Land betroffen

Das Ausmaß der Mängel kam ans Licht, nachdem Materialschäden an Bauteilen des neuen Reaktors EPR in Flamanville in der Normandie aufgefallen waren. Die Atomaufsicht prüfte Produktionsberichte weiterer Akw-Teile aus Le Creusot. Fazit: 25 der 58 Reaktoren im Land seien betroffen. Den Dampferzeuger in Fessenheim zählt die ASN zu den sicherheitsrelevanten Fällen. Bei seiner Herstellung war es unterlassen worden, den unteren Teil eines zylindrischen Werkstücks vorschriftsmäßig zu kappen. Unregelmäßige Kohlenstoffkonzentrationen gaben für die Atomaufsicht den Ausschlag: Sie entzog dem Betreiber das Prüfzertifikat. Nun, ein Dreivierteljahr später, müssen immer noch Daten ausgewertet werden.

Risiko zu hoch

Claude Ledergerber, ein elsässischer Atomkraftgegner, fragte bei der Sitzung in Colmar, ob man in Le Creusot aus wirtschaftlichen Gründen gegen Vorschriften verstoßen und bewusst die Sicherheit aufs Spiel gesetzt habe? "Das liegt nicht in unserem Ermessen", antwortete Atomaufsichtschef Bois, fuhr dann aber fort. "Bislang haben wir nicht nachgewiesen, dass der Dampferzeuger den Produktionsbedingungen standhält. Das Risiko eines Unfalls können wir nicht akzeptieren."

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Autor: Bärbel Nückles